20.06.2011 | Serie Gesundheit

Teil 2: Burnout - Was psychische Beeinträchtigungen sind

Psychische Beeinträchtigungen und psychische Störungen am Arbeitsplatz nehmen dramatisch zu, belegen die Statistiken. Diese beiden Begriffe werden aber häufig missverständlich genutzt. Wir klären auf, damit Sie die Gefahren richtig einordnen können.

Grundsätzlich ist jeder Mensch einer mehr oder minder starken psychischen Grundbelastung ausgesetzt. Nach Ansicht von Psychologen und Arbeitswissenschaftlern gibt es zurzeit zwar kein einheitliches Erklärungsmodell zum Thema psychische Belastungen, doch um eine für alle gültige Verständigungsgrundlage zu haben, wurde die Norm DIN EN ISO 10075 eingeführt. In dieser sind die Begriffe "Psychische Belastung" und "Psychische Beeinträchtigung" exakt definiert.

Psychische Belastung ist demnach "die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken". Sie sind ein normaler und notwendiger Bestandteil des menschlichen Lebens - und somit auch des Arbeitslebens.

Psychische Beanspruchung ist "die unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien". Eine Belastung, die von einem Mitarbeiter als problemlos beziehungsweise als herausfordernd angesehen wird, kann einen anderen bereits überfordern.

Faktoren, die vorbeugend zu beachten sind

Prinzipiell zählen zu den psychischen Belastungen Faktoren wie die Unternehmenskultur und die Wertschätzung der Arbeit; also die Art und Weise, wie Kollegen miteinander umgehen und wie Vorgesetzte ihre Mitarbeiter behandeln. Das bekannteste Beispiel dafür, wenn dieseWerte nicht eingehalten werden, ist sicherlich das Mobbing - das natürlich psychische Beeinträchtigungen auslösen kann.

Doch unter psychische Belastungen fallen auch der Freiheitsgrad bei der Arbeit und natürlich ebenso die Möglichkeit von Erholungspausen während der Arbeit. Auch der Lärm am Arbeitsplatz ist nicht nur Teil des Arbeitsschutzes, sondern kann auch psychische Beanspruchung hervorrufen.

Burnout-Diagnose immer häufiger

Um zu diagnostizieren, ob psychische Störungen vorliegen, orientieren sich Fachärzte an der international verbindlichen ICD Klassifikation. In den vergangenen Jahren hat kaum eine andere Diagnose für mehr Diskussionsstoff und Kosten für Unternehmen und Krankenkassen gesorgt als der Burnout. Experten schätzen die Zahl der Burnout-Patienten allein in Deutschland auf zehn bis 15 Millionen.

Anders als häufig angenommen ist laut einer Beschreibung im Corporate Health Jahrbuch 2011 Burnout keine Krankheit mit eindeutig zuordenbaren diagnostischen Kriterien. Als Burnout wird danach vielmehr "der Endzustand einer längeren Entwicklungslinie beschrieben. Ursächlich ist meist eine Überbelastung und eine daraus resultierende psychische Überbeanspruchung, die vom betreffenden Mitarbeiter nicht bewältigt werden kann." 

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