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MBA in China: "Ost und West zusammenbringen"

Professor Hellmut Schütte ist Dean der chinesischen Ceibs Business School mit Sitz in Shanghai.
Bild: Ceibs Business School

Die renommierte China Europe International Business School (Ceibs) aus Shanghai bietet auch in Europa Programme für die Managerweiterbildung. Hellmut Schütte, Dean der Ceibs, spricht im Interview mit "Wirtschaft + Weiterbildung" über seine Pläne und die Entwicklung des MBA in China.

Wirtschaft + Weiterbildung: Zahlreiche große und mittelständische deutsche Unternehmen sind in China aktiv. Wie intensiv nutzen diese die Weiterbildungsangebote Ihrer China Europe International Business School Ceibs?

Prof. Dr. Hellmut Schütte: Im Bereich der Executive Education – also der Managerweiterbildung ohne einen akademischen Abschluss – arbeiten wir mit vielen deutschen Unternehmen zusammen. Das reicht von Bayer und Bosch über Evonik, Merck und SAP bis zu VW. Viele der Konzerne machen ihre Weiterbildung inzwischen auch intern und schicken nur die Topmanager zu uns. Im Moment kommt ein Drittel unserer Einnahmen aus der Executive Education, den größeren Teil machen aber die Degree-Programme aus, also die Master-Studiengänge.

Wirtschaft + Weiterbildung:  In den vergangenen 20 Jahren haben gerade einmal 37 Deutsche an der Ceibs ein Vollzeit-MBA-Studium absolviert. Woran liegt das?

Schütte: In Deutschland ist man für die MBA-Ausbildung generell nicht so aufgeschlossen. Dabei bieten wir in Shanghai ein sehr gutes MBA-Studium in einem spannenden wirtschaftlichen Umfeld an. Allerdings sind Studenten aus Europa generell bisher nur schwach bei uns vertreten. Das wollen wir aber ändern und attraktiver für ausländische Studenten werden. Vor 20 Jahren ist die Ceibs angetreten, um Managementwissen aus Europa nach China zu bringen. Heute geht es darum, Ost und West zusammenzubringen und daher setzen wir verstärkt auf eine internationalere Ausrichtung.

Wirtschaft + Weiterbildung: Bisher kommt der Großteil der Teilnehmer an Ihrem Executive-MBA-Programm aus China oder Asien. Ist da nicht auch mehr Internationalität gefragt?

Schütte: Das stimmt. Wir haben zwar mit rund 800 Teilnehmern das größte Executive-MBA-Programm für erfahrene Führungskräfte weltweit, doch die meisten kommen aus Asien. Das liegt natürlich vor allem an unserer Programmstruktur. Wenn der Unterricht einmal im Monat am Wochenende in Shanghai stattfindet, ist das für Europäer kaum machbar. Deshalb starten wir ab Januar 2016 mit einem neuen World Executive MBA zusammen mit der der Iese Business School in Barcelona. Da gibt es dann sechs mehrtägige Module, die an den Standorten der Ceibs in Shanghai, Peking und Shenzhen sowie an den Niederlassungen von Iese in Barcelona, New York und München stattfinden.

Wirtschaft + Weiterbildung: Plant die Ceibs einen eigenen Campus in Europa?

Schütte: Nein, ein zweiter Campus kommt nicht infrage. Viele Schulen haben inzwischen Vertretungen in anderen Ländern, das muss nicht gleich ein eigener Campus sein. Ich bin der Überzeugung, dass eine Business School künftig sowieso völlig anders aufgestellt sein muss. Die meisten Schulen sind doch nicht wirklich international. Das trifft auch auf Harvard zu. Die haben im Ausland zwar eine Andockstation für Besucher oder Forscher oder Mitarbeiter, die von dort Studenten für die USA anwerben, sind aber weiter eine zutiefst amerikanische Schule. Große Ausnahmen sind Iese und Insead, das es mit seinen Standorten in Frankreich, Singapur und Abu Dhabi geschafft hat, sich wirklich international aufzustellen.

Wirtschaft + Weiterbildung: Wie sind die Entwicklungen im Bereich Business School in China?

Schütte: Es gibt inzwischen rund 400 Business Schools in China, die bekanntesten sind an großen Universitäten wie Tsinghua, Peking oder Fudan. Und es gibt natürlich auch viele ausländische Schulen, die hier ihr Glück versuchen. Da kann man sich manchmal nur wundern. Oftmals haben die Professoren kaum Ahnung von China. Aber sie haben die Vorstellung, dass man als ausländische Schule hierherkommt und die Studenten einem dann automatisch die Bude einrennen. Das funktioniert schon längst nicht mehr. Da muss eine Schule schon etwas ganz Besonderes anbieten. Die chinesischen Business Schools arbeiten hart an Verbesserungen. Sie sind finanziell gut aufgestellt. Sie investieren in Gebäude und gute Professoren. Auch wir sind inzwischen attraktiv genug und können den Professoren gute Gehälter zahlen. Inzwischen haben wir allein fünf Professoren vom IMD gewonnen.

Wirtschaft + Weiterbildung: Wie lange wird der Nachfrage-Boom in China noch anhalten?

Schütte: Management ist für chinesische Führungskräfte noch immer etwas relativ Neues. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir mit 20 Jahren die älteste Business School in einem offiziell noch immer kommunistischen Land sind. Vor allem der chinesische Mittelstand ringt damit, gute Manager zu finden. Aber auch viele große Unternehmen brauchen moderne Manager. Der Markt für Weiterbildung wird noch lang weiter wachsen. Wir befinden uns daher in einer komfortablen Lage. Während europäische Schulen oftmals um jeden Studenten kämpfen müssen, brauchen wir uns um die fehlende Nachfrage wenig Gedanken zu machen.

Hinweis: Dies ist ein Auszug aus einem Interview, das die Journalistin und MBA-Expertin Bärbel Schwertfeger für die Wirtschaft + Weiterbildung geführt hat. Das komplette Interview lesen Sie in Ausgabe 05/2015 der Wirtschaft + Weiterbildung.

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Haufe Online Redaktion

MBA, Business School, Führungskräfteentwicklung

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