| Beschäftigungsausblick

Die Großwetterlage: Konjunktur sonnig, Jobmarkt teils bewölkt

Die Aussichten auf dem Jobmarkt sind etwas getrübt. Der Fachkräftemangel bremst.
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Der DIHK erwartet 2014 eine kräftige Konjunkturerholung, die Bundesagentur rechnet mit einem Jobaufschwung und eine Umfrage zeigt, dass die Einstellungsbereitschaft in Deutschland wächst. Aber: Gerade Personaler im Mittelstand bleiben pessimistisch.

In einer Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gaben 37 Prozent der Befragten an, dass sie mit einem Ausfuhrplus rechnen. Eine negative Entwicklung erwarten nur sieben Prozent. Das sei der höchste Wert seit zweieinhalb Jahren, erklärt der DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Auch der Ifo-Präsident Hans Werner Sinn  jubelt: "Die deutsche Wirtschaft startet hoffnungsfroh ins neue Jahr." Überraschend deutlich legte der Ifo-Geschäftsklimaindex im Januar zu und zeigte damit zum Jahresanfang in allen Bereichen nach oben. Der Index stieg zum Jahresstart von 109,5 auf 110,6 Punkte.

Beschäftigungsplus stimmt ebenso positiv

Die Beschäftigungsaussichten scheinen also positiv zu sein. Der DIHK erwartet nach der Umfrage bei der Beschäftigung einen Zuwachs von rund 250 000. Die Arbeitslosigkeit sinke voraussichtlich von derzeit 3,1 Millionen auf etwa 2,9 Millionen im Jahresdurchschnitt. Das sei allerdings ein vergleichbar geringes Plus an Beschäftigung.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt sich trotzdem hoffnungsvoll: "Jenseits saisonaler Sondereffekte, wie sie im Januar üblich sind, entwickelt sich der Arbeitsmarkt positiv", stellte das BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt fest. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit im Januar um 28.000 gefallen - und damit so stark wie schon lange nicht mehr. Allerdings gehe nur rund ein Viertel dieses Effekts auf das Konto der allmählich anziehenden Konjunktur, räumte Alt ein bei der Veröffentlichung der Zahlen. Zu drei Vierteln sei für diesen Entlastungseffekt die gestiegene Zahl von Aus- und Fortbildungen verantwortlich.

Laut einer Umfrage des Personalvermittlers Antal International zeigt der deutsche Beschäftigungsmarkt Anzeichen des Fortschritts nach der EU-Krise. Danach ist im Vergleich zu Juni 2013 der Anteil der Unternehmen, die derzeit Personal entlassen um zwei Prozent gesunken. Der Prozentsatz der einstellenden Unternehmen blieb stabil. Die Studienautoren  sind optimistisch: "Diese Zahlen sollten sich verbessern, da das Land die Reform innerhalb der EU vorantreiben soll und die Europäische Zentralbank in den nächsten Monaten 1.000 zusätzliche Bankmitarbeiter in Frankfurt einzustellen plant."

Negative Folgen des Konjunkturaufschwungs: Zu wenig Fachkräfte

Der Mittelstand jedoch ächzt unter den positiven Konjunkturentwicklungen: Hier hat sich laut DIHK das Problem des Fachkräftemangels weiter verschärft, sodass ein echter Engpass für die wirtschaftliche Entwicklung entstehe. "Viele Unternehmen begegnen dem auch mit höheren Löhnen. Für etliche Branchen entsteht zudem durch den geplanten Mindestlohn zusätzlicher Kostendruck", urteilte der DIHK nach der Umfrage unter 27.000 Unternehmen. In der Folge sähen die Unternehmen die Arbeitskosten zunehmend als Risiko.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young unter 3.000 Unternehmen entgehen den deutschen Mittelständlern jährlich mehrere Milliarden Euro Umsätze wegen fehlender Fachkräfte. Sechs von zehn Firmen könnten Positionen derzeit nicht besetzen. Insgesamt 326.000 Stellen seien aktuell im Mittelstand nicht besetzt.

Viele Unternehmen bauen weiterhin Personal ab

Bei all dem Drang, neue Beschäftige einzustellen, zeigt jedoch ein regelmäßiger Bericht der "Wirtschaftswoche" auch, dass zahlreiche Unternehmen weiterhin Personal in großem Umfang abbauen. So strebt Airbus an, in Deutschland 2.438 Arbeitsplätze einzusparen. Der Baukonzern Bilfinger streicht laut "Wirtschaftswoche" bundesweit rund 800 Verwaltungsstellen und der Würzburger Druckmaschinenbauer Koenig & Bauer 1.100 und 1.500 Stellen. Bei der bei der Bayern-LB und bei dem Call-Center-Betreiber Walter Services geht es um je rund 500 Arbeitsplätze, bei EADS um 5.800 bis Ende 2016.

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