| Employer-Awards

Ein nüchterner Blick auf Arbeitgeberranglisten

Große Emotionen! Doch ob sich die Teilnahme an einem Employer-Award lohnt, sollte mit Bedacht erwogen werden.
Bild: Haufe Online Redaktion

Wettbewerbe und Ranglisten für Arbeitgeber sind in Mode - drei Dutzend regelmäßige Employer-Awards gibt es allein im deutschsprachigen Raum. Unternehmen nutzen sie gerne zur Stärkung der Arbeitgebermarke. Wie dies generell einzuschätzen ist, zeigt eine Analyse im Wissenschaftsjournal "PERSONALquarterly".

Sechs Bedingungen für die Entscheidung zur Teilnahme an einem Employer-Award listen Prof. Dr. Thomas Spengler und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Jessica Naundorf in ihrem Beitrag für "PERSONALquarterly" (Ausgabe 3/2012) auf. Spengler hat den Lehrstuhl für Unternehmensführung und Organisation an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg inne. Ihn treibt als Forscher die Frage um, ob sich Unternehmen an den so populären Arbeitgebervergleichen beteiligen sollten. Sie gelten gemeinhin als wirkungsvoller Beitrag für das Employer Branding eines Arbeitgebers. Doch ist dem wirklich so?

Sechs Anforderungen an die Awards

Laut den Autoren sollten die Awards möglichst folgende sechs Anforderungen erfüllen, damit die Teilnahme daran als vernünftig nachvollziehbarer Schritt zur Stärkung der Arbeitgebermarke gelten kann:

  • Erstens sollte der Vergleich objektiv, reliabel und valide im Sinne der klassischen Testtheorie sein - absolute Grundvoraussetzung für belastbare Aussagen für die Güte der Personalarbeit bei den Teilnehmern.
  • Zweitens sollte eine nur bruchstückhafte Abbildung des Arbeitgebermarkts vermieden werden - zumindest in der relevanten Branche oder Region.
  • Drittens sollten die Bewertungskriterien und auch das Zustandekommen der Ergebnisse für den neutralen Beobachter zu durchschauen und nachzuvollziehen sein.
  • Viertens sollten jeweils alle Teilnehmer eine ausführliche Analyse ihrer Ergebnisse erhalten, um so wirkliche substanzielle Verbesserungen an ihrer Personalarbeit vornehmen zu können.
  • Fünftens sollten an den verwendeten Skalen zur Beurteilung der Teilnehmer keine unzulässigen arithmetischen Operationen vorgenommen werden.
  • Sechstens sollten schließlich nicht eine übertrieben starke Identifizierung des Beurteilers mit einem Unternehmen oder andere persönlichen Motive die Bewertung verfälschen.

Abwägen in der Praxis

In der Praxis würden diese Anforderungen fast immer nur mit Einschränkungen erfüllt. Dennoch könne eine Teilnahme an einem Award sinnvoll sein, etwa um sich als weniger bekanntes Unternehmen prominent in der Öffentlichkeit zu platzieren - und so die Rekrutierung zu erleichtern. Es gebe aber auch Risiken: So könnte eine wenig erfolgreiche Teilnahme demotivierend auf die Belegschaft wirken. Arbeitgeber, denen es weniger um "Fassadeneffekte" gehe, sondern um echte Verbesserungen in ihrem HR-Bereich, sollten indes die sechs genannten Bedingungen stets im Auge behalten. Auf jeden Fall sollte die Entscheidung über eine Teilnahme mit Bedacht getroffen werden.

Weitere Informationen zu PERSONALquarterly finden Sie hier: PERSONALquarterly

Schlagworte zum Thema:  Award, Ranking, Employer Branding

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