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| Diversity Management

"Daimler Türk-Treff" fördert Integration auf allen Ebenen

Bei Daimler sind rund 700 Mitarbeiter verschiedener Nationen Mitglieder des Netzwerks "Türk-Treff".
Bild: Daimler

Die Pegida-Demonstrationen haben eine Diskussion darüber ausgelöst, wie das Zusammenleben und -arbeiten von Menschen verschiedener Herkunft gelingen kann. Ein Vorbild dafür: das Netzwerk "Daimler Türk-Treff", das das Miteinander von deutschen und ausländischen Mitarbeitern schon seit 20 Jahren fördert.

In mehreren deutschen Städten gibt es mittlerweile Ableger der Pegida-Demonstrationen, die Ende vergangenen Jahres in Dresden gestartet sind und deren Initiatoren gegen die "Islamisierung des Abendlandes" mobil machen wollen. Inzwischen beziehen auch einige Wirtschaftsvertreter Stellung zu der gesellschaftlichen Debatte. Unternehmen fürchten um den Ruf des deutschen Standorts - gerade Unternehmen in der Region Dresden sehen ihre Recruiting-Aktvitäten im Ausland gefährdet. 

Ziel: Bild des "Türken am Fließband" korrigieren

Auch unternehmensintern spielt das Thema Integration eine Rolle - Stichwort: Diversity Management. Ein Beispiel dafür, wie Integration in der Unternehmenspraxis aussehen kann, ist der "Daimler Türk-Treff". Nejdet Niflioglu, Global Diversity Office bei Daimler, hat dieses Netzwerk Anfang der 1990er Jahre mit anderen türkischstämmigen Mitarbeitern des Automobilkonzerns gegründet. Hauptanliegen bei der Gründung, so heißt es auf der Homepage des Netzwerks, sei es gewesen, das stereotype Bild des "Türken am Fließband" innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu korrigieren.

Heute zählt das Netzwerk rund 700 Mitglieder. Seine wichtigste Aufgabe ist es, den über 10.000 türkischstämmigen Daimler-Mitarbeitern einen zentralen Anlaufpunkt für alle sie betreffenden Themen zu bieten.  Zudem pflegen die Mitglieder Kontakte Zugang zu Hochschulen, Professoren und Studentenvereinigungen, mit deren Hilfe sie potenzielle Diplomanden oder Praktikanten für den Konzern vermitteln können, und zu Wohltätigkeitsorganisationen.

 "Wir stellen das Zusammenleben und die Zusammenarbeit von Christen und Muslimen gar nicht erst infrage", formuliert Niflioglu den Grundsatz des Netzwerks in den Stuttgarter Nachrichten. "Stattdessen wollen wir weitermachen, was wir seit über 20 Jahren tun: das Gute vorleben und durch die gelebte Praxis beweisen, dass es auch anders geht."

Damit passt die Arbeit des Türk-Treffs gut in das Diversity-Verständnis von Daimler: Denn der Konzern begreift Aktivitäten im Bereich Diversity weniger als Wohlfühlmaßnahme, sondern als wirtschaftliche Notwendigkeit. "Als global agierendes Unternehmen können wir nicht die Augen vor der demografischen Entwicklung verschließen, die die Themen Geschlecht, Alter und Internationalität nicht nur in Deutschland zunehmend in den Fokus rückt", zitiert blog.daimler.de Ursula Schwarzenbart, Leiterin des Daimler Global Diversity Office.

Mitglieder aus allen Bereichen der Daimler-Demografie

Mittlerweile ist auch der Türk-Treff selbst ein Beispiel für gelungenes Diversity Management auf allen demografischen Ebenen: Das Netzwerk hat nicht nur türkische Mitglieder, sondern auch Mitglieder aus fast allen anderen Nationen, die im Unternehmen vertreten sind. Auch ältere Gründungsmitglieder, die schon in Rente sind, sind heute noch im Türk-Treff aktiv. Und: Das Netzwerk kann einen Frauenanteil von rund 30 Prozent aufweisen. Daimlerweit ist der Anteil deutlich niedriger; im Jahr 2010 etwa lag er nach Konzernangaben bei 13,5 Prozent.

Öffentlichkeitswirksame Aktionen – wie bei Niflioglus Auftritt beim Nationalen Integrationsgipfel zusammen mit Kanzlerin Merkel oder die Feier zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens mit Grünen-Politiker Cem Özdemir – tragen dazu bei, die Arbeit des Türk-Treffs auch außerhalb von Daimler bekannt zu machen und die Arbeitgebermarke des Unternehmens zu stärken. Gründungsmitglied Niflioglu hat für sein Engagement rund ums Thema "Integration" und um den Daimler-Türk-Treff im vergangenen Jahr das Bundesverdienstkreuz am Bande bekommen.

Offenbar haben Niflioglu und seine Mitstreiter ihr Ziel, das Bild des "Türken am Fließband" zu korrigieren, inzwischen erreicht, wie eine Anekdote belegt: Vor einigen Jahren fragte eine Fernsehproduktionfirma an, ob es einen türkischstämmigen Ingenieur gebe, der bereits in dritter Generation bei Daimler arbeite und dessen Großvater als Hilfskraft im Unternehmen angefangen habe, erzählt Niflioglu in einem Interview mit Daimler-Blog. Er habe auf Anhieb mehrere solcher Familien benennen können.

Haufe Online Redaktion

Diversity Management, Demografie, Employer Branding

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