08.12.2015 | Serie Candidate Experience Management

Mitarbeiter langfristig binden

Serienelemente
Lob und Anerkennung tragen dazu bei, dass Mitarbeiter sich wertgeschätzt fühlen.
Bild: PhotoAlto

Sie haben dank gelungenem Candidate Experience Management den richtigen Mitarbeiter gefunden und eingestellt? Auch das Onboarding war erfolgreich? Jetzt geht es darum, den neuen Mitarbeiter langfristig im Unternehmen zu halten. Im letzten Teil unserer Serie finden Sie Tipps für die Bindungsphase.

Die Kündigungsquote ist bei neu eingestellten Mitarbeitern besonders hoch: Etwa einer von drei neuen Mitarbeitern verlässt das Unternehmen in den ersten zwölf Monaten wieder. Das ist fatal. Denn um eine Stelle zu besetzen, fallen etwa 30 bis 40 Prozent des Jahresgehalts für die gesuchte Position an. „Kündigt der neue Kollege innerhalb des ersten Jahres, hat das Unternehmen kaum eine Chance, seine Investitionen in die Rekrutierung und Einarbeitung zurück zu bekommen“, erklärt Till Lohmann, Berater bei Pricewaterhouse-Coopers. „Unternehmen müssen deshalb versuchen, die Bindung gerade im ersten Jahr zu verbessern.“

Drei Formen der Mitarbeiterbindung

Wikipedia unterscheidet bei Stichwort Mitarbeiterbindung drei Formen: Zur Stärkung der emotionalen Bindung zählen Maßnahmen auf den Ebenen des Teamklimas, der Unternehmenskultur und der Vorgesetzten. Bei der kalkulativen Bindung geht es darum, dafür zu sorgen, dass der Mitarbeiter von seiner Stelle (ggf. im Vergleich zu anderen Stellen außerhalb des Unternehmens) konkret profitiert. Hierzu zählen Maßnahmen im Bereich attraktive Vergütung, Karriereziele, Arbeitsmarktfähigkeit et cetera. Bei der qualifikationsorientierten Bindung stehen Entwicklungschancen, Weiterbildungsangebote, Arbeitsinhalte und die Mitarbeiterförderung im Zentrum.

Brüche in der Candidate Experience vermeiden

Gerade in der Anfangszeit kommt dem Aufbau einer emotionalen Bindung die höchste Bedeutung zu. Zunächst geht es darum, dass sich die positive Candidate Experience aus den vorangegangenen Phasen auch über das konkrete Onboarding hinaus fortsetzt. Es gilt also eine konsistente Candiate Experience zu schaffen und emotionale Brüche im Erlebnis zu vermeiden. Merkt der Neueinsteiger nach einiger Zeit am neuen Arbeitsplatz, dass der neue Arbeitgeber nicht das hält, was er in der Bewerbungsphase versprochen hat, wird er enttäuscht sein – also kein angenehmes Kandidatenerlebnis haben. Nur wenn seine Erwartungen an den neuen Job erfüllt werden, wird er sich mit seiner neuen Aufgabe identifizieren und damit Bindung und Loyalität zum Unternehmen aufbauen.

Arbeitsumfeld und Führung wichtig für die Candidate Experience

Auch das Arbeitsumfeld – Kollegen und Führungskräfte – spielen eine entscheidende Rolle. Gelingt die soziale Integration nicht, wird auch die Bindung ans Unternehmen erschwert. Grund für viele frühe Kündigungen ist, dass ein neuer Mitarbeiter keine tragfähigen Beziehungen im Unternehmen aufbauen konnte. "Die Führungskultur spielt heutzutage eine sehr große Rolle bei der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Kommunikation und die Wertschätzung, die Mitarbeiter beispielsweise durch die Einbindung in Entscheidungsprozesse oder die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, spüren", erläutert Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half.

Nachholbedarf bei der Wertschätzung

Gerade beim Thema Wertschätzung haben Unternehmen noch viel Nachholbedarf, wie eine aktuelle Studie des Instituts für angewandte Wirtschaft (IAW) Köln ergab. Nur rund fünf Prozent der Teilnehmer sah keinen Handlungsbedarf in diesem Bereich. Wie kann ein Unternehmen nun den abstrakten Begriff Wertschätzung in praktisches Handeln umsetzen? Uwe Döring-Katerkamp, Studienautor und Vorstand des IAW Köln zeigt in seinem Artikel in Personalmagazin 8/2015  drei Ebenen und vier praktische Handlungsfelder für Wertschätzung auf:

Strukturelle Maßnahmen: Hierunter werden generelle Maßnahmen verstanden, die sich pauschal auf alle Mitarbeiter auswirken. Hierzu zählen beispielsweise Formen der gerechten Entlohnung, Mitspracherechte, Maßnahmen für ein gesundes Arbeitsumfeld oder Gleichberechtigung.

Führungskräfteentwicklung: Hier gilt es, durch entsprechende Maßnahmen Verständnis zu erzeugen sowie eine Einstellungs- und Verhaltensänderung zu bewirken. Führungskräfte sollen auf diese Weise in die Lage versetzt werden, durch verändertes Handeln ein wertschätzendes Umfeld zu ermöglichen, beziehungsweise bei ihren Mitarbeitern Wertschätzung hervorzurufen.

Veränderung der Arbeitswirklichkeit: Das unmittelbare Umfeld eines Mitarbeiters, also sein Bereich, in dem er sieht, was zu tun ist und wo seine Fähigkeiten zum Tragen kommen, wo er gestalten kann und oft auch will. In dieser persönlichen Arbeitswirklichkeit gilt es, den Mitarbeiter ernst zu nehmen und mit ihm zu klären, wie diese Arbeitswirklichkeit beschaffen sein sollte. Auf der Ebene der Arbeitswirklichkeit lassen sich am einfachsten und am schnellsten Maßnahmen ergreifen, durch die für alle Beteiligten der Vorteil eines wertschätzenden Umgangs unmittelbar zu erfahren ist.

 

Praktische Tipps für mehr Wertschätzung in der Bindungsphase

Auf jeder der drei Ebenen lassen sich nun wiederum die vier folgenden Handlungsfelder abgrenzen, in denen Führungskräfte Maßnahmen angehen können.

  • Respekt: Mitarbeiter wollen ernst genommen werden, eigene Sichtweisen und Themen einbringen können, Antworten auf Fragen erhalten. Respekt bedeutet, den Mitarbeiter in dieser umfassenden Rolle zu sehen, zu akzeptieren und als Grundlage für die (Mit-)Gestaltung von Arbeitswirklichkeit zuzulassen.
  • Chancen: Mitarbeiter wollen sich in ihrem Bereich einbringen können und Gestaltungschancen erhalten. Mit Blick auf die eigene Arbeitswirklichkeit finden Mitarbeiter beinahe immer Themen, die ihrer Meinung nach angepackt werden sollten und bei denen sie Vorstellungen haben, wie dies gemacht werden sollte. Es gilt, den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, hier aktiv zu sein.
  • Selbstwirksamkeit: Mitarbeiter wollen sich als kompetent im Handeln erfahren. Sie möchten erleben, dass sie gerade auch eigene Ideen umsetzen können; dass sie fähige Akteure sind.
  • Erfolg und Anerkennung: Mitarbeiter möchten Wertschöpfung und Erfolg des eigenen Handelns erleben und Bestätigung als erfolgreicher Mensch gerade auch im sozialen Umfeld erfahren.

 

Mehr zu Thema:

Schlagworte zum Thema:  Candidate Experience, Mitarbeiterbindung, Wertschätzung

Aktuell

Meistgelesen