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| Fachkräftemangel

Neue Daten zeigen weitere Stellenengpässe auf

Um dem demografischen Wandel zu begegnen, sollen Handwerker länger arbeiten.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur hoch qualifizierte Ingenieure, sondern auch Kellner, Klempner und Pflegepersonal, so eine aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Das Handwerk plädiert nun dafür das Rentenalter hochzusetzen – was viele Arbeitnehmer ablehnen.

Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft berichtet, ist bei Kellnern, Klempnern oder Pflegekräften der Engpass größer als bei studierten Vermessungstechnikern, Ärzten oder Mechatronikern. Insgesamt gebe es 119 sogenannte Engpassberufe, bei denen die Zahl der Stellenangebote die gemeldete Zahl der Arbeitslosen im Juni überstieg.

Darum plädiert das Handwerk für ein Heraufsetzen der Renten-Grenze. "Wer kann, soll bis 70 arbeiten", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler, dem Magazin "Focus". Viele Ältere seien fit. "Selbst wenn sie nur halbe Tage arbeiten, ihre Erfahrung kann uns helfen." Einzelne Betriebe müssten heute schon Aufträge ablehnen, weil ihnen die Fachkräfte fehlen.

Hohes Rentenalter eher unbeliebt

Aber: Die Rente mit 67 bleibt bei den deutschen Arbeitnehmern wenig beliebt. Etwa 87 Prozent der Bundesbürger würden am liebsten aufhören zu arbeiten, bevor sie 65 Jahre alt sind. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK im Auftrag der "Welt am Sonntag" hervor. Das "Wunschrentenalter" liegt demnach für die meisten zwischen 55 und 64 Jahren. Lediglich knapp sieben Prozent der Deutschen können sich hingegen vorstellen, bis zur künftig vorgesehenen Altersgrenze von 67 Jahren erwerbstätig zu bleiben. Da mag die Klage eines Lehrers, der seine Pensionierung nicht akzeptieren wollte und nun – vorerst – weiterarbeiten darf, wohl eher ein Ausnamefall bleiben.

Vergangenes Jahr lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter der Männer bei 61,2 Jahren, Frauen gingen mit 61 Jahren in Rente. Das waren die höchsten Werte seit mehr als 20 Jahren. Für die repräsentative Erhebung wurden den Angaben zufolge rund 1.000 Frauen und Männer ab 14 Jahren zwischen dem 19. und 26. Juli befragt.

Arbeitgeberimage stärken, Ausländer anwerben

Der Handwerks-Präsident sieht jedoch auch noch weitere Lösungen: Die Handwerksbetriebe müssten sich noch stärker als moderne und technologiegetriebene Arbeitgeber präsentieren, um für Schulabgänger attraktiv zu sein, sagte Kentzler. Für den Nachwuchs sieht er beste Chancen: "Wer nicht auf den Kopf gefallen ist, bekommt auf alle Fälle eine Anstellung. Die nächste Generation kann im Prinzip von Vollbeschäftigung ausgehen." Um den Fachkräftemangel zu entschärfen, müsse man sich verstärkt auch um diejenigen kümmern, die keinen Schulabschluss haben. "Da schlummert durchaus Potenzial."

Zuwanderung sei nur ein "kleiner Teil der Lösung" des Demografieproblems, sagte der Handwerkspräsident. Es kämen zu wenige Ausländer. Sie müssten zudem zunächst sprachlich und fachlich auf eine Ausbildung vorbereitet werden.

dpa / Haufe Online Redaktion

Fachkräftemangel, Handwerk, Rente, Recruiting, Demografischer Wandel

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