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| Digitalisierung

Vier Trends im MBA-Markt

Die Arbeitswelt ist in Bewegung: Wie sich dies auf den MBA-Markt auswirkt, fasst MBA-Expertin Bärbel Schwertfeger zusammen.
Bild: Corbis

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und somit auch den MBA-Markt. Wie diese Veränderungen im Einzelnen aussehen, hat die Journalistin und MBA-Expertin Bärbel Schwertfeger in der aktuellen Ausgabe des "MBA-Kompendiums" anhand von vier Trends zusammengefasst.

Die Technologiefirmen sind so stark gewachsen, dass sie immer mehr Mitarbeiter mit Fähigkeiten zum strategischen Denken und guten Führungskompetenzen brauchen, wie sie in guten MBA-Programmen ausgebildet werden. 

Trend 1: Amazon statt Goldman Sachs

Und weil Firmen wie Google und Co. interessante Aufgaben und ein attraktives Arbeitsumfeld bieten, zieht es MBA-Absolventen eher dorthin als in die Beratungs- oder in die Bankbranche. So traten an der UCLA Anderson School of Management in Los Angeles 2015 bereits 30 Prozent der Absolventen einen Job in einer Technologiefirma an.

Die verstärkten Einstellungen von MBAs durch die Technologiekonzerne sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Absolventen noch immer in die Beratung oder in die Investmentbranche gehen. Grund sind vor allem die höheren Gehälter dort. Schließlich müssen die meisten erst einmal die enormen Kosten für das MBA-Studium wieder reinholen. So landeten im vergangenen Jahr an der Wharton School mit 36,9 Prozent noch immer die meisten Absolventen im Finanzbereich. Der Anteil der Jobs im Technologiebereich hat sich seit 2010 aber auf 11,3 Prozent verdoppelt. (Mehr zu den aktuellen Berufswünschen von MBA-Absolventen lesen Sie hier.)

Trend 2: Online statt Präsenz

Online-Programme sind weiter auf dem Vormarsch. Auch immer mehr Topschulen steigen in den Bereich ein und einige nutzen dabei inzwischen auch das Modell des Global MBA, bei dem die Teilnehmer an verschiedenen Orten studieren. Gerade Online-Angebote von Topschulen seien eine ernsthafte Gefahr für Schulen, die bisher im lokalen und regionalen Markt als gute Business School galten, warnt MBA-Experte John Byrne, weil sie den Schulen ihre besten Studenten abwerben könnten.

Gefahr drohe auch durch die kostenlosen Online- Kurse, sobald Arbeitgeber das Absolvieren der Kurse als Nachweis für bestimmte Kompetenzen anerkennen. So kann man inzwischen bei vielen Moocs (Massive Open Online Courses) auch eine Prüfung ablegen und ein Zertifikat erwerben. Noch spielen solche Zertifikate bei der Rekrutierung von Mitarbeitern keine Rolle, wie die Financial Times herausgefunden hat. Doch das könnte sich bald ändern. Inzwischen bieten so viele Business Schools Moocs an, dass sich daraus ein komplettes MBA-Programm zusammenstellen lässt. Nur einen MBA-Abschluss gibt es dafür bisher nicht

Trend 3: Leadership reloaded

Zwar haben viele Business Schools schon seit einigen Jahren ihren Blick für das Leadership geschärft und mehr Wert auf Persönlichkeitsentwicklung und Coaching gelegt, doch die digitale Transformation forciert die Entwicklung. Denn um Veränderungen umzusetzen, brauchen die Unternehmen einen neuen Typus von Führungskräften.

Erst vor Kurzem hat die London Business School daher ein neues Leadership-Institut eröffnet. Das Ziel sei es, Leadership neu zu denken und Führungskräften ein neues Image zu geben. Leadership stehe im Zentrum aller Aktivitäten der Business School, erklärte Randall S. Peterson, Professor für Organizational Behavior und Leiter des neuen Instituts. Ziel sei es, eine Generation von Führungskräften auszubilden, die eine globale Sichtweise und einen starken Sinn für die Gemeinschaft haben und ihren Job mit Kopf und Herz ausüben. MBA-Studenten sollen künftig ein 360-Grad-Feedback von ihrem bisherigen Arbeitgeber mitbringen und mithilfe eines Kompetenzrahmens ihre Soft Skills analysieren. Auch in Deutschland, wo Business Schools traditionell viel stärker in der Betriebswirtschaft verankert sind und sich mit "weichen Themen" wie Persönlichkeitsentwicklung und Selbstreflexion oftmals eher schwertun, rückt das Thema stärker in den Vordergrund.

Trend 4: Lernen, wie Start-ups ticken

Kaum jemand kommt heute noch an dem Buzzword "digitale Transformation" vorbei. Schließlich können heute kleine Start-ups mit Hilfe neuer Technologien und Geschäftsmodelle selbst für etablierte Konzerne schnell zur Bedrohung werden. Unternehmen müssen sich daher oftmals radikal verändern, neben ihren bisherigen Geschäftsmodellen auch neue kreieren, und das alles noch möglichst schnell.

Immer mehr Unternehmen interessieren sich deshalb auch dafür, wie Start-ups ticken und Gründer denken und wie sich diese Mentalität ins Unternehmen integrieren lässt. Auch im MBA-Studium spielen die Themen Entrepreneurship und Innovation eine immer größere Rolle. Das gilt nicht nur für Vollzeit-Programme, sondern auch für berufsbegleitende Programme. Viele Schulen haben neue Wahlfächer eingeführt. Die Teilnehmer lernen Ansätze zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle kennen, sie schreiben Businesspläne und bearbeiten Projekte. Auch Methoden und Techniken wie Design Thinking oder Business Model Canvas stehen heute vielfach auf dem Lehrplan. (Mehr dazu, wie MBA-Studenten von Start-up-Methoden profitieren können, lesen Sie hier.)


Hinweis: Dies ist ein Auszug aus dem Beitrag "Auf der Suche nach dem Digital Leader". Den kompletten Text lesen Sie in unserem "MBA-Kompendium 2016/2017", das der Mai-Ausgabe des "Personalmagazins" und der "Wirtschaft + Weiterbildung" beiliegt. Hier können Sie das aktuelle "MBA-Kompendium" kostenfrei als Pdf downloaden.


Autor


ist Journalistin in München und betreibt das MBA-Portal www.mba-journal.de.

Digitalisierung, MBA, Personalentwicklung, Weiterbildung

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