21.03.2012 | HR-Management

Engagement Index 2011: Schlechte Chefs sorgen für Frust im Job

Wie bereits in den Vorjahren fällt das Ergebnis des Engagement Index, der vom Beratungsunternehmen Gallup veröffentlicht wird, vernichtend aus. Demnach hätte jeder vierte Beschäftigte in Deutschland bereits innerlich gekündigt. Schuld daran seien vor allem schlechte Führungskräfte. Einziger Wermutstropfen: Die Methodik der Studie gilt seit Jahren als umstritten.

Auch im Jahr 2011 ist es Führungskräften in Deutschland nicht gelungen, ihre Mitarbeiter mitzunehmen: 23 Prozent der Beschäftigten haben innerlich bereits gekündigt. 63 Prozent der Arbeitnehmer machen Dienst nach Vorschrift und spulen lediglich das Pflichtprogramm ab. Einzig 14 Prozent der Angestellten verfügen über eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber und sind bereit, sich freiwillig für dessen Ziele einzusetzen.

Dies ist das Ergebnis des Gallup Engagement Index 2011, den das Beratungsunternehmen in Berlin vorgestellt hat. Für die jüngste Untersuchung wurden 1.323 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahren von Oktober bis Dezember 2011 telefonisch interviewt.

 

Direkte Vorgesetzte häufig Grund für geringe Bindung der Mitarbeiter

Die Ursachen für die geringe emotionale Bindung seien der Studie zufolge hausgemacht und vor allem auf Defizite in der Personalführung zurückzuführen. So stimmten beispielsweise nur vier Prozent der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung der Aussage „Ich habe in den letzten sieben Tagen für gute Arbeit Anerkennung und Lob bekommen“ uneingeschränkt zu. Bei den emotional hoch gebundenen Arbeitnehmern lag dieser Wert hingegen bei 79 Prozent. Ähnlich verhält es sich auch, wenn es um konstruktives Feedback geht (2 Prozent zu 75 Prozent).

Des Weiteren gaben nur fünf Prozent der Beschäftigten ohne emotionale Bindung an, dass sich jemand bei der Arbeit für sie als Mensch interessiert (emotional hoch Gebundene: 93 Prozent). Nur ein Prozent der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung erklärt, dass es jemandem im Unternehmen gibt, der die persönliche Entwicklung fördert (emotional hoch Gebundene: 87 Prozent). Nur drei Prozent der emotional nicht gebundenen Mitarbeiter mochten der Aussage uneingeschränkt zustimmen, ihre Meinungen und Ansichten hätten im Unternehmen Gewicht. In der Gruppe der emotional hoch Gebundenen stimmten 93 Prozent ohne Wenn und Aber zu.

 

Hohe Folgekosten für Volkswirtschaft und Unternehmen

Die emotionale Mitarbeiterbindung verharrt seit Jahren auf niedrigem Niveau – was den Unternehmen teuer zu stehen kommt. Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup, fasst zusammen: „Der aufgrund von innerer Kündigung entstehende gesamtvolkswirtschaftliche Schaden ist erheblich. Er beläuft sich jährlich auf eine Summe zwischen 122,3 und 124,0 Milliarden Euro.“ Problematisch daran: Wie diese Zahlen berechnet werden, lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen von Gallup nicht erschließen. Es bleibt die Frage, wie hoch man den Wert eines engagierten Mitarbeiters im Gegensatz zu einem wenig engagierten ansetzt. 

 

Andere Studien zeigen abweichende Ergebnisse auf

Hinzu kommt, dass andere Studien, die auch für sich den Anspruch erheben, das Engagement der Arbeitnehmer zu erheben, zu teilweise stark abweichenden Ergebnissen gelangen. So heißt es zum Beispiel in einer Studie zu Mitarbeitermotivation und –engagement der Managementberatung Hay Group: 67 Prozent der deutschen Befragten sind motiviert und durch ihr berufliches Umfeld auch in der Lage, Engagement einzubringen. Diese unterschiedlichen Resultate rühren zum Teil aber auch von anderen Konzepten von Engagement her, die in den Studien genutzt werden. Häufig ist dabei nicht immer wirklich nur Engagement gemeint, sondern es wird auch Committment, Motivation oder Arbeitszufriedenheit in den Untersuchungen abgefragt.

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