Serienelemente
Beim Update zum "Enterprise 2.0" vertragen sich einige "Social Collaboration Tools" offenbar nicht mit gängigen ERP-Systemen. Bild: Haufe Online Redaktion

"Social Collaboration Tools" sollen für reibungslose Kommunikationsprozesse sorgen und damit den Wissenstransfer in Unternehmen fördern. Doch wo stehen die deutschen Unternehmen auf dem Weg zum "Enterprise 2.0" - und was sagt dieser Begriff überhaupt aus? Ein kurzer Überblick. 

Als der IT-Journalist Eric Knorr das Schlagwort "Web 2.0" im Jahr 2003 erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorstellte, war die Geschäftswelt im Umbruch: Die sogenannte "Dotcom-Blase" war kurz zuvor geplatzt; die Geschäftsmodelle zahlreicher Technologieunternehmen hatten sich als Fehlschläge erwiesen. Überlebt haben lediglich jene Unternehmen, die das Internet so einzusetzen wussten, wie es noch heute genutzt wird - als dezentrale Plattform, auf der Wertschöpfung eben kein einseitiger Prozess mehr ist.

Web 2.0: Vom Massenmedium zum Medium der Massen

Heute sind die Internetnutzer Produzenten und Konsumenten in Personalunion, sie sind "Prosumer". Diese Entwicklung steht im Kern dessen, was Knorr und andere mit dem Schlagwort Web 2.0 beschreiben: Das Internet hat sich zu einem Medium des Austauschs entwickelt, das zu großen Teilen von der Zusammenarbeit seiner Nutzer lebt - Wikis, Blogs, Social-Media-Plattformen und Open-Source-Projekte sind Ausdruck dieser Logik. Die Bedeutung des Internets für die heutige Wissensgesellschaft ist freilich schwer zu beziffern. Sehr na­he­lie­gend ist allerdings, dass diese Gesellschaft in starkem Maße von der Vernetzung seiner Mitglieder profitiert, denn Fortschritt hängt schließlich eng mit Informationsaustausch zusammen, wie es beispielsweise die wissenschaftliche Forschung immer wieder deutlich macht. 

Produktivität durch Austausch 

In kleineren Organisationseinheiten ist der Informationsaustausch ebenfalls zentral. So hängt auch die Produktivität eines Unternehmens entscheidend davon ab, ob Wissen und Fähigkeiten, die Human Resources, der Mitarbeiter sinnvoll eingesetzt werden. Oft weiß die eine sprichwörtliche Hand jedoch gar nicht so genau, was die andere tut, etwa, weil es keinen geregelten Austausch zwischen verschiedenen Standorten gibt. Hier sollen sogenannte "Social Collaboration-" und "Groupware"-Tools helfen. Es handelt sich um Software-Anwendungen, die den Wissensaustausch fördern und die Mitarbeiter gerade bei komplexen Projekten unterstützen sollen. In Anlehnung an den Web-2.0-Begriff lautet das Schlagwort in diesem Kontext "Enterprise 2.0". Es geht hier darum, Wertschöpfungs- und Kommunikationsprozesse im Unternehmen mithilfe von Softwarelösungen effizienter zu gestalten - und zwar durch eine gezielte Vernetzung der Mitarbeiter. 

Einsatz von Kollaborations- und Kommunikationssoftware

Die Einsatzbereiche für Kollaborations- und Kommunikations-Lösungen sind dabei durchaus vielfältig. Das zeigt etwa eine Marktforschungsstudie, für die der IT-Berater "Softselect" 200 IT-Verantwortliche aus mittelständischen deutschen Unternehmen befragt hat. Demnach werden Kollaborations- und Kommunikationslösungen in deutschen Unternehmen vor allem für die E-Mail-Korrespondenz (100 Prozent) und die Bereitstellung eines Intranets (82) verwendet. Daneben zählen Ticketsysteme (69 Prozent), Tools für betriebswirtschaftliche Analysen (69 Prozent) sowie Anwendungen zur Durchführung von Web-Konferenzen (66 Prozent) zu den prominentesten Anwendungsbeispielen. Die verbreitetsten Social-Collaboration-Produkte im deutschen Mittelstand sind laut der Softselect-Studie die Groupware-Anwendung "Microsoft Exchange" (81 Prozent), die Kollaborationsplattform "Microsoft Sharepoint" (61 Prozent) sowie spezialisierte Instant-Messaging- und File-Sharing-Anwendungen des Anbieters "Skype for Business" (38 Prozent).  

Erwartungen auf dem Weg zum Enterprise 2.0

Die Zielsetzungen für den Einsatz von Kollaborations- und Kommunikations-Software scheinen bei den deutschen Mittelständlern recht eindeutig - es geht um Effizienz, Transparenz und Wissenstransfer: Beinahe alle (94 Prozent) der von Softselect befragten Unternehmen gaben an, die Steigerung der Mitarbeiter-Produktivität sei das primäre Ziel. Ähnlich wichtig seien allerdings auch eine Zeit- und Kostenersparnis im Tagesgeschäft (87 Prozent) sowie ein Gewinn an Transparenz auf der Informations- und Prozessebene (86 Prozent). Weitere bedeutsame Faktoren seien zudem ein effektiver Austausch von Fach- und Methodenwissen im Unternehmen (86 Prozent) sowie eine verbesserte Informationssicherheit (78 Prozent). 

Halten Social Collaboration Tools, was sie versprechen? 

Was den Funktionsumfang der verschiedenen Social-Collaboration-Lösungen betrifft, ist die Zufriedenheit unter den befragten Unternehmen zumeinst hoch (61 Prozent) oder sogar sehr hoch (20 Prozent). Ein anderes Bild zeigt sich allerdings, wenn es um die Integration von Social-Collaboration-Anwendungen in bestehende Software-Systeme geht: In diesem Zusammenhang kritisieren die Experten von Softselect, die eigentlich durchaus zufriedenstellenden Funktionen der gängigen Kollaborations- und Kommunikations-Anwendungen müssten besser auf individuelle Anforderungen ausgerichtet werden. "Um eine medienbruchfreie, effektive und standortübergreifende Vernetzung sicherzustellen", resümieren die Studienautoren, "bedarf es durchgängiger Prozesse und einer einheitlichen Datenbasis." Wie ein solches Update zum "Enterprise 2.0" in fünf Schritten gelingt, erklärt Innovations-Experte Stephan Grabmeier.

Schlagworte zum Thema:  Software, HR-Software, Human Resources (HR), HR-Management

Aktuell
Meistgelesen