03.03.2017 | Serie Betriebliche Gesundheit managen - Tipps für die Praxis

Betriebliches Eingliederungsmanagement bei Phoenix Contact

Serienelemente
Überforderung vermeiden: Nach längerer Krankheit kann eine stufenweise Wiederaufnahme der Arbeit auf lange Sicht mehr Leistung bringen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Handlungsbedarf für ein Betriebliches Eingliederungsmanagement besteht grundsätzlich dann, wenn Beschäftigte mehr als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind. Wie das implementiert werden kann, zeigt das Praxisbeispiel der Phoenix Contact.

Die Vision bei Phoenix Contact bei Aufnahme des Betrieblichen Gesundheitsmanagements im Jahr 2000 war, den durchschnittlichen Krankenstand von 3,6 Prozent auch bei der älter werdenden Belegschaft zu halten. Ein Element der Corporate Culture bei Phoenix Contact lautet: «Unsere Unternehmenskultur fördert Vertrauen und die Entwicklung der Mitarbeiter zum Erreichen vereinbarter Ziele». Unter Entwicklung der Mitarbeiter wird neben klassischen fachlichen sowie verhaltensorientierten Maßnahmen wie Trainings, Coaching, Job-Enrichment auch die gesundheitliche Verfassung betrachtet.

Prävention und Wiedereingliederung

Durch frühzeitiges Erkennen von gesundheitlichen Einschränkungen soll langfristig die Arbeitsunfähigkeit der Mitarbeiter vermieden werden. Darüber hinaus sollte ein Unternehmen ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) aufbauen. Bei Phoenix Contact wird dieser Prozess vom Personalmanagement angestoßen. Nach einer Vorklärung wird mittels eines Einladungsschreibens zu einem Präventionsgespräch Kontakt mit dem Mitarbeiter aufgenommen.

Wie zukunftsfähig ist ihr BGM? Nehmen Sie teil an unserer Umfrage „#whatsnext – Gesund Arbeiten in der digitalen Arbeitswelt“. Als Dankeschön erhalten Sie die Studienergebnisse und ein individuelles Feedback zu den künftigen Handlungsschwerpunkten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in Ihrem Unternehmen. Alle Teilnehmer erhalten zudem direkt im Anschluss an die Befragung ein kostenloses e-Book zum BGM und können an der Verlosung von Gesundheitsseminaren der Techniker Krankenkasse (wahlweise für Führungskräfte, Beschäftigte oder Auszubildende) teilnehmen. Zur Umfrage:  https://ww3.unipark.de/uc/whatsnext/

Das Präventionsgespräch: freiwillig, aber hilfreich 

Die Teilnahme am Präventionsgespräch ist freiwillig. Gegebenenfalls können weitere Fachkräfte wie Betriebsarzt, Mitarbeitervertretung oder Führungskraft auf Wunsch des Mitarbeiters hinzugezogen werden. Nach Erfassung der Ausgangssituation stimmen sich alle Beteiligten dahingehend ab, wie die Arbeitsunfähigkeit überwunden werden kann.

Es werden auch Hilfen und Leistungen abgesprochen, um einer erneuten Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen. Dieses können betriebsinterne Maßnahmen sein, wie zum Beispiel Arbeitsplatzanpassung, Unterstützungsmaßnahmen durch einen Rehabilitationsträger, Zuschüsse für Arbeitshilfen im Betrieb oder ergänzende medizinische Leistungen zur Rehabilitation. Sofern Letztere notwendig werden, sind externe Servicestellen wie Integrationsämter, Rentenversicherungsträger oder Berufsbildungsträger hinzuzuziehen. Der Prozess wurde seit 2009 systematisiert und im Rahmen einer Betriebsvereinbarung festgelegt.

Stufenweise Wiedereingliederung in Absprache mit dem Betriebsarzt

 Mit einer stufenweisen Wiedereingliederung können Mitarbeiter nach längerer schwerer Krankheit von mehr als sechs Wochen sukzessive in den Arbeitsprozess gewöhnt werden. Die Arbeitsaufnahme startet mit wenigen Stunden täglich und steigert sich entsprechend dem Leistungsvermögen der Mitarbeiter bis zur vollen Erwerbstätigkeit. Während der Maßnahme erhält der Mitarbeiter weiterhin Geld von der Krankenversicherung beziehungsweise von der Rentenversicherung.

 Der Prozess im Unternehmen startet mit einer Vorstellung beim Betriebsarzt, der die Hausarztempfehlung nochmals mit den Arbeitsplatzanforderungen abgleicht. Der innerbetriebliche Wiedereingliederungsplan wird zudem mit der zuständigen Führungskraft besprochen. In wöchentlichen Feedbackrunden dokumentieren Führungskraft und Mitarbeiter den Verlauf der sukzessiven Arbeitsaufnahme und regen gegebenenfalls Änderungen am Wiedereingliederungsplan mit dem Betriebsarzt an.

Während des Wiedereingliederungsprozesses werden alle Möglichkeiten zum Erhalt des Arbeitsplatzes (Hilfsmittel, Anpassung des Arbeitsplatzes, Ergonomie) und zusätzliche Trainingseinheiten im oben beschriebenen Actiwell-Gesundheitszentrum ergriffen. 95 Prozent aller langfristig Erkrankten können entweder am selben Arbeitsplatz, an einem angepassten Arbeitsplatz oder an einem anderen Arbeitsplatz die volle Erwerbstätigkeit aufnehmen.

Autor: Prof. Dr. Gunther Olesch, Geschäftsführer Human Resources, Information Technology, Facility Management, Phoenix Contact GmbH & Co KG, Blomberg

Dieser Beitrag ist eine Kurzfassung aus dem Buch „Betriebliche Gesundheit managen – ein Praxisleitfaden“, Joachim Gutmann (Hrsg.),  2016, Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

 

Mehr zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement erfahren Sie auf unserer Themenseite.

 

Schlagworte zum Thema:  BEM, Betriebliches Gesundheitsmanagement

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