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Qualifikation von Azubis wieder in der Kritik

Die KfZ-Lehre ist Hauptschülern noch möglich. Andere Branchen bleiben oft verwehrt.
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) prangert die  schlechten Chancen von Hauptschülern auf dem Auszubildendenmarkt an. Für die stellvertretende DGB-Vorsitzende passt dies nicht zum oft beklagten Fachkräftemangel. Die Unternehmerseite kritisiert indes die Qualifikation der Bewerber.

Hauptschülern bleiben laut DGB immer mehr anspruchsvolle Ausbildungsberufe nahezu versperrt. Dies gilt nicht nur für Handel, Banken und Versicherungen, sondern zunehmend auch für technische Berufe in Industrie und Chemie. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte die Wirtschaft auf, Schülern mit niedrigeren Schulabschlüssen wieder mehr Chancen auf dem Lehrstellenmarkt zu geben.

Realschüler und Abiturienten besetzten zwei Drittel aller Ausbildungsplätze

"Weite Teile der Unternehmen haben Hauptschüler anscheinend abgeschrieben. Immer weniger Betriebe geben diesen jungen Menschen eine Ausbildungschance", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock der Nachrichtenagentur dpa. Sehrbrock berief sich dabei auf mehrere Untersuchungen, unter anderem auf eine Analyse für den jüngsten Nationalen Bildungsbericht von Bund und Ländern.

Danach ist inzwischen die Hälfte aller Ausbildungsberufe für Jugendliche mit Hauptschulabschluss  so gut wie verschlossen. Während sich früher fast alle dualen Lehrberufe durch Offenheit für Abgänger aller Schulformen auszeichneten halten heute Realschüler und Abiturienten zwei Drittel aller Ausbildungsplätze besetzt. Hauptschüler sind unter den bundesdeutschen Lehrlingen dagegen nur noch mit 33 Prozent vertreten. Offen sind für sie vor allem Handwerksberufe, insbesondere im Ernährungs- und Bauwesen sowie Berufe im Dienstleistungsgewerbe wie Verkäufer oder Friseur.

DIHK weist Kritik zurück: Azubiverträge für Hauptschüler steigen an

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wies die DGB-Kritik zurück. So sei der Anteil der Hauptschüler an den Ausbildungsverträgen im IHK-Bereich von 21,1 Prozent (2010) auf 23,7 Prozent (2012) gestiegen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen böte inzwischen Nachhilfe für schwächere Auszubildende an, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. "Was freilich stimmt: Mit schlechten Schulnoten und mangelhaften Mathe- und Deutschkenntnissen werde ich nicht Bankkaufmann oder Mechatroniker, sondern sollte realistische Alternativen in den Blick nehmen."

Unternehmen kritisieren praxisferne Schulbildung künftiger Azubis

DM-Chef Erich Harsch sieht die Gründe für die schlechte Qualifikation indes nicht bei den Bewerbern selber, sondern im deutschen Bildungssystem. Seiner Einschätzung zufolge setzt es zu stark auf reines Faktenwissen. Harsch fordert mehr Fokus auf interpersonale Kompetenzen zu legen: "Die Frage, wie ein Mensch mit anderen zurechtkommt, ist wichtiger als die Frage, ob er die vier Grundrechenarten beherrscht." Er plädiert deshalb für Strategien zur Vermittlung von Sozial- und Problemlösungskompetenz: "In einer Zeit, in der Wissen mit einem Klick omnipräsent verfügbar ist, kommt es darauf an, dass Jugendliche lernen, sich in der Welt zurechtzufinden."

DM habe zum Beispiel bei der Lehrlingsausbildung Theaterworkshops und Abenteuer-Kultur-Projekte eingeführt, in denen sich die jungen Menschen selbst erfahren könnten. Dies sei wichtig, da in der Drogeriemarktkette bereits junge Fachkräfte mit der Führung von Filialen betraut würden und damit für bis zu 20 Mitarbeiter verantwortlich seien.

dpa / Haufe Online Redaktion

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