04.06.2015 | Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung

Atypisch Beschäftigte bleiben oft außen vor

Standards, die für reguläre Arbeitnehmer normal sind, gelten laut Studie für Leiharbeiter und Co. oft nicht.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In den meisten Unternehmen spielen Arbeitsschutz und Gesundheitsthemen eine große Rolle – doch nicht für alle Mitarbeiter gleichermaßen, wie eine Studie zeigt. Demnach fallen viele atypisch Beschäftigte aus den Maßnahmen heraus – etwa Leiharbeiter, für die sich niemand zuständig fühlt.

Themen aus den Bereichen Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung und -management treibt viele Unternehmen um. Das hat unlängst der Ifaa-Trendbarometer bestätigt. In der aktuellen Befragung nannten die 329 befragten Unternehmensvertreter das betriebliche Gesundheitsmanagement im allgemeinen und spezielle Maßnahmen wie eine ergonomische Arbeitsgestaltung und eine arbeitsbezogene psychische Belastung als wichtige Themen.

Kurze Einsatzzeiten, kaum Routineunterweisungen

Dass solche Maßnahmen jedoch nicht für alle Mitarbeiter gleichermaßen gelten, hat nun eine neue Studie ergeben. Bei atypisch Beschäftigten wie Leiharbeitern, Minijobbern oder Werkvertragsbeschäftigten gebe es gravierende Defizite. Das schließen die Soziologen von den Universitäten Trier und Jena aus Befragungsdaten und Fallstudien, in die auch Ergebnisse eines Projekts eingeflossen sind, die die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung gefördert hat.

Rechtlich sind Leiharbeiter, Minijobber oder Werkvertragsbeschäftigte beim Arbeitsschutz zwar den regulären Arbeitnehmern weitgehend gleichgestellt. In der Praxis ergäben sich aber erhebliche Schwierigkeiten, so die Wissenschaftler in ihrer Analyse: So seien atypisch Beschäftigte aufgrund kurzer Einsatzzeiten oft von Arbeitsschutzroutinen wie regelmäßigen Unterweisungen ausgeschlossen. Zudem gebe es Mängel bei der Betreuung durch Sicherheitsfachkräfte und Betriebsärzte.

Leiharbeiter:  Weder Ver- noch Entleiher fühlen sich zuständig

Ihre Analyse zum Zusammenhang zwischen Beschäftigungsform und Gesundheitsschutz stützen die Forscher auf Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Demzufolge sinken die Standards mit wachsendem Abstand zum Normalarbeitsverhältnis.

So geben von den Befragten mit unbefristetem Vollzeitjob 57 Prozent an, dass ihr Betrieb Gefährdungsbeurteilungen durchführt, 58 Prozent berichten darüber hinaus von Gesundheitsförderung. Bei Teilzeit- oder befristet Beschäftigten sind es jeweils 43 Prozent. Bei den Leihabeitern profitieren jedoch nur 47 Prozent von Gefährdungsbeurteilungen und nur 29 Prozent von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung.

Dass gerade die Gruppe der Leiharbeiter noch wenig in Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung integriert sind, führen die Autoren darauf zurück, dass bei der Leiharbeit Ver- und Entleiher gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit der Mitarbeiter tragen und sich daher in vielen Fällen niemand dafür zuständig fühle.

Kaum Kontrollen bei Werkverträgen

Ihre These können die Wissenschaftler auch mit den Ergebnissen zweier Branchenfallstudien – in der Fleischverarbeitungsindustrie und in der häuslichen Pflege – untermauern, die sie zum gleichen Thema durchführten.

Auf Schlachthöfen etwa, so ein Ergebnis der Studien, sei nur jeder Zehnte regulär beschäftigt – die meisten per Werkvertrag. Gemäß der Logik von Werkverträgen seien die Dienstleister für Personalplanung und Arbeitsschutz der dort eingesetzten atypischen Beschäftigten zuständig. Kontrollen durch die Einsatzunternehmen fänden jedoch nicht statt und Unfälle würden nicht erfasst, schreiben die Autoren.

Schlagworte zum Thema:  Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung, Gesundheitsmanagement

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