18.08.2011 | Recruiting

Den Bewerberlügen auf der Spur

In Deutschland wird - im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern - sehr viel Wert auf die Bewerbungsunterlagen gelegt. Aber viele Finanz- und Personalmanager misstrauen dem Wahrheitsgehalt der Bewerbungen: 49 Prozent der befragten Manager einer Robert-Half-Studie sagen, dass Bewerber in Lebensläufen übertreiben.

Am ehesten trauen noch die Luxemburger dem Wahrheitsgehalt der Lebensläufe (72 Prozent). Das größte Misstrauen gegenüber dem dargestellten Profil des Bewerbers haben die Tschechen. Insgesamt hat das Meinungsforschungsinstitut Heliview im Auftrag des Personaldienstleisters Robert Half 307 Finanz- und Personalmanager in Deutschland sowie 2.525 weltweit befragt.

Bewerber übertreiben wohl bei den Sprachkenntnissen

Bei der Frage, in welchen Elementen des Lebenslaufs die Bewerber am häufigsten übertreiben, geben die deutschen Manager an, dass sie einen Schwindel vor allem bei den Sprachkenntnissen (43 Prozent) und bei den Softwarekenntnissen (41 Prozent) vermuten. Außerdem glauben sie, dass Bewerber auch bei der Verantwortung bei der Mitarbeiterführung (39 Prozent) und bei den Gründen für den Jobwechsel (38 Prozent) im Lebenslauf nicht ehrlich sind. An einen Titelschwindel glauben nur neun Prozent.

Was tun, um die Lügen aufzudecken?

Danach befragt, worauf sie im Lebenslauf als erstes achten, geben je 25 Prozent der deutschen Manager berufliche und fachliche Fähigkeiten an. 23 Prozent achten zuerst auf die Berufserfahrung. Auf den Schul- oder Universitätsabschluss schauen nur fünf Prozent der Deutschen zuerst. Von der Tendenz her handeln sie ähnlich ihren internationalen Kollegen.

Wenn Personaler den Lebensläufen nicht trauen, könnten sie auch auf telefonische Referenzen oder Business-Netzwerke zurückgreifen. Dies tun 34 Prozent der deutschen Befragten aber nie. Immerhin 21 Prozent sagen, sie holen diese Referenzen immer ein. Und 45 Prozent tun dies bei interessanten Bewerbern, die schon im Vorstellungsgespräch waren.

Bild und Alter sehen sich wenige zuerst an

Interessant vor dem Hintergrund der Debatte um anonyme Bewerbungen ist auch, dass acht Prozent der deutschen Manager als erstes auf ausführliche persönliche Informationen wie zum Beispiel das Alter achten, so die Studie. Dagegen sehen nur ein Prozent zuerst auf den Jobtitel. Auch ein Bild ist für acht Prozent im ersten Moment am interessantesten.

Tipp: Integere Bewerber erkennen
Wie Sie integere Bewerber erkennen können, erklärte der Psychologe Jens Hoffmann im Personalmagazin, Ausgabe 5/2010. Er meint: "Viele Personaler verlassen sich immer noch zu sehr auf ihr Bauchgefühl. Aber damit überschätzen sie sich. Sie versuchen anhand subjektiver Theorien zu bewerten, wie integer ein Kandidat ist. Zum Beispiel beobachten sie, wie jemand gekleidet ist, oder ob ein Bewerber sie direkt anschaut oder nicht. Das halte ich für gefährlich, denn die meisten dieser Theorien sind falsch." Stattdessen empfiehlt er einen Integritätstest.

 

Schlagworte zum Thema:  Recruiting

Aktuell

Meistgelesen