31.05.2011 | HR-Management

Eignungsdiagnostik: Was ein Führungs-Check leisten muss

Der Softwarekonzern SAP schickt den eigenen Vorstand zum Eignungstest, berichtete kürzlich das "Manager Magazin". Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) begrüßt diesen Schritt. Vorausgesetzt, die Qualität der Testverfahren stimme, so BDP-Präsidentin Siegl.

Seit Mai bittet SAP-Arbeitsdirektorin Angelika Dammann die Top-Führungskräfte zum Assessment: In einem dreitägigen Verfahren müssen die Entscheider ihr persönliches Führungsverhalten einer Prüfung unterziehen und es gegebenenfalls verbessern.

Der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP), der für eignungsdiagnostische Verfahren bereits 2003 eine Deutsche Industrienorm ins Leben gerufen hat, begrüßt diese Entscheidung von SAP. Für BDP-Präsidentin Sabine Siegl ist dies ein wichtiges Signal, da im internationalen Vergleich noch viel zu wenige deutsche Firmen diese Möglichkeit nutzen würden.

 

Qualitätskriterien der Testverfahren

Entscheidend für den Erfolg solcher Verfahren, sei jedoch die Qualität, die an bestimmte Voraussetzungen geknüpft sei, so Siegl. Als eine der wichtigsten bezeichnet sie eine gute Vorbereitung: Für die zu testenden Führungskräfte muss ein Anforderungsprofil erstellt werden, denn eine Person sei immer nur für etwas geeignet. Zudem liefere ein solches Profil wichtige Anregungen für die Gestaltung des weiteren Verfahrens, zum Beispiel für Interviewfragen und Rollenspiele.

Ein Ergebnis von hoher Güte setze zudem eine ebensolche Qualität bei den Verfahren und den durchführenden Personen voraus, betont Professor Martin Kersting, Mitglied des DIN-Normenausschusses. Die Qualitätskriterien dafür seien in der DIN 33430 klar definiert. „Als Königsweg der Diagnostik gilt der Methodenpluralismus - eine anforderungsorientierte, theoriegeleitete Kombination unterschiedlicher diagnostischer Vorgehensweisen. Wer wie SAP durch exzellentes Führungspersonal seine Umsätze bis 2015 auf 20 Milliarden Euro verdoppeln will, sollte nicht an der falschen Stelle sparen.“

 

Neue ISO-Norm 10667 voraussichtlich Dezember 2011

Ein internationales Expertengremium unter Leitung von Professor Lutz Hornke hat nicht zuletzt auf der Basis der DIN 33430 inzwischen einen internationalen Standard entwickelt, der sicherstellt, dass Mindestanforderungen an die wissenschaftliche Aussagekraft und Methodik erfüllt. Eine endgültige Entscheidung über die Einführung der neuen ISO-Norm 10667 gilt als sicher und wird für Mitte Dezember erwartet. Sie umfasst unter dem englischen Begriff „Assessment“ alle Verfahren, die auf Personen, Gruppen oder Organisationen angewandt werden und Aussagen zur beruflichen Eignung treffen, sei es in Rekrutierungsverfahren, bei Auswahlentscheidungen oder Beförderungen.

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