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Personalarbeit feinjustieren: Auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren

Mit einer maßgeschneiderten Personalarbeit können Unternehmen den gesellschaftlichen Tendenzen zur Individualisierung und Fragmentierung wirksam begegnen. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hervor.

"Es ist den Firmen dringend zu empfehlen, die Phänomene der Postmoderne ernst zu nehmen", sagt Professor Manfred Becker. "Es gilt, personalwirtschaftliche Instrumente so zu gestalten, dass die Mitarbeiter ihren Lebensstil praktizieren können und trotzdem motiviert und engagiert arbeiten."

 

"Quadriga der Postmoderne" verändert die Zusammenarbeit

Vier Tendenzen hat Becker mit seinem Team an der halleschen Universität untersucht und dazu 87 Experten - vor allem Personalverantwortliche - aus unterschiedlichen Branchen befragt. "Die Menschen ziehen sich zunehmend aus gemeinschaftlichen Bezügen zurück, ihre Lebensverhältnisse vervielfachen sich, Lebensentwürfe zersplittern und lustvolle Erlebnisse unter Vermeidung von Belastendem stehen im Vordergrund", sagt Becker. "Wir haben es sozusagen mit der Quadriga der Postmoderne zu tun: Individualisierung, Temporalisierung, Fragmentierung, Ästhetisierung." Diese Tendenzen seien in den Unternehmen nachweisbar. "Und sie werden das Miteinander weiterhin stark verändern."

Der Trend zur Individualisierung wird von den Befragten positiv erlebt, die Fragmentierung hingegen negativ. "Wenn Wandel das einzig Beständige ist, kann das zu Orientierungslosigkeit führen. Dann sinkt die Bindung an den Arbeitgeber - und die Eigeninitiative gleich mit", führt Manfred Becker aus.

 

Lösung: Indidvidualisierte Personalarbeit

Doch es gibt wirksame Gegenmittel: "Wir konnten nachweisen, dass bestimmte personalwirtschaftliche Maßnahmen die positiven Effekte der Individualisierung stärken und die negativen Effekte von Fragmentierung und Temporalisierung mildern", sagt Anja Beck, Mitarbeiterin am Lehrstuhl Organisation und Personalwirtschaft, den Manfred Becker bis zu seiner Emeritierung im vergangenen Jahr innehatte.

Die Lösung heißt individualisierte Personalarbeit. Dazu gehört laut Studie die Duldung und Förderung von Vielfalt, die systematische Personalentwicklung, das Anregen zu innovativem Denken und das Erzeugen von Begeisterung (Stichwort "transformationale Führung"). Darüber hinaus sollte es demnach angemessene Arbeitsbedingungen und eine in Grenzen praktizierte Flexibilität der Beschäftigungsverhältnisse geben.

"Wichtig ist, dass die Instrumente so gestaltet sind, dass die individuellen Bedürfnisse und Leistungsvoraussetzungen der Mitarbeiter bestmöglich mit den durch die Organisation geschaffenen Situationsbedingungen übereinstimmen", erklärt Anja Beck. "Diversity Management ist ein entscheidendes Instrument, spezifische Weiterbildungen, Einzelcoachings und Mentoring-Projekte sind weitere gute Beispiele."

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