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13.07.2016 | Serie Digital Leadership: Neue Verhältnisse, neue Führung

Das Leitbild der digitalen Führungskraft

Serienelemente
Zum digitalen Führen gehört auch die Nutzung entsprechender Devices und Anwendungen.
Bild: Idey/fotolia

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Unsere Serie "Digital Leadership" beleuchtet das Thema aus der Management-Perspektive und lässt Experten zu Wort kommen. Heute erläutert Simon Dückert, worauf Führungskräfte in der digitalen Wissensgesellschaft achten sollten. 

An welchen Leitplanken kann sich eine Führungskraft orientieren, wenn sie sich und ihre Organisation fit für die digital Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts machen möchte? Gemäß des Prinzips der Evolution werden im Folgenden alle zu bewahrenden Aspekte der Managementtheorien von Frederick W. Taylor ("Scientific Management"), Peter F. Drucker ("The Practice of Management"), Fredmund Malik ("Strategie des Managements komplexer Systeme") und Gary P. Hamel ("The Future of Management") aufgegriffen und in den Kontext der digitalisierten Wissensgesellschaft gestellt. Es entsteht das Leitbild "Digitale Führungskraft", das Führungskräfte und Manager ganz oder in Teilen für Ihre Führungspraxis einsetzen können.

Das Leitbild der "Digitalen Führungskraft"

  1. Offenheit und Vertrauen - Ich vertraue meinen Mitarbeitern und bin offen. Offenheit bezieht sich dabei sowohl auf den offenen Umgang mit Informationen, als auch auf die Offenheit für Neues und die Freude am Experimentieren.
  2. Geschwindigkeit durch digitale Vernetzung - Ich nutze und fordere digitale Medien, um in meiner Organisation Schnelligkeit, Agilität und Flexibilität zu ermöglichen. Das schließt die Vernetzung von Menschen mit Menschen (soziale Netzwerke), Menschen mit Informationen (Wikis, Blogs) und Informationen mit Informationen (Links, Tags) ein.
  3. Das beste Wissen einsetzen - Ich sorge dafür, dass in allen Aktivitäten stets der weltweit bestmögliche Wissensstand angewendet wird. Das kann zum Beispiel durch flexible Dokumentation von Prozessen und Aufgaben in Wikis, die Anwendung der Methode "Working Out Loud" oder die Anwendung des Plan-Do-Check-Act-Ansatzes erfolgen.
  4. Mitarbeiter entwickeln - Ich begleite meine Mitarbeiter in ihrem selbstgesteuerten, lebenslangen Lernen. Das kann durch die Entsendung zu Trainings und Lernveranstaltungen (formelles Lernen), aber auch durch informelle Lernangebote wie Communities of Practice, Moocs, Barcamps, Online-Videos et cetera geschehen. Lebenslanges Lernen praktiziere ich natürlich selber auch.
  5. Organisation als Community - Ich begegne allen Mitarbeitern ‒ offline und online ‒ auf Augenhöhe und nie von oben herab. Visionen und Ziele werden gemeinsam und partizipativ entwickelt. In dieser Gemeinschaft zählen die besten Argumente und Ideen, nicht andere Faktoren wie Alter, Geschlecht, Herkunft oder Position. Soziale Netzwerke helfen uns, Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn zu stärken.
  6. Transparenz bei Verantwortlichkeiten und Aufgaben - Ich sorge dafür, dass die Verantwortlichkeiten und Aufgaben aller Beteiligten transparent sind. Das kann zum Beispiel durch die Abbildung von RACI-Matrizen (Responsible, Accountable, Consulted, Informed) in Wikis mit dezentraler Pflege geschehen. Statt auf Mikromanagement setze ich auf Autonomie der Wissensarbeiter.
  7. Leading Out Loud - Ich mache meine eigene Arbeit sichtbar und erzähle kontinuierlich ‒ offline und online ‒ über meinen Führungs- und Lernprozess. Dadurch kommuniziere ich Informationen in die Breite (vom Prinzip "need to know" hin zu "open by default"), erhalte wertvolles Feedback und bin gleichzeitig Vorbild für das "Working Out Loud" aller Mitarbeiter.
  8. High Tech und High Touch - Ich steuere nicht den einzelnen Menschen, sondern kümmere mich um die Gestaltung des Gesamtsystems. Dazu gehört sowohl die physische Infrastruktur (Büros, Arbeitsplatz der Zukunft, Coworking Space, Innovation Lab, Barcamps), als auch die digitale Infrastruktur (soziale Intranets, soziale Netzwerke, Enterprise 2.0, Wikis, Blogs, Podcasts, Videoportale).

Führungskräfte, die sich mit den Megatrends Digitalisierung und Wissensgesellschaft frühzeitig beschäftigen und deren Auswirken auf das notwendige Führungsverhalten erkennen, setzen sich nicht nur an die Spitze dieser innovativen Themen, sondern tragen in ihren Organisationen zur Überlebensfähigkeit bei und sichern nachhaltig den Erfolg.

Buchtipp:

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Digital Leadership. Erfolgreich Führen in Zeiten der Digital Economy", das von Professor Thorsten Petry herausgegeben wird. Den Titel können Sie im Haufe-Shop erwerben

Autor


ist Berater und Coach im Bereich "Wissensmanagement", "lernende Organisation" und "Management 2.0".

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