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| Einkommensungleichheit

Geringe Arbeitszeiten vergrößern die Einkommenskluft

Teilzeitbeschäftigte und Minijobber würden oft gern mehr arbeiten. Ihr Bestreben bleibt häufig erfolglos.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Nicht nur die niedrigen Löhne verursachen die wachsende Einkommenskluft in Deutschland, sondern auch geringe Arbeitszeiten. So können Haushalte wegen Teilzeit in die unterste Einkommensschicht rutschen, wie eine IAQ-Studie zeigt.

Eine Untersuchung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) zur Einkommensungleichheit in Deutschland zeigt, dass geringe Arbeitszeit die Einkommenskluft vergrößert. So rutschen viele Haushalte wegen Teilzeit in die unterste Einkommensschicht, während andere wegen langer Arbeitszeiten mit zwei Vollverdienern ganz nach oben rücken können – selbst mit mittleren Stundenlöhnen.

In unteren Einkommensschichten nimmt Vollbeschäftigung ab

Der IAQ-Studie zufolge hat die Vollzeitbeschäftigung insbesondere in den unteren Einkommensschichten abgenommen. Nur noch 42 Prozent der Haushalte haben hier einen Vollverdiener – 20 Prozent weniger als noch vor 15 Jahren. In der Oberschicht haben hingegen 78 Prozent einen Vollverdiener. „Die Arbeitszeiten sind zunehmend ungleich verteilt“, sagt IAQ-Direktor Professor Gerhard Bosch.

Mehr Optionen durch höheren Stundenlohn

Die Zahl der bezahlten Arbeitsstunden steigt mit wachsendem Einkommen. Zwischen 2011 und 2013 war der durchschnittliche Stundenlohn in der Oberschicht mit 38,62 Euro rund fünfmal höher als in der Unterschicht.
Durch die höheren Stundenlöhne verändern sich die Optionen. So können es sich Haushalte eher leisten, dass zwei Verdiener nur Teilzeit arbeiten oder nur eine Person die Familie ernährt. In der Oberschicht hatten mit 51 Euro die Alleinernährer und mit 52 Euro die Haushalte mit zwei Teilzeitbeschäftigten die höchsten Stundenlöhne.

Wenigverdiener zu Teilzeit verdammt

Wenigverdiener würden ihr Gehalt durch längere Arbeitszeiten gerne aufbessern. Dieser Wunsch ist allerdings selten erfolgreich. Wegen ihrer geringen Qualifikation wird ihnen oft nur Teilzeitarbeit angeboten oder sie sind unfreiwillig arbeitslos. „Die Chancen, Arbeits- und Erwerbswünsche auch tatsächlich zu realisieren, sind sehr unterschiedlich“, so Professor Bosch.
Pro Haushalt nehmen die Wünsche nach mehr Arbeit mit steigendem Einkommen ab. Während in der untersten Schicht fast 44 Prozent länger arbeiten würden, sind es in der Oberschicht knapp 21 Prozent. Insbesondere die Teilzeitbeschäftigten und die Minijobber würden gerne länger arbeiten.

Fehlanreize beseitigen

Die Beschäftigungs- und Wirtschaftspolitik müsse darauf zielen, die Ungleichheit bei den Markteinkommen zu verringern, so Professor Bosch. „Die Fehlanreize für Beschäftigte, nur kurz zu arbeiten, und für Unternehmen, nur Minijobs anzubieten, müssen beseitigt werden.“ Darüber hinaus müssten die Arbeitszeitoptionen gering Qualifizierter durch Nachqualifizierung verbessert werden.

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Haufe Online Redaktion

Einkommen, Löhne und Gehälter, Teilzeitarbeit, Vollzeit, Arbeitszeit

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