15.08.2012 | Betriebliche Altersversorgung

Der Druck auf die Pensionspläne steigt weiter

Die Rücklagen für die bAV reichen kaum mehr aus.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die niedrigen Zinsen bedrohen die betriebliche Altersversorgung der Konzerne. Ein baldiges Ende ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Experten befürchten, dass der Druck weiter anhalten und sich sogar erhöhen könnte.

In den Pensionskassen der Firmen klafften schon seit längerem Milliardenlücken, so ein Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD). Durch die niedrigen Zinsen hätten sich diese zuletzt stark ausgeweitet. Und das Tempo des Problems scheint anzuziehen. Laut FTD hätten nach Berechnung der Beratungsfirma Mercer die Gesamtverpflichtungen aller 30 Dax-Konzerne infolge der Niedrigzinsen seit Jahresbeginn um gut 40 Milliarden Euro auf fast 300 Milliarden Euro zugenommen. Die Beratung Towers Watson komme auf einen Zuwachs um 22 Milliarden auf 281 Milliarden Euro. Dem stehe nur ein dafür reserviertes Anlagevermögen von 174 Milliarden Euro gegenüber. Insgesamt deckten die Dax-Konzerne ihre Pensionsverpflichtungen derzeit zu 62 Prozent mit Kapitalanlagen ab, so Towers Watson. Zu Jahresbeginn waren es noch 66 Prozent. Für die Lücke hafteten die Firmen mit ihrer Bilanz.

Perspektive: Zinsen werden mittelfristig nicht steigen

"Wir rechnen damit, dass das Niedrigzinsumfeld mittelfristig anhalten wird", sagte Towers-Watson-Experte Thomas Jasper. Pensionskassen wie Lebensversicherer tun sich schwer, mit ihren Kapitalanlagen ausreichend Rendite zu erwirtschaften. "So sinken beispielsweise die Zinssätze für unsere konservative Geldanlagepolitik gegen null", sagte der Finanzvorstand des Chemiekonzerns Lanxess, Bernhard Düttmann.

Die Euro-Krise werde den Druck noch erhöhen, berichtete Boston-Consulting-Partner Alexander Roos. Wegen des Zinsproblems müssten einige vermutlich für die Betriebsrenten nachschießen. Dazu komme das Problem sinkender Gewinne wegen der schwachen Konjunktur.

Beispiel Daimler: Fast 6,5 Milliarden Euro Minus

Die aktuellen Probleme lassen sich in den Geschäftsberichten der Dax-Konzerne ablesen, die sie schon zu Jahresanfang geschrieben hatten. Beim Autobauer Daimler etwa heißt es, dass die internationalen Bilanzierungsregeln IFRS das anzulegende Maß für die Pensionsverpflichtungen vorgeben. Und für den vermuteten Erfolg gebe es dabei klare Regeln: "Die erwartete Rendite der Liquidität orientiert sich am Geldmarktzinssatz." Die Bewegung der Zinsen hat also direkten Einfluss auf Daimlers Pensionskosten.

Daimler nennt den Faktor auch in seinem Risikobericht. So seien Teile der Pensionsverpflichtungen "nicht vollständig durch Planvermögen gedeckt". Die Lücke ergebe sich aus den Verpflichtungen abzüglich des Zeitwerts der Planvermögen. Bei Daimler stieg das Minus seit Ende 2007 von knapp zwei auf fast 6,5 Milliarden Euro. Der Konzern steuerte bereits gegen und schoss im vergangenen Jahr zwei Milliarden Euro zu. Zur Tragweite des Problems hält Daimler fest: Die von den eigenen Pensionsfonds erzielten Erträge brachen 2011 gewaltig ein und rutschten von 835 Millionen Euro im Vorjahr auf 42 Millionen.

Mögliche Stellschraube: Festverzinsliche Wertpapiere

Das Gebilde der Vorausberechnung ist fragil. "Selbst geringe Änderungen", schreibt der Stuttgarter Konzern, "könnten die Verpflichtungen ansteigen lassen". Daimler nennt bei den möglichen Stellschrauben neben Aktien auch "festverzinsliche Wertpapiere". Die Schwaben betonen aber, in ihren Pensionsfonds schlummerten "keine wesentlichen Anlagen in Anleihen von Ländern, die gegenwärtig von der europäischen Staatsschuldenkrise besonders betroffen sind". Doch auch die Schuldscheine von Staaten mit Top-Bewertung - wie Deutschland - verzinsen sich schon lange nicht mehr zum Niveau alter Zeiten.

Hinweis: Wie sie die spezifischen Risiken eines Pensionsplans identifizieren und so negative Folgen begrenzen können, lesen Sie im Personalmagazin, Ausgabe 09/2012 ( Erscheinungstermin: 29.08.)

Schlagworte zum Thema:  Betriebliche Altersversorgung, Pensionsplan

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