02.02.2012 | Recruiting-Videos

Aus Fehlern lernen

Recruiting-Videos sind im Trend. Aber nicht alle kommen gut an - wie der Praktikanten-Rap von BMW zeigt. Multimedia-Experte Peter Schels erklärt im Interview mit dem Personalmagazin, was viele Unternehmen falsch machen.

personalmagazin: Herr Schels, was sind häufige Fehler bei Recruiting-Videos?

Peter Schels: Ich glaube, dass alles falsch ist, was nicht echt ist. Alles, was etwas vorgaukelt, was der eigenen Unternehmenssituation überhaupt nicht entspricht. Das ist allein schon eine ethische Frage, da man sich präsentieren sollte, ohne das "Tal der Wahrheit" zu verlassen. Außerdem kommen die Bewerber aus einer Generation mit großem visuellem Empfinden. Wenn sie einen Film sehen, der zu glattgebügelt und nicht stimmig ist, merken sie das. Es mag schon sein, dass ein Unternehmen - wenn es unkonventionelle Wege wagt - den einen oder anderen Bewerber erreicht, den es sonst nicht erreichen würde.

personalmagazin: Der Recruiting-Rap von BMW war auch unkonventionell, wurde aber ziemlich verspottet.

Schels: Das ist das Beispiel eines erfolgreichen, tollen, aber auch konservativen Unternehmens, das mit einer Musikrichtung - sprich Rap - neue Wege beschreiten wollte. Die Frage ist doch: Hat ein Bewerber, der zu BMW will, Interesse, selbst zu Rappen? Weitere Fehler des Videos: Es ist dramaturgisch schlecht und langweilig. Auch inhaltlich gibt es einen Widerspruch: Bei Rap geht es meist um Gewalt oder Sex, um Milieu, Liebe oder Sehnsucht. Wird diese Musik einem Arbeitsplatzthema übergestülpt, dann passt das einfach nicht zusammen.

personalmagazin: Bei Siemens wurden Videos - zumindest früher - von den Mitarbeitern selbst gedreht, um Authentizität zu vermitteln. Ist das besser?

Schels: Authentizität ist zwar ein inflationär gebrauchtes Wort, aber sie entspricht der "Echtheit", die ich vorhin erwähnt habe. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass eine Person, sobald sie vor der Kamera steht, nicht unbedingt sie selbst ist. Gerade wenn hinter der Kamera jemand steht, der Faxen macht, um den Sprecher zu motivieren. Auch das kann also schiefgehen, weil der Betrachter das eventuell bemerkt. Daher würde ich eher von selbst gedrehten Filmen abraten.

personalmagazin: Mitarbeiter sind selten geborene Schauspieler. Wie viele Versprecher dürfen sein?

Schels: Genau das ist es doch. Die Mitarbeiter sollen gerade nicht schauspielern. Bei Recruiting-Videos kommt es in erster Linie auf die Glaubwürdigkeit an. Ich muss Vertrauen herstellen, indem ich sage: "Schaut mal her. Das ist einer, der bei uns arbeitet." Wenn jemand sich ein bisschen verspricht oder eine Klangfärbung hat, fühlen sich viele Leute sogar angesprochen, denn niemand ist perfekt. Wenn sie dagegen den Eindruck haben, dass da ein absoluter Musterknabe zu sehen ist, fühlen sie sich möglicherweise sogar eingeschüchtert. 

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