| Vorstandsvergütung

Deutsche Bank sucht Schlupfloch in der Bonusdeckelung

In der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt wird demnächst über die Anhebung der Sondervergütungen für Vorstände diskutiert.
Bild: Deutsche Bank AG

Mit der Deckelung der Bankerboni wollten Gesetzgeber und EU-Finanzaufsicht übertriebenen Vorstandsgehältern und kurzfristigen Anreizen einen Riegel vorschieben. Doch die Deutsche Bank hat bereits konkrete Pläne, wie sie dies umgehen will. Und sie steht damit nicht alleine da. 

Seit Januar 2014 dürfen in Deutschland die Boni in Banken grundsätzlich nicht mehr höher als das Jahresgehalt sein. Das hatte das EU-Parlament im vergangenen Jahr beschlossen, um die Gehaltsexzesse der Bankvorstände in den Griff zu bekommen. Die Deutsche Bank aber zeigt wenig Bereitschaft für eine derartige Deckelung. Sie will eine Ausnahmeregelung nutzen: Unter bestimmten Bedingungen dürfen Boni bis zum Doppelten des Grundgehalts betragen, wenn die Aktionäre einer Bank dem ausdrücklich zustimmen. Wie die deutsche Presseagentur (DPA) berichtet, hat die Deutsche Bank die Abstimmung über ihr  Bonussystem bereits als Tagesordnungspunkt für die Hauptversammlung am 22. Mai aufgenommen.

Alternative: Anhebung der Fixgehälter

Noch im vergangenen Jahr betrug die variable Vergütung der Deutsche-Bank-Vorstände Jürgen Fitschen und Anshu Jain jeweils rund 5,1 Millionen Euro – zu einem Grundgehalt von 2,3  Millionen. Sollte die Hauptversammlung einer Anhebung der Boni-Grenzen nicht zustimmen, plant die Deutsche Bank – so heißt es aus Finanzkreisen - eine deutliche Anhebung ihrer Grundgehälter. Eine Idee, die auch von anderen Banken genutzt werden könnte, um die EU-Vorgaben zu erfüllen, ohne die Gesamtvergütung tatsächlich zu kürzen. Doch damit würden sie sich an exorbitant hohe Fixkosten binden, die - anders als Boni - nicht an die Wirtschaftslage angepasst werden können.

Letztlich wäre so die eigentliche Idee der EU-Finanzmarktregulierung unterlaufen, die Banken zu mehr Eigenvorsorge für Krisenzeiten zu motivieren.

Finanzaufsicht kritisiert elf Banken 

Ein noch zu nachlässiger Umgang auch anderer deutscher Großbanken mit den neuen  Vergütungsregelungen ist auch der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) aufgefallen: In ihrer Prüfungskampagne 2013 stellte sie bei elf der 15 geprüften Banken Bonus-Zahlungen fest, die gegen die EU-Vorgaben verstoßen. Nur bei vier Banken entsprachen die Boni dem Grundgehalt.

Hinweis: 
Weitere Information zu den neuen Kapitalvorschriften in der Finanzbranche und zum Diskussionstand in der Managervergütung finden Sie im Titelthema des Personalmagazins, Ausgabe 07/2013 "Nach der Party - Wie sich Gehälter und Boni seit den Exzessen verändern".     

 

Schlagworte zum Thema:  Boni-Regelung, Boni, Vergütung

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