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12.01.2015 | Top-Thema Candidate Experience

Worauf Bewerber Wert legen

Kapitel
Sind Bewerbungsprozesse zu kompliziert, brechen viele Kandidaten vorzeitig ab.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Wie wichtig es ist, die Erwartungen der Bewerber nicht zu enttäuschen, zeigen einige Studienergebnisse. Eine kleine Überraschung dabei: Deutsche Kandidaten sind mit den Bewerbungsprozessen recht zufrieden. Sie springen jedoch ab, wenn der Vorgang kompliziert wird oder Unternehmen spät reagieren. 

Wie die Studie "Candidate Experience 2013“ des US-Unternehmens Talent Board ermittelt hat, würden nahezu alle Kandidaten (97 Prozent) mit positiver Bewerbererfahrung anderen Personen zu einer Bewerbung in diesem Unternehmen raten. Das heißt also, dass eine gute Bewerbererfahrung zu weiteren Bewerbungen führen kann. Im Umkehrschluss kann das aber auch bedeuten, dass eine schlechte Bewerbererfahrung nicht nur diesen einen Bewerber abspringen lässt, sondern weitere Bewerbungen verhindert.

Bewerber teilen ihre Erfahrungen in Social Media

Die Candidate Experience hängt auch eng mit dem Kundenverhalten der Kandidaten zusammen: Nur 44 Prozent der Studienteilnehmer sagen, dass ihre Erfahrungen als Bewerber keinen Einfluss auf ihren Kundenstatus beim Unternehmen haben. Das heißt, dass bei über der Hälfte der Bewerber das Kundenverhalten mit den Wahrnehmungen im Bewerbungsprozess schwankt – ins Negative oder ins Positive. Und die Erfahrungen im Bewerbungsprozess werden auch an Freunde und Verwandte weitererzählt, die eventuell ebenfalls Kunden des Unternehmens sind.

Weitere Erkenntnisse aus der US-Studie: 82 Prozent der Bewerber teilen ihre positiven Erfahrungen mit ihrem Umfeld, 51 Prozent streuen dies in Social Media. 69 Prozent informieren sich vor der Bewerbung auf der Karrierewebseite.

Wann Unternehmen für Bewerber unsympathisch werden

Ob diese US-amerikanischen Studienergebnisse eins zu eins auf den deutschen Markt übertragen werden können, ist schwer zu sagen, da die Bewerber hierzulande sicherlich andere Vorstellungen und Wünsche haben als ihre transatlantischen Kollegen. Wie Stepstone in der Umfrage "Jobsuche 2014" herausgefunden hat, erwarten die Bewerber in Deutschland zunächst ganz grundsätzlich eine Resonanz auf ihre Bewerbung. Diese sollte möglichst zeitnah erfolgen: 42 Prozent wollen innerhalb einer Woche, 41 Prozent spätestens nach zwei Wochen vom Unternehmen hören. Bleibt die Rückmeldung aus, empfinden 79 Prozent der Bewerber das Unternehmen fortan als unsympathisch. 55 Prozent würden sich dort nicht mehr bewerben.

Deutsche Bewerber sind recht zufrieden

Doch die Erfahrungen der Bewerber hierzulande können sich offenbar sehen lassen: In einer anderen Online-Umfrage der Jobbörse Stepstone im September 2014 zeigte sich: Lediglich 14 Prozent der Nutzer wurden schon sehr häufig im Bewerbungsprozess enttäuscht. 38 Prozent gaben an, dass sie selten schlechte Bewerbererfahrungen machten. Und fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer (48 Prozent) wurde noch nie vom Verhalten der Unternehmen und von den Abläufen bei der Bewerbung enttäuscht. 

Zu komplizierte Bewerbungen führen zum Abbruch

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Über die Hälfte der Kandidaten (55 Prozent) hat noch nie einen Bewerbungsprozess abgebrochen. Wer doch im Laufe der Bewerbung auf die Bremse trat, machte dies entweder, weil der Prozess zu kompliziert war (zehn Prozent) oder weil technische Probleme bei der Bewerbung aufgetreten waren (neun Prozent). Nur wenige stoppten, weil das Unternehmen unfreundlich reagierte (drei Prozent), weil sie schlechte Erfahrungen im Vorstellungsgespräch machten (vier Prozent) oder weil das öffentliche Arbeitgeberimage nicht der Wirklichkeit entsprach (drei Prozent). Die meisten Bewerbungen (16 Prozent) wurden ausgebremst, weil das Unternehmen zu spät oder gar nicht reagiert hat.  

Diese Ergebnisse machen deutlich: Auch wenn die Bewerber in Deutschland gar nicht so unzufrieden sind, sollten Unternehmen trotzdem regelmäßig ihre Prozesse überprüfen. Es ist nicht sehr aufwendig, schnelle Rückmeldungen auf eingehende Bewerbungen zu etablieren oder das Bewerbungsformular anwenderfreundlicher zu gestalten. Mit diesen Maßnahmen können Arbeitgeber aber verhindern, dass sie gute Bewerber an ihre Wettbewerber verlieren.


Weiterlesen:

Kapitel 3: Vielfältige Berührungspunkte zu Bewerbern

Haufe Online-Redaktion

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Bewerbung, Recruiting, Employer Branding, Candidate Experience

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