Französische Business Schools brauchen neue Finanzierung

Bisher wurden die führenden Business Schools in Frankreich meist von den örtlichen Handelskammern mitfinanziert. Damit ist nun Schluss. Auf der Suche nach neuen Einkommensquellen ist für die Grandes Écoles auch der Verkauf von Anteilen an externe Investoren eine Alternative.

Ob die HEC Paris, die ESSEC Business School, die ESCP Europe oder EM Lyon - die führenden Business Schools in Frankreich sind oft Grandes Écoles. Diese  Wirtschaftshochschulen unterstehen nicht - wie die Universitäten - dem Bildungsministerium, sondern in der Regel den lokalen Industrie- und Handelskammern und wurden bisher auch von ihnen mitfinanziert. Doch damit ist nun Schluss und die Schulen müssen neue Einnahmequellen erschließen.

Drei Möglichkeiten, fehlende Einnahmen zu kompensieren

So wurde die ESCP Europe, die auch einen Campus in Berlin hat, in den letzten zehn Jahren mit rund zehn Prozent ihres Budgets von der Pariser Handelskammer finanziert. Früher sei es sogar einmal die Hälfte gewesen, sagt der Berliner Rektor Professor Andreas Kaplan. Nach der schrittweisen Reduzierung, gibt es dieses Jahr nichts mehr. "Zehn Prozent sind zwar kein Pappenstiel, aber lassen sich auch anderweitig kompensieren", sagt Kaplan und sieht dafür grundsätzlich drei Möglichkeiten: Externes Fundraising, effizientere Kostenstrukturen und teilweise höhere Studiengebühren.

HEC Paris sammelt Spenden

Die HEC Paris setzt dagegen auf die neue Kampagne "Impact Tomorrow", bei der sie in fünf Jahren 200 Millionen Euro Spenden einsammeln will. Damit sollen Alumni und die Wirtschaft die Schule unterstützen, ihre Finanzen zu konsolidieren und die Geschwindigkeit ihrer Transformation erhöhen. Bis Juni hatte die HEC bereits 70 Millionen Euro von 8.000 Spendern eingeworben. 18 Prozent von ihnen sind internationale Absolventen. Zu den Spendern gehören auch 43 Partnerunternehmen. Allein HEC-Alumnus Jean-Paul Agon, CEO von L’Oréal, hat eine Million Euro in eine Treuhandstiftung der HEC Foundation eingezahlt, um die Chancengleichheit und soziale Diversität der Business School zu verbessern.

Externe Investoren als Alternative

Eine weitere Möglichkeit ist der Verkauf von bis zu 49 Prozent der Anteile an Investoren. Die Mehrheit bleibt dabei bei der Handelskammer. "Die Investoren bekommen keine Dividenden", erklärt ESCP-Europe-Rektor Kaplan. "Dies soll sicherstellen, dass die Schulen weiterhin ausschließlich einem gemeinnützigen Zweck dienen." Für die ESCP Europe kamen solche externen Investoren bisher noch nicht in Frage.

Die EM Lyon Business School hat dagegen als erste Schule bereits für 40 Millionen Euro Anteile an zwei externe Investoren verkauft. Je 14 Prozent gingen an die staatsgebundenen Qualium Investissement und den Private Equity Fund BPI-France Investissement. Geplant sind weitere Verkäufe an Investoren sowie Mitarbeiter und Alumni. So will man 100 Millionen Euro einsammeln und den Anteil der Handelskammer damit auf 51 Prozent reduzieren.

Schulen akzeptieren Aufsichtswunsch der Handelskammern

Auch andere französische Schulen wie die Grenoble École de Management, die Toulouse Business School und die Neoma Business School sind derzeit auf der Suche nach neuen Finanzquellen und betonen, ihre akademische Qualität beibehalten zu wollen und den Wunsch der Handelskammern nach ihrer Aufsicht zu akzeptieren.


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