26.08.2014 | Top-Thema Betriebliche Krankenversicherung

Ansprüche an die BKV aus Arbeitgebersicht

Kapitel
Wenig Wissen über BKV: Fast 94 Prozent der Arbeitgeber haben noch Informationsbedarf.
Bild: Haufe Online Redaktion

Was Arbeitgeber von einer betrieblichen Krankenversicherung erwarten und wie der Versicherungsmarkt aktuell diese Ansprüche bedienen kann, hat die Strategieberatung Bülow & Consorten in einer Studie untersucht. Noch herrscht danach Aufklärungsbedarf.

Um die Anforderungen an die betriebliche Krankenversicherung (BKV) aus Arbeitgebersicht zu ermitteln, hat die Strategieberatung eine Interviewreihe mit Personalverantwortlichen unterschiedlicher Branchen und Unternehmensgrößen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass - obwohl sich die Mehrheit der Personalverantwortlichen bereits mit dem Thema bKV beschäftigt hat - der Informationsbedarf noch sehr hoch ist:  59 Prozent der Befragten schätzen ihren derzeitigen Kenntnisstand als niedrig ein, 35 Prozent als mittel und nur sechs Prozent als hoch. Von den Studienteilnehmern hatte zu diesem Zeitpunkt noch keiner eine bKV abgeschlossen, aber immerhin knapp jeder Fünfte hat dies für das laufende Jahr 2014 auf der Agenda.

Motivationsfaktoren für die Einführung sind die Verbesserung der Unternehmenskultur und der Mitarbeiterbindung (beide Faktoren 70 Prozent) sowie die Mitarbeitergewinnung (65 Prozent) und die Arbeitnehmermotivation (59 Prozent).

Basisangebot oder individualisierte Lösungen

Einig waren sich nahezu alle Studienteilnehmer, dass die Beitragsstabilität, die Verwaltbarkeit und die Beitragshöhe maßgeblichen Einfluss auf die Auswahl des bKV-Anbieters haben. Bei den Produktwünschen gab es unter den Interviewpartnern zwei nahezu gleich große Lager: Die einen wünschen sich ein einfaches Basisangebot, die anderen hätten  gerne eine für ihr Unternehmen zugeschnittene, individualisierte Lösung. Für größere Unternehmen und insbesondere (internationale) Konzerne spielt die Integrierbarkeit der bKV in sogenannte Cafeteria-Modelle eine zunehmend wichtige Rolle.

BKV als Ergänzung des Gesundheitsmanagements

Bei den Empfehlungen zur Auswahl einer BKV spielen insbesondere das persönliche Netzwerk und spezielle HR-Netzwerke eine dominierende Rolle. Wichtig ist den Befragten zu wissen, welche anderen, möglichst bekannten Unternehmen bereits eine BKV abgeschlossen haben. Sie wünschen Erfahrungsaustausch, um die von einer BKV erhofften Effekte im Vorfeld besser abschätzen und bewerten zu können. (Unternehmen, die bereit sind, als Leuchtturmpartner in Erfahrungsaustausch zu treten, finden Sie in Ausgabe 5/2014 des Personalmagazins auf Seite 48.)  Heft rojekte  Auch Arbeitgeber- oder Branchenverbände spielen eine Rolle bei der Auswahl der BKV.

Ein Großteil der befragten Arbeitgeber (62 Prozent) sieht das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) als gute Ergänzung zur BKV und würde eine integrierte Lösung bevorzugen, bei der ein Anbieter beide Leistungen erbringt. Diesem Wunsch entsprechen einzelne Versicherer bereits heute mit eigenständigen Angeboten oder in Kooperation mit spezialisierten Partnern.

Klare Mindeststandards sind definiert

Obwohl die betriebliche Krankenversicherung als Produkt noch relativ neu ist, zeichnen sich bereits jetzt Mindeststandards ab. Zum einen erwarten Arbeitgeber vom BKV-Versicherer weitere Services als reale Unterstützung ihrer täglichen Personalarbeit. Zum anderen haben die Befragten ein starkes Interesse an einer für ihre Mitarbeiter erlebbaren BKV. Für sie ist entscheidend, dass ihr Engagement kontinuierlich von den Mitarbeitern wahrgenommen wird und die Motivation nicht nach Einführung der BKV verpufft. Erste Ansätze wie Versichertenkarten, Apps oder auch besondere Produktvarianten gibt es zwar bereits im Markt, die Befragten sehen hier jedoch Entwicklungsbedarf.

Fazit: Spezifische Ziele der BKV vorab bedenken

Personalentscheider sind also insgesamt gut beraten, sich im ersten Schritt über die spezifische Zielsetzung ihres Unternehmens im Kontext BKV klar zu sein, um die Anbieter- und Produktauswahl zu gestalten. Auch wenn sich der Markt aktuell noch relativ homogen darstellt, gibt es bereits erkennbare Unterschiede im Leistungsspektrum und Servicelevel der BKV-Versicherer. Somit sollte die Entscheidung für einen Anbieter gut überlegt sein, denn sieben von zehn Personalentscheidern würden einen einmal gewählten BKV-Anbieter nicht oder nur bei gravierenden Mängeln wechseln.  

Autoren:

Dr. Frauke Wildvang ist Managerin bei der Strategieberatung Bülow & Consorten GmbH, Hamburg.

Stefan Bleyhl ist Geschäftsführer bei der der Strategieberatung Bülow & Consorten GmbH, Hamburg.

Schlagworte zum Thema:  Betriebliche Krankenversicherung

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