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Experteninterview: Ausländische Lebensläufe richtig beurteilen

Fachkräfte im Ausland rekrutieren: Das ist eine der Möglichkeiten, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Doch einige Praxisprobleme stellen sich allein schon, wenn Personaler die ausländischen Abschlüssen bewerten sollen. Angela Griem von der Bundesagentur für Arbeit gibt Tipps.

Haufe Online-Redaktion: Frau Griem, Sie sind Expertin in der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Wenn Personaler nun vermehrt Lebensläufe von Bewerbern aus dem Ausland oder mit Migrationshintergrund bekommen, wie können sie dann einen ausländischen Studienabschluss bewerten?

Angela Griem: Zunächst muss man hier zwischen einem Abschluss für einen reglementierten Beruf wie zum Beispiel bei Ärzten oder Anwälten und einem nicht-reglementierten Beruf unterscheiden. Im ersten Fall muss der Bewerber seinen Abschluss zwingend anerkennen lassen. Im anderen Fall muss der Personaler selbst entscheiden, ob er den Abschluss einem deutschen gleichwertig ansieht.

 

Haufe Online-Redaktion: Wo kann er sich darüber informieren?

Griem: Unter www.anabin.de hat das Kultusministerium eine Datenbank initiiert, die alle in Deutschland bekannten Hochschulen aus dem Ausland aufführt. Diese wird ständig aktualisiert und gibt darüber Auskunft, ob die ausländische Hochschule dem deutschen Standard entspricht und hier auch als Hochschule angesehen werden kann.

 

Haufe Online-Redaktion: Und wie sieht es aus, wenn der Bewerber im Ausland eine duale Ausbildung absolviert hat?

 Griem: Für duale Ausbildungen gibt es bisher kein Anerkennungsverfahren. Manche Kammern unterstützen die Arbeitgeber dabei, Informationen über die Vergleichbarkeit mit einer deutschen Ausbildung zu erhalten. Aber das ist regional unterschiedlich und nicht institutionalisiert.

 

Haufe Online-Redaktion: Das heißt aber, dass sich Personaler in vielen Fällen nicht auf gesicherte Informationen verlassen können.

Griem: Das ist richtig. Häufig müssen sich Personaler bisher einfach auf ihr Gefühl verlassen. Die Anerkennungsberater der ZAV unterstützen Arbeitgeber dabei auch. Allerdings wenden sich bisher eher die Arbeitnehmer an uns. Den Stellensuchenden empfehlen wir jedenfalls immer die entsprechenden Nachweise gleich mit in der Bewerbung einzureichen. Nach meiner Erfahrung scheitert die Einstellung ausländischer Fachkräfte aber häufig nicht an fehlenden anerkannten Fachkenntnissen sondern an anderen Kriterien wie zum Beispiel den Sprachkenntnissen.

 

Haufe Online-Redaktion: Wird sich hier durch das von Bildungsministerin Annette Schavan eingebrachte Gesetz zur erleichterten Anerkennung ausländischer Abschlüsse etwas ändern?

Griem: Ja, dazu gibt es Pläne. Das neue Gesetz soll allen Personen mit einem ausländischen Bildungsabschluss die Möglichkeit geben, ihre Abschlüsse auf Gleichwertigkeit zu einem deutschen Abschluss überprüfen zu lassen. Darüber hinaus soll eine Datenbank aufgebaut werden, die der bereits genannten für akademische Abschlüsse entspricht. Es wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis diese Daten einigermaßen vollständig sind.

 

Das Interview führte Kristina Enderle.

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