Sowohl den Führungskräften als auch der Belegschaft fehlen laut einer aktuellen Studie die erforderlichen Kenntnisse im Umgang mit der Digitalisierung. Bild: Corbis

Die Digitalisierung erfordert Weiterbildung. Zwei aktuelle Studien zeigen nun jedoch: Die deutschen Führungskräfte investieren wenig Zeit in den Erwerb von Digital-Know-how. Und dann geht das verfügbare Weiterbildungsangebot auch noch oft am Bedarf in den Unternehmen vorbei.

Mit der Digitalisierung verschärft sich sowohl der internationale Wettbewerb als auch die Auseinandersetzung um die besten Mitarbeiter. Damit steigt auch der Druck auf die Führungskräfte. Zu diesem Ergebnis kam kürzlich die aktuelle Ausgabe des Manager-Barometers der Personalberatung Odgers Berndtson. Nun zeigt eine weitere Untersuchung, wo ganz konkret Handlungsbedarf besteht: beim Wissen um die Digitalisierung und der Kompetenz, erfolgreich mit den neuen Rahmenbedingungen umzugehen.

Digitalisierung in Deutschland: Fehlender Überblick und mangelnde Kenntnisse

Zu dieser Einsicht kommt die Personalberatung Rochus Mummert in ihrer aktuellen Studie "Digital Leadership 2017". Befragt hatten die Berater 114 Eigentümer und Top Manager deutscher Unternehmen. Kernergebnis: Sowohl den Führungskräften als auch der Belegschaft fehlen offenbar vielfach die erforderlichen Kenntnisse im Umgang mit der Digitalisierung. So habe laut der Studie nur ein knappes Drittel (32 Prozent) der Mitarbeiter in den befragten Betrieben einen guten oder sehr guten Überblick zur Digitalisierung. Etwas besser, aber noch immer recht schwach, schneiden die Führungskräfte ab: von ihnen verfügen laut der Untersuchung knapp die Hälfte (47 Prozent) über gute oder sehr gute Kenntnisse zur Digitalisierung.

Wenig Eigeninitiative in Sachen Weiterbildung

Die Bereitschaft, diese Wissenslücke in Eigeninitiative zu schließen, scheint vielerorts jedoch nicht allzu groß – dabei forderte erst kürzlich der Wuppertaler Kreis e. V. – Bundesverband betriebliche Weiterbildung mehr Selbstengagement beim Lernen. Laut der Digital-Leadership-Studie befasst sich lediglich etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) der befragten Top-Führungskräfte während und außerhalb der Arbeitszeit bis zu zwei Stunden in der Woche mit dem Erwerb von Kenntnissen zur Digitalisierung. Nur 15 Prozent der Manager setze sich mindestens fünf Stunden wöchentlich mit dem Thema auseinander, lautet ein weiteres Studienergebnis. Unter den Vorständen und Geschäftsführern betrieben immerhin 22 Prozent diesen zeitlichen Aufwand, um ihr Digital-Know-how zu verbessern.

Keine Zeit fürs Lernen

Den Grund für das mäßige Weiterbildungsengagement der Führungskräfte sieht Peter Schoppe, Associate Partner bei Rochus Mummert, vor allem in der Arbeitsbelastung: "Die geringe Bereitschaft, sich on- oder off-the-Job mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen, wird oft damit entschuldigt, dass der operative Alltag einem zu wenig zeitlichen Spielraum lasse", kommentiert Schoppe.

Weiterbildung zur Digitalisierung: Großes Angebot, wenig Wirkung

Zeitmangel ist jedoch offenbar nicht das einzige Probleme im Zusammenhang mit tragfähigen Weiterbildungskonzepten zur Digitalisierung. Das wiederum legt eine gemeinsame Studie der Unternehmensberatung Heidrick & Struggles und der Hochschule Darmstadt nahe. Die Kernaussage: Am Seminarmarkt gebe es ein großes Weiterbildungsangebot, das allerdings vielfach am Bedarf der Unternehmen vorbeigehe.

Laut der Studie liegt der Fokus bei einem Großteil der verfügbaren Weiterbildungsangebote auf technologischen Kompetenzen oder fachspezifischen Themen wie digitale Sicherheit, Social Web oder Suchmaschinenoptimierung (SEO). Die 80 befragten Personalfachleuten aus Unternehmen mit 1.000 bis 5.000 Mitarbeitern erwarten laut der Untersuchung jedoch vor allem Fortbildungen mit den folgenden Themenschwerpunkten: "digitale Geschäftsmodelle" (74 Prozent Zustimmung), "digitales Projektmanagement" (51 Prozent) sowie "digitale Kommunikation und Vermarktung" (46 Prozent). Das Ziel des Weiterbildungsengagements der Unternehmen liege für eine Mehrheit der Befragten in der "Verhaltensänderung im Unternehmensalltag"  (70 Prozent) sowie einem angestrebten "Mentalitäts- und Kulturwandel".

Lernen am Arbeitsplatz als Zukunftsmodell

Zur Frage, mit welchen Lernmethoden die digitale Leistungsfähigkeit gesteigert werden könne, gibt die Studie von Heidrick & Struggles und der Hochschule Darmstadt ebenfalls Anhaltspunkte: So seien klassische Angebote, bei denen Führungskräfte und Mitarbeiter extern "im Klassenzimmer" oder mit schriftlichen Unterlagen geschult werden, nicht mehr gefragt. Die Zustimmung der befragten Personalfachleute liege hier bei lediglich 14 Prozent. Stattdessen sprechen sich 78 Prozent der Studienteilnehmer dafür aus, dass Führungskräfte, die den Wandel im Unternehmen leiten, "on the job" von Digitalexperten beraten werden sollten. Zudem hält eine Mehrheit der Befragten (81 Prozent) den Einsatz von selbstgesteuerten Lernmethoden, wie etwa Übungen auf dem Smartphone, für sinnvoll.


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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Weiterbildung, Personalentwicklung, Führungskräfteentwicklung

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