Nicht immer lohnt sich eine Promotion auch finanziell. Wie groß der Unterschied im Einstiegsgehalt von Absolventen mit und ohne Doktortitel ist, zeigt die Infografik. Bild: Statista

Nach wie vor führen viele deutsche Topmanager einen Doktortitel, zeigt eine aktuelle Studie zweier Business Schools. Doch das könnte sich bald ändern: Denn die neue Generation von Managern setzt laut der Analyse der Wissenschaftler auf andere Bildungswege.

Was haben Daimler-Chef Dieter Zetsche, der Eon-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen und Post-CEO Frank Appel gemeinsam? Sie alle sind promoviert, dürfen also einen Doktortitel führen.

Damit sind sie auf der oberen Führungsebene deutscher Unternehmen keine Ausnahme: Mit rund 45 Prozent ist nach wie vor ein hoher Anteil der deutschen Topmanager aus den Dax-30-Unternehmen promoviert, wie nun Wissenschaftler der beiden Business Schools ESCP Europe Berlin und HHL Leipzig Graduate School of Management in einer gemeinsamen Studie festgestellt haben. Die Forscher hatten untersuchte, welche Rolle der Doktortitel heute unter den Vorständen und Aufsichtsräten der Dax 30 spielt.

Vor allem Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende können demnach mit einem "Dr." auf der Visitenkarte glänzen: Sie tragen den Titel häufiger als die restlichen, "einfachen" Mitglieder des Vorstands.

Doktortitel signalisiert Leistungsfähigkeit und Ausdauer

Dass Kandidaten mit Doktortitel für die oberste Führungsebene so beliebt sind, hat nach Ansicht der Studienautoren viel mit der Signalwirkung einer Promotion zu tun: Wer promoviert hat, beweise zum einen Leistungsfähigkeit, Ausdauer, Engagement und Selbstständigkeit, so die Studienautoren.

Zum anderen komme "dem Doktortitel in Deutschland als signalgebendem Ausbildungszertifikat" eine besondere Rolle zu: Denn hierzulande gebe es – im Gegensatz zu Ländern wie den USA, Frankreich oder Großbritannien – keine ausgeprägte Qualitätsdifferenzierung zwischen den Hochschulen, schreiben die Autoren. Wer sich also nicht wie seine internationalen Kollegen mit einem Diplom von Harvard, Yale und Co. auszeichnen kann, kann sich in Deutschland mit einem Doktortitel distinguieren.

MBA-Abschluss ist im Kommen

Doch die Studie von ESCP Europe und HHL Leipzig zeigt auch, dass die Tage, in denen ein Doktortitel der am weitesten verbreitete Abschluss auf Topmanagement-Ebene ist, gezählt sein könnten: Denn unter den jüngeren Topmanagern ist ein Doktortitel weniger verbreitet als bei ihren älteren Kollegen. Häufiger anzutreffen ist bei ihnen ein MBA-Abschluss. Unter den Dax-30-CEOs mit MBA sind Allianzchef Oliver Bäte, der sein MBA-Studium an der renommierten Stern School of Business der New York University absolvierte, und SAP-CEO Bill McDermott, der an der Kellogg Graduate School of Management der Northwestern University seinen MBA-Abschluss machte.

"Im Aufsichtsrat werden wir aufgrund des Alters seiner Mitglieder sicher auch in zehn Jahren noch viele Doktortitel sehen", prognostiziert Studienautor Professor Stefan Schmid von der ESCP Europe Berlin in einem Interview in Ausgabe 10/2017 des "Personalmagazins" (hier können Sie die Ausgabe als App lesen). Im Vorstand werde sich dies wohl schneller ändern, auch weil manche Manager jünger in den Vorstand berufen werden. "Dazu kommt die zunehmende Diversität im Topmanagement, die auch der Deutsche Corporate-Governance-Kodex fordert: Je mehr Ausländer mit anderen Bildungsverläufen Topmanager sind, desto vielfältiger werden die akademischen Abschlüsse", so ESCP-Professor Schmid.

International gibt's wenige CEOs mit Doktortitel

Auch frühere, internationale Studien des Strategieberater Strategys & zeigen einen Trend weg vom Doktortitel hin zum MBA. Global gesehen haben demnach bedeutend weniger CEOs einen Doktortitel als in Deutschlands: 2014 waren es nur acht Prozent – in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum selben Zeitpunkt immerhin 15 Prozent.

Die Berater beobachten für ihre Studien jährlich die Veränderungen in den Chefetagen der 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen.

 

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Schlagworte zum Thema:  MBA, Führungskräfteentwicklung

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