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| Berufsausbildung

Mehr Geld – wenig Sex Appeal

Arbeitgeber zahlen Azubis mehr – dennoch mangelt es ihnen beim Recruiting nach wie vor an Bewerbern.
Bild: Haufe Online Redaktion

Das neue Jahr bringt gute Nachrichten für Azubis: Ihre Gehälter sind gestiegen; Förderprogramme ebnen zudem immer mehr Jugendlichen den Weg ins Ausland. Trotz dieser positiven Entwicklungen fehlen aber fast jedem zweiten Betrieb die passenden Bewerber.

Zum dritten Mal in Folge sind die Vergütungen für Azubis im vergangenen Jahr gestiegen – auf durchschnittlich 795 Euro pro Monat und damit um 4,5 Prozent im Vergleich zu 2013. Im Westteil der Republik lag der Schnitt dabei mit 802 Euro um einiges höher als im Ostteil der Republik mit 737 Euro. Dies hat eine Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ergeben, die auf durchschnittlichen Vergütungen für 179 Berufe im Westen und 156 Berufe im Osten Deutschlands basiert.

Doch nicht nur von mehr Geld, auch von mehr internationaler Erfahrung profitieren die Jugendlichen seit dem vergangenen Jahr: Nach dem Start des Förderprogramms "Erasmus Plus", das unter anderem Auszubildende unterstützt, die einen Teil ihrer Lehre im Ausland verbringen wollen, ist die Zahl der Jugendlichen im Ausland im Vergleich zu 2013 um 12,5 Prozent gestiegen: 18.000 Azubis, rund vier Prozent, wagten im vergangenen Jahr den Schritt in die Ferne, berichtet die "Rheinische Post". Auf der Beliebtheitsskala ganz oben sind demnach Aufenthalte in Großbritannien, Spanien, Frankreich und Irland.

Wenig Geld für Friseure, Köche, Gebäudereiniger

Leider offenbaren die neuen Zahlen zum Thema "Ausbildung" nicht für alle Azubis gleichermaßen gute Nachrichten – denn die Vergütungsanalyse des BIBB zeigt auch, dass sich die Gehälter unter den Ausbildungsberufen teilweise deutlich unterscheiden: So können sich etwa Auszubildende zum Mechatroniker über rund 950 Euro im Monat freuen, während sich Friseur-Azubis im Westen mit 474 Euro und im Osten mit nur 269 Euro begnügen müssen.

Die BIBB-Autoren stellten zudem fest, dass gerade in sogenannten "Mangelberufen" wie Koch, Restaurantfachmann oder Gebäudereiniger nur vereinzelt überdurchschnittliche Anstiege erkennbar sind – was dafür spricht, dass die Betriebe im neuen Jahr weiterhin Probleme haben werden, in diesen wenig beliebten Berufen Auszubildende zu finden.  

Gesucht: gutes Betriebsklima, Jobsicherheit und Betreuung

Dass der Azubimangel im neuen Jahr aktuell bleibt, belegt eine weitere Studie: Fast die Hälfte der deutschen Unternehmen (48 Prozent) klagt demnach bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen über zu wenige Bewerber. Zu diesem Ergebnis kommt der Personalmarketing-Berater Index, der  rund 1.900 Unternehmensvertreter aus Deutschland und weiteren europäischen Staaten befragt hat.

Aufschluss gibt diese Studie auch darüber, wie Arbeitgeber die Jugendlichen von sich überzeugen können: "Für die Wahl des Ausbildungsplatzes sind bei den meisten Azubis die Aspekte Betriebsklima, Jobsicherheit und die Betreuung während der Ausbildung entscheidend", so Philipp Diefenbach, Leiter Index Strategisches Personalmarketing.

Um mehr Schulabgänger für eine Berufsausbildung zu begeistern, haben Vertreter aus Bund, Wirtschaft, Gewerkschaften und Ländern vor Kurzem eine neue Allianz für Aus- und Weiterbildung ins Leben gerufen. Dafür wollen die Allianzpartner unter anderem 20.000 zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, jährlich 500.000 Praktikumsplätze zur Berufsorientierung zur Verfügung stellen und die assistierte Ausbildung weiter fördern.

dpa/Haufe Online-Redaktion

Berufsausbildung, Vergütung, Recruiting

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