25.05.2016 | Candidate Experience

Wunsch und Wirklichkeit im Recruiting-Prozess

Rennen um die besten Talente: Schnelligkeit im Recruiting-Prozess verbessert die Candidate Experience.
Bild: Stockbyte

Die Candidate Experience im Recruiting-Prozess gilt als Erfolgskriterium im Wettbewerb um Talente. Wie sieht aus Bewerbersicht ein ideales Bewerbungsverfahren aus? Und wie sieht demgegenüber die  Praxis in den Unternehmen aus? Eine Umfrage von Softgarden und dem Personalmagazin gibt Aufschluss

Die Macht auf den Talentmärkten hat sich von den Arbeitgebern zu den Bewerbern verschoben. Heute entscheidet die „Candidate Experience“ darüber, ob ein Unternehmen im Recruiting-Prozess das begehrte Talent für sich gewinnen kann. Doch offenbar werden viele Unternehmen den Erwartungen der Bewerber nicht gerecht – und haben offenbar auch nicht vor, ihr Candidate Experience Management zu verbessern. Das legen die Antworten der 1.130 Bewerber und 123 Personaler nahe, die im März 2016 an der doppelperspektiven Online-Umfrage von Softgarden und dem Personalmagazin teilgenommen haben.

Keine Überraschung: Wertschätzung und schnelle Rückmeldung verbessern die Candidate Experience

Besonders wichtig ist den Bewerbern die Effektivität des Recruiting-Prozesses. Das heißt, sie wollen im Bewerbungsverfahren schnell herausfinden, ob der Job und der Arbeitgeber zu ihnen passen. Das zweit- und drittwichtigste Kriterium aus Sicht der Kandidaten sind die Wertschätzung für sie als Bewerber und leicht zugängliche Kontaktmöglichkeiten zum Unternehmen.

Darüber hinaus ist Schnelligkeit ein wichtiges Kriterium für eine positive Candidate Experience. Als Kunden in Online-Shops haben die Bewerber gelernt, wie schnell Online-Bestellsysteme funktionieren. Das hat offenbar auch ihre Erwartungshaltung gegenüber Bewerbungsverfahren geprägt. Zwei Wochen sind aus Sicht von 63 Prozent der Teilnehmer von der Rückmeldung auf die schriftliche Bewerbung bis zum ersten Vorstellungsgespräch drin. 37 Prozent wollen eine Woche nach dem ersten Vorstellungsgespräch wissen, woran sie sind, 54 Prozent geben den Unternehmen zwei Wochen Zeit. Nach dem letzten Auswahlschritt erwarten 55 Prozent der Teilnehmer innerhalb von einer Woche die finale Entscheidung.

Online-Bewerbungsformulare: Die meisten Bewerber wollen in 20 Minuten durch sein

Schnelligkeit erwarten die Bewerber auch bei der Eingabe ihrer Daten in das Online-Formular. 43 Prozent wollen zehn bis 20 Minuten für das Ausfüllen des Formulars aufwenden. 22 Prozent sind dazu bereit, maximal zehn Minuten mit dem Online-Bewerbungsformular zu verbringen. Lediglich 29 Prozent können sich vorstellen, 20 bis 30 Minuten lang ihre Daten einzugeben. Sechs Prozent würden sich sogar länger als 30 Minuten gedulden.

Bewerber vermissen Transparenz im Recruiting-Prozess

Nach Ansicht der Bewerber werden Unternehmen diesen Wünschen in der Praxis noch nicht gerecht. „Stark ausbaufähig“ sehen die Umfrageteilnehmer die Transparenz und die Orientierung an ihren Bewerberbedürfnissen bei bereits durchlebten Bewerbungsverfahren. Insgesamt bewerteten nur 17 Prozent die Gesamtqualität des Bewerbungsprozesses als „sehr gut“, aber immerhin 47 Prozent als „gut“. Insgesamt 36 Prozent gaben dem Gesamtprozess die Noten „befriedigend“, „ausreichend“ oder „mangelhaft“.

Die Praxis: Personaler brauchen meist länger als Bewerber erwarten

Und wie sieht es auf Seiten der Personaler aus? Inwieweit können die Recruiting-Prozesse der Unternehmen in der Praxis den Bewerberwünschen gerecht werden? Und wie schätzen Personaler ihre Prozesse ein? Sprich: Sind die Ansprüche der Bewerber aus HR-Sicht in der Praxis überhaupt realistisch?

Während 60 Prozent der Bewerber eine Gesamtdauer des Prozesses von maximal einem Monat für angemessen halten, sieht das in der Praxis der Personaler deutlich anders aus: Nur 28 Prozent der befragten Unternehmen entsprechen dieser Erwartung. Deutliche Abweichungen zwischen Kandidatenanspruch und Rekrutierungspraxis treten auch bei der Dauer bis zur ersten verbindlichen Rückmeldung auf die Bewerbung auf. Nur 45 Prozent der Unternehmen schaffen es, innerhalb von einer oder zwei Wochen mitzuteilen, ob es in den nächsten Auswahlschritt geht oder ob die Bewerbung gescheitert ist. 17 Prozent der Unternehmen benötigen hierfür drei Wochen oder länger. Nach Angaben der Recruiter sind sie aber bei den weiteren Schritten schneller: 68 Prozent gelingt es, innerhalb von zwei Wochen nach der ersten positiven Nachricht ein Vorstellungsgespräch zu organisieren.

Fast die Hälfte der Unternehmen ohne Online-Bewerbungsformular

Ein verblüffendes Umfrageergebnis: 47 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie kein Online-Bewerbungsformular nutzen. Dieser hohe Wert erstaunt angesichts des großen Anteils der Befragungsteilnehmer aus mittelständischen und Großunternehmen (54 Prozent). Die Zahl der Unternehmen, die kein Bewerbermanagement-System nutzen, dürfte dementsprechend ziemlich hoch sein. In Unternehmen, die auf händische Rekrutierungsverfahren setzen, ist erfahrungsgemäß der Anteil an „vergessenen Bewerbern“ besonders hoch. Brüche im Verfahren kommen häufig vor und die Bewerber werden verunsichert oder sogar verärgert.

Keine aktive Arbeit an der Candidate Experience: Bewerberfeedback wird nur selten eingeholt

Doch nur wenige Unternehmen planen, die Candidate Experience aktiv zu verbessern. Darauf deutet die Tatsache hin, dass 69 Prozent der befragten Unternehmen kein Bewerberfeedback zum Prozess einholen. 62 Prozent erheben keine qualitativen Kennzahlen zum Bewerbungsprozess. Und nur 59 Prozent der befragten Unternehmen planen, die Zeitspannen im Bewerbungsprozess zu verkürzen.

 

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Schlagworte zum Thema:  Candidate Experience, Recruiting, OnBoarding, Bewerbermanagement

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