03.11.2015 | Serie Candidate Experience Management

Was es in der Bewerbungsphase zu beachten gilt

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Bewerbungen auf Papier sind selten geworden. Heute läuft fast alles über Online-Formulare.
Bild: Haufe Online Redaktion

28,8 Tage dauert es durchschnittlich in Deutschland von der Bewerbung bis zu einem Jobangebot – das ist kein positives Erlebnis für den Bewerber. Doch die Dauer ist nicht der einzige Ansatzpunkt für das Candidate Experience Management in der Bewerbungsphase.

Hat ein interessierter Kandidat in der Anziehungsphase und in der Informationsphase angenehme Erfahrungen mit einem Unternehmen gemacht, also eine  positive „Candidate Experience“ gehabt, wird aus dem potenziellen Bewerber ein tatsächlicher Bewerber. Hier beginnt die dritte und entscheidende Phase im Candidate Experience Management: Die Bewerbungsphase. Hier hat HR besonders großen Einfluss auf die Candidate Experience.

Kommunikation mit dem Kandidaten in der Bewerbungsphase

In der Regel startet jetzt die direkte und aktive Kommunikation mit dem Bewerber. Die Kontaktpunkte (Touch Points) sind vielfältig: Elektronisch, schriftlich, telefonisch, persönlich. Jeder Bewerber sollte an allen Kontaktpunkten positive Erfahrungen mit dem Unternehmen machen – egal ob am Ende eine Zusage oder eine Absage dabei herauskommt. 

Eigentlich sollte es ja selbstverständlich sein, dem Bewerber den roten Teppich auszurollen. Stattdessen muss dieser in vielen Fällen erst einmal mit Stacheldraht bewehrte Mauern erklimmen – sprich sich beispielsweise mit frustrierender E-Recruiting-Software auseinandersetzen, um nur überhaupt einen Fuß in die Tür des Unternehmens zu bekommen. Viele Arbeitgeber sind  meilenweit davon entfernt, dem Kandidaten die Wertschätzung entgegen zu bringen, die er verdient,  schreibt Henner Knabenreich in seiner Kolumne auf www.haufe.de/personal.

Alle Kanäle offen halten

Deshalb empfiehlt der Berater und Blogger, alle Kanäle offen zu halten: „Im Idealfall ermöglichen Sie Ihren Bewerbern die Bewerbung per E-Mail oder mit einem Klick via Xing, Linkedin oder CV-Parsing.“ Auch die klassische Bewerbung auf Papier per Post  sollten Sie nicht verwehren. Wenn Sie ein Bewerbermanagementsystem oder eine E-Recruiting-Software einsetzen, achten Sie darauf, dass diese nutzerfreundlich und so einfach wie möglich gehalten ist. „Ersparen Sie Ihren Bewerbern lange Online-Formularwüsten“, warnt Knabenreich.

Bewerber kritisieren Reaktionszeiten und Antwortverhalten der Unternehmen

Zu den positiven Erfahrungen in der Bewerbungsphase zählt auch die Zeit, die ein Unternehmen braucht, um auf Bewerbungen zu reagieren, den Bewerbungsprozess anzustoßen und schließlich ein Jobangebot zu unterbreiten. Bewerber ärgern sich über allzu lange Prozesse, wie zum Beispiel eine Umfrage vom Marktforschungsinstitut Yougov im Auftrag von Talents Connect unter 1.055 Menschen in Deutschland bestätigt. Nach dieser Umfrage aus dem Jahr 2014 ist der Hauptkritikpunkt am Bewerbungsprozess das Antwortverhalten der Unternehmen: 40 Prozent der Teilnehmer warteten im Schnitt drei bis sechs Wochen auf eine Rückmeldung. Weitere 20 Prozent bekamen auf mehr als zehn Bewerbungen gar keine Antwort vom Unternehmen.

Dauer des Bewerbungsprozesses hat starken Einfluss auf die Candidate Experience

Ein Blick in die Angaben der Nutzer von der Arbeitgeberbewertungsplattform Glassdoor.com zeigt, wie lange Bewerber den Bewerbungsprozess erleben. In Deutschland beträgt die Dauer des Bewerbungsprozesses nach den Glassdoor-Daten etwa 28,8 Tage. Das sind im Vergleich zum Durchschnitt in Frankreich, Großbritannien, USA, Kanada und Australien zusammen fünf Tage mehr (im Schnitt 23,2 Tage). Zu lange auf jeden Fall, um eine positive Candidate Experience zu hinterlassen.

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