1

0

04.08.2016 | Serie Digital Leadership: Neue Verhältnisse, neue Führung

Digitale Transformation: In fünf Schritten vom Unternehmen 1.0 zum Enterprise 2.0

Serienelemente
Wie die Transformation zum Enterprise 2.0 gelingt, beschreibt der Digitalisierungs-Experte Stephan Grabmeier anhand eines fünfstufigen Vorgehensmodells.
Bild: everythingpossible - Fotolia

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Unsere Serie "Digital Leadership" beleuchtet das Thema aus der Management-Perspektive und lässt Experten zu Wort kommen. Heute erläutert Stephan Grabmeier, wie Sie Ihr Unternehmen erfolgreich zum Enterprise 2.0 weiterentwickeln.

Die Transformation zu einem Enterprise 2.0 wirft viele Fragen auf: Von "Wo sollen wir beginnen?" dicht gefolgt von "Wer sollte sich eigentlich drum kümmern?" bis hin zu "Wie wirkt sich Social Business auf unsere Unternehmensstrategie aus?" und "Wie messen wir, ob das alles überhaupt etwas bringt?". Noch zu oft fehlen die Antworten und das Know-how, diese Herausforderung umzusetzen.

Zur Beantwortung dieser Fragen skizziere ich nachfolgend ein Vorgehensmodell in fünf Stufen. Diesem Modell liegen rund zehn Jahre Erfahrung von Experten aus Technologie, Organisation, Change Management, Kommunikation, Marketing, Sales, Strategie und agilen Entwicklungsmethoden zu Grunde. Nicht jedes Unternehmen durchläuft alle Stufen in gleicher Reihenfolge. Manche setzten bereits einzelne Bausteine um, andere haben bereits eine Collaboration-Technologie im Einsatz und wieder andere wissen genau, welchen strategischen Einfluss Social Business auf ihr Unternehmen hat. Wichtig ist die ganzheitliche Sicht auf das Vorgehensmodell ‒ der Einstieg hängt von der Dynamik und der bisherigen Entwicklung des Unternehmens ab.

Schritt 1: Social Readiness messen

Bei dieser "Standortanalyse" wird festgestellt, wo das Unternehmen und die Mitarbeiter in der Social Readiness stehen. Die Bereitschaft, zukünftig vernetzt und agil zu arbeiten, lässt sich in drei Kategorien bemessen:

  • Wie ausgeprägt sind die Social-Business-Kompetenzen der Mitarbeiter?
  • Welchen Reifegrad hat die IT-Infrastruktur?
  • Wie effizient läuft die Kommunikation im Unternehmen?

Mit einem Fragebogen, der diese Bereiche abdeckt, kann herausgefunden werden, wie bereit das Unternehmen und die Mitarbeiter für die digitale Transformation sind. Mit den Ergebnissen können gezielte Maßnahmen aufgesetzt werden, anstatt unkoordiniert Themen anzustoßen.

Schritt 2: Enterprise 2.0-Strategie entwickeln

Welchen Einfluss hat Social Business auf die Unternehmensstrategie? Welche geschäftlichen Probleme werden besser gelöst als vorher? Mit der Beantwortung dieser Fragen steigt das Management mit ins Boot. Eindeutige Anwendungsfälle, die Unternehmen schneller, besser und moderner machen, müssen hier erarbeitet werden. Ohne klare betriebliche Relevanz wird es schwer für ein Unternehmen, eine ganzheitliche Transformation zu gestalten und den Nutzen für die Mitarbeiter darzustellen. Mit einem dedizierten Social-Business-Strategieworkshop ist der Vorstand bzw. die Geschäftsführung in der Lage, eine klare Entscheidung zu der Umsetzung von Social Business zu treffen.

Schritt 3: Die richtige Social-Collaboration-Technologie auswählen

Technologie erfüllt keinen Selbstzweck. Erst wenn klar feststeht, welchen Reifegrad das Unternehmen hat, welche Businessziele erreicht und welche Anwendungsfälle bearbeitet werden sollen, kann die passende Technologie ausgewählt werden. Zudem muss hier die IT mit ins Boot geholt werden und ihre Einflussfaktoren auf Basis der IT-Strategie des Unternehmens einbringen. Das Angebot an Social-Businesssoftware ist sehr groß. Auf dem Markt finden sich derzeit rund 150 bis 180 verschiedene Anbieter. Mit einem systematischen Kriterienkatalog und den Ergebnissen der ersten beiden Schritte fällt die Auswahl und spätere Integration der richtigen Software leichter. Unternehmen werden keine allumfassende Lösung am Markt finden, auch wenn Hersteller das behaupten. Wichtig ist, dass Sie sich für ein Social Business Eco System entscheiden. Dies ermöglicht Ihnen ausreichende Flexibilität, die digitale Identität Ihrer Mitarbeiter und die Collaboration in den Mittelpunkt zu stellen und weitere prozessbezogene Software an Ihr Collaboration Hub anzudocken. So entsteht eine durchgängige und wissensvernetzte Social-Infrastruktur für alle Mitarbeiter im Unternehmen.

Schritt 4: Wandel, Kommunikation und Befähigung

Dieser Schritt ist der wichtigste und umfangreichste für die erfolgreiche Umsetzung von Social Business. Mit rund 60 Prozent der notwendigen Zeit für den Changeprozess ist er der ressourcenaufwändigste. Hier geht es fokussiert darum, die Transformation von der Planung in die Umsetzung zu bringen. Alle Zielgruppen müssen abgeholt, begeistert, befähigt und davon überzeugt werden, dass jeder seinen Nutzen aus dem Enterprise 2.0 ziehen wird. In diesem Schritt trennt sich die Spreu vom Weizen ‒ die erfolgreichen von den weniger erfolgreichen Transformationen. Der Fokus in der Umsetzung muss auf dem kulturellen Wandel des "Anders Arbeitens" und "Anders Führen" liegen.

Schritt 5: KPIs ‒ den Erfolg wiegen, zählen und messen

Ist die Transformation in ein Enterprise 2.0 erfolgreich abgeschlossen, sollte klar aufgezeigt werden, dass der Wandel positive Veränderungen und Nutzen für das Unternehmen und die Mitarbeiter hervorbringt. Die gesetzten Ziele müssen gemessen, abgeglichen und gegebenenfalls angepasst werden. In diesem Schritt werden die entsprechenden Werkzeuge anhand von Strategie und Zielen eingerichtet.

Buchtipp:

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Digital Leadership. Erfolgreich Führen in Zeiten der Digital Economy", das von Professor Thorsten Petry herausgegeben wird. Den Titel können Sie im Haufe-Shop erwerben

Autor


ist Innovation Evangelist bei der Haufe-Umantis AG in St. Gallen.

1

Digitalisierung, Transformation, Leadership, Change Management, Management, Digital Leadership, New Work, Führung

Aktuell

Meistgelesen