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| Karriere-Coaching

Bundestagsmandat ist kein Karrierebeschleuniger

Eine berufliche Station im Bundestag scheint einer Karriere nicht sehr zuträglich zu sein.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Fast 15 Prozent der aus dem Bundestag ausgeschiedenen Abgeordneten waren rund fünf Monate nach der Bundestagswahl noch arbeitslos, belegt eine Analyse der Managementberatung Kienbaum. Die Berater fordern darum ein Karriere-Coaching für die Ex-Parlamentarier ein.

40 Prozent der befragten Ex-Abgeordneten waren fünf Monate nach der Bundestagswahl freiberuflich oder selbstständig, weitere 13 Prozent im eigenen Unternehmen tätig. 26 Prozent sind im Ruhestand und weitere neun Prozent gönnten sich eine freiwillige Auszeit wie etwa ein Sabbatical, Familienzeit oder eine Fortbildung. Nur 13 Prozent sind in den öffentlichen Dienst gewechselt. Vor der Bundestagszeit waren 33 Prozent der Befragten im öffentlichen Dienst tätig. Einige davon haben allerdings inzwischen das Pensionsalter erreicht. Nur neun Prozent sind bei einem Privatunternehmen angestellt und lediglich sechs Prozent sind weiterhin hauptberuflich politisch tätig.

 Jeder fünfte Ex-MdB verdient weniger als 30.000 Euro

Führungsfunktionen scheinen sich die ehemaligen Parlamentarier aber zu erhalten: Rund zwei Drittel der haben in ihrer neuen beruflichen Funktion Führungsverantwortung, 39 Prozent sogar für zehn oder mehr Mitarbeiter.

Beim Jahresbruttogehalt ist die Entwicklung heterogen: Nicht einmal ein Drittel der ausgeschiedenen Abgeordneten verdient im Jahr mehr als 100.000 Euro und damit mehr als ein normaler Bundestagsabgeordneter. 20 Prozent der befragten Ex-MdB bekommen sogar weniger als 30.000 Euro im Jahr und liegen damit deutlich unter dem deutschen Durchschnittsbruttolohn für Vollzeitbeschäftigte, der 2013 rund 40.000 Euro betrug. Vor der Mandatstätigkeit hatten nur 13 Prozent ein Jahreseinkommen von weniger als 30.000 Euro. 53 Prozent der Ex-MdB verdienen jetzt gleich viel oder weniger als vor ihrer Bundestagszeit. Unter Einbeziehung des Kaufkraftverlustes ist für die meisten Befragten auch dieses gleiche Gehalt ein finanzieller Rückschritt.

Mehr Unterstützung bei der Jobsuche gewünscht

Rund 40 Prozent haben ihren Anschlussjob durch Netzwerke innerhalb oder außerhalb der Politik gefunden. Fast alle gaben an, bei der Suche nach einem Job keine Unterstützung vom Bundestag, von ihrer Partei oder Fraktion erhalten zu haben. 53 Prozent hätten sich aber eine solche Unterstützung gewünscht. Thorsten Alsleben, Hauptstadt-Repräsentant von Kienbaum: „Die Zeit im Bundestag ist nicht grundsätzlich ein Karriere-Beschleuniger, für viele Ex-Abgeordnete sogar das Gegenteil.“

Deshalb fordert Alsleben die Fraktionen und die Bundestagsverwaltung auf, sich stärker um ausscheidende Abgeordnete zu kümmern: „In der Wirtschaft ist ein Karriere-Coaching für zwangsweise ausscheidende Führungskräfte Standard. Warum gibt es das nicht auch im Bundestag? Es würde die Abgeordnetentätigkeit attraktiver machen und dem Steuerzahler viel Geld sparen, weil bei einer schnelleren Jobvermittlung weniger Übergangsgelder gezahlt werden müssen.“

Die Befragten der Kienbaum-Studie

Von den 217 ausgeschiedenen Bundestagsabgeordneten aus der 17. Wahlperiode haben 47 an der anonymen Online-Umfrage teilgenommen (22 Prozent). Teilgenommen haben Mitglieder aller Fraktionen; den größten Anteil hatten Angehörige der aufgelösten FDP-Fraktion (34 Prozent).

Haufe Online Redaktion

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