Auch attraktiv als Teil der Altersvorsorge von Geringverdienern: Wie das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz die Modelle der Anbieter verändert. Bild: Michael Bamberger

Demnächst dürfte das Betriebsrentenstärkungsgesetz den Bundesrat passieren, sodass es im Januar 2018 in Kraft treten wird. Wie sich dadurch die Rahmenbedingungen ändern und dass auch Geringverdiener durch die Neuregelungen profitieren, haben Beiträge auf einem bAV-Expertenforum in Köln gezeigt.

Das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz wird die Bedingungen im Markt der betrieblichen Altersversorgung (bAV) verändern und macht neue Strategien der Anbieter nötig. Das sieht auch Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender der Talanx Pensionsmanagement und verantwortlich für bAV bei HDI, so, wie er beim bAV-Expertenforum in Köln sagte. "Wir sehen im BRSG große Chancen für die bAV – sowohl für die Sozialpartnermodelle als auch klassische bAV."

Insbesondere der Arbeitgeberzuschuss, der erst gegen Ende des parlamentarischen Verfahrens in das Gesetz aufgenommen wurde, werde auch die klassische bAV weiter stärken. Mindestens 15 Prozent des umgewandelten sozialversicherungsfreien Entgelts muss der Arbeitgeber künftig als Zuschuss in die bAV des Arbeitnehmers einzahlen – bei reiner Beitragszusage in jedem Fall und bei klassischer Entgeltumwandlung auch.

bAV: Sozialpartnermodell verfehlt eigentliche Zielgruppe

Auch im Sozialpartnermodell sieht von Löbbecke großes Potential. Der HDI werde eine Zielrentenlösung über einen Pensionsfonds anbieten (wie sich andere Anbieter aufstellen, lesen Sie hier). Zudem prognostiziert er, dass das Gesetz "einen Gruppenzwang auslösen" werde, denn das Potenzial sei interessant.

Die ursprünglich avisierte Zielgruppe der bAV-Reform werde mit dem Sozialpartnermodell allerdings nicht erreicht. Kleine und mittlere Unternehmen unterliegen in der Regel keinem Tarifvertrag und können höchstens auf das Sozialpartnermodell optieren, wenn sie denn wollten. Neun Millionen Arbeitnehmer ohne bAV seien in nicht-tarifgebundenen Firmen tätig. Diese Betriebe können und sollten weiterhin die bewährte klassische bAV nutzen.

Geringverdiener: Riester-bAV im Jahr 2018

Und fast 17 Millionen Beschäftigte arbeiten in Deutschland für weniger als 2.000 Euro brutto im Monat. "Für sie ist die Kombination von Arbeitgeberzuschuss, Riester-bAV und Geringverdiener-Förderung unschlagbar", stellte von Löbbecke fest. Daher werde der HDI im Jahr 2018 eine Riester-bAV anbieten. Hier sieht der Lebensversicherer ein Marktpotenzial von 2,35 Milliarden Euro.

Zum Hintergrund: Für betriebliche Riester-Renten entfällt in der Auszahlungsphase die bisherige Sozialversicherungspflicht – sie werden fortan wie private Riester-Renten behandelt. Zudem werden Riester-Renten ab 2018 in der Ansparphase stärker gefördert: Die Grundzulage steigt von 154 auf 175 Euro pro Jahr. Zahlt der Arbeitgeber zudem bei Geringverdienern mit bis zu 2.200 Euro Bruttoeinkommen mindestens 240 Euro pro Jahr dazu, so kann er 30 Prozent von der Lohnsteuer des Arbeitnehmers behalten.

Freigrenze: damit sich Altersvorsorge für Geringverdiener lohnt                        

Zudem wird eine Freigrenze bei Anrechnung der Grundsicherung eingeführt. "Damit entfällt das Argument, dass sich Altersvorsorge für Geringverdiener nicht lohnt", betonte von Löbbecke.

Bislang ist es nämlich so, dass sich die staatlich geförderte Altersvorsorge für Geringverdiener oft nicht lohnt, da die Riester-Rente auf die Grundsicherung angerechnet wird. Künftig wird nun bei der Grundsicherung im Alter ein Freibetrag eingeführt. Betriebsrentner können ab 2018 dann 100 Euro monatlich von ihren Altersvorsorge-Leistungen behalten – zuzüglich 30 Prozent des diesen Betrag übersteigenden Einkommens aus der zusätzlichen Altersvorsorge. Im Moment wären dies rund 202 Euro monatliches Schonvermögen bei der Zusatzrente.

Steuerfreier Sachbezug und bAV

Einziger Nachteil bei der Riester-Rente sei, dass die Beitragszahlung aus dem Nettolohn zu zahlen ist, so der HDI-Vorstand. Daher sei bei der Beratung auch die Entgeltumwandlung, also klassische bAV, interessant. Gerade kleine und mittlere Unternehmen hätten dadurch Vorteile. Betriebsrenten von bis zu 149 Euro pro Monat seien schon jetzt von den Sozialversicherungsbeiträgen befreit.

Um noch mehr Arbeitnehmer – auch mit geringerem Einkommen - an die bAV heranzuführen, hat HDI schon Anfang dieses Jahres das Konzept "bAV Plus Cashback" eingeführt. Dabei erhält der Mitarbeiter, der einen bAV-Vertrag abschließt, eine Prepaid-Kreditkarte, die sein Chef jeden Monat mit bis zu 40 Euro für privaten Konsum auflädt. Gleichzeitig spart der Arbeitnehmer per Entgeltumwandlung 100 Euro für seine Betriebsrente an. Im Endeffekt koste ihn das Ganze nur zehn Euro netto monatlich. "Ein Arbeitgeberzuschuss gerät schnell in Vergessenheit, doch mit 'bAV Plus Cashback' wird er jeden Monat daran erinnert, dass sein Chef sich an der bAV beteiligt", betonte der HDI-Vorstand. Inzwischen hätten mehrere Finanzämter bestätigt, dass diese Kreditkarte als steuerfreier Sachbezug zulässig ist und die Arbeitgeber-Gebühren und Nebenkosten nicht in die Freigrenze einzubeziehen sind.

Schlagworte zum Thema:  Betriebliche Altersvorsorge (bAV), Betriebsrente

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