| Arbeitszeitreport 2016

Auf dem Weg in die Müdigkeitsgesellschaft?

BAUA-Arbeitszeitreport 2016: Mehr als jeder zweite Beschäftigte klagt über Müdigkeit und Erschöpfungszustände.
Bild: Haufe Online Redaktion

Globalisierung und Digitalisierung verändern die Arbeitswelt kontinuierlich. Längere Arbeitszeiten und fehlende Pausen gehören in diesem Wandlungsprozess offenbar zum Alltag. Die Folge seien Leistungsdruck sowie erhebliche Gesundheitsrisiken, warnt nun der BAUA-Arbeitszeitreport.

Fast jeder achte abhängig Beschäftigte (13 Prozent) fühle sich nach den Ergebnissen einer groß angelegten Befragung des Bundesamts für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) durch die im Job zu leistende Arbeitsmenge überfordert. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (51 Prozent) klage zudem über hohen Termin- und Leistungsdruck.
Betroffen seien vor allem Vollzeitbeschäftigte mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 35 Stunden, heißt es im Arbeitszeitreport 2016, den das BAUA am Montag erstmals vorlegte. Für die repräsentative Umfrage hatten die Forscher zwischen Mai und Oktober vergangenen Jahres mehr als 20.000 Telefoninterviews mit Erwerbstätigen durchgeführt.

Psychische und körperliche Gesundheitsrisiken

Mehr als jeder zweite Beschäftigte klage mittlerweile über Müdigkeit und Erschöpfung (53 Prozent) oder Rücken- und Kreuzschmerzen (51 Prozent), haben die BAUA-Forscher in diesem Rahmen festgestellt. Weit verbreitet seien zudem Symptome wie körperliche Erschöpfung (40 Prozent), Schlafstörungen (34 Prozent) oder Niedergeschlagenheit (24 Prozent).

Viele Überstunden, wenig Pausen

Vollzeitbeschäftigte arbeiten nach den Ergebnissen der Umfrage im Schnitt 43,5 Stunden pro Woche. Weit über die Hälfte der Betroffenen erreiche dabei jedoch Wochenarbeitszeiten von 44 bis 47 Stunden oder länger. Dabei komme fast jeder Achte auf Arbeitszeiten zwischen 48 und 59 Stunden in der Woche. Eine Minderheit von vier Prozent verbringe wöchentlich sogar 60 Stunden oder mehr am Arbeitsplatz.
Aufgrund der übermäßigen Arbeitsbelastung ließen viele Beschäftigte mit zunehmender Länge der Arbeitszeit häufiger die Erholungszeiten ausfallen. So verzichte jeder zweite Beschäftigte mit einer Arbeitszeit von 60 und mehr Stunden in der Woche häufiger auf Pausen. In der Gruppe mit wöchentlichen Arbeitszeiten von 48 und mehr Stunden liege dieser Anteil noch bei 44 Prozent.

Digitalisierung und Globalisierung als Belastungsfaktor?

Hintergrund der intensivierten Arbeitszeiten seien gesellschaftliche Entwicklungen wie die Globalisierung und Digitalisierung, geben die Forscher an. So ermöglichten neue Informations- und Kommunikationstechnologien das Arbeiten zu jeder Zeit und an jedem Ort, längere Ladenöffnungszeiten im Handel gingen mit einer Ausweitung und Flexibilisierung von Arbeitszeiten einher. Eine zunehmende Anpassung von Arbeitseinsatz und Leistung an die Erfordernisse des Marktes führe zudem, so die BAUA-Forscher, zu veränderten Anforderungen an die Arbeitszeit und zu einer Intensivierung der Arbeit. "Beschäftigte begegnen dieser Situation nicht selten mit überlangen Arbeitszeiten und Pausenausfall", heißt es dazu in der Studie.

Die Branchen mit den höchsten Arbeitszeiten

Laut Erhebung des BAUA arbeiten Beschäftigte in der Wasserversorgung sowie in der Abwasser- und Abfallentsorgung, in der Energieversorgung sowie dem Bau-, Verkehrs- und Lagergewerbe am längsten. Ausgedehnte Arbeitszeiten fänden sich aber auch häufig in der Land- und Forstwirtschaft, dem Gastgewerbe, im Handel sowie in der Unterhaltungs- und Freizeitbranche. 

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Globalisierung, Arbeit, Arbeitszeit

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