Bild: Jobfeed

Was die Arbeitsmarktexperten freut, beängstigt manchen Personaler: Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt geht weiter und erschwert damit das Recruiting – gerade in Engpass-Berufen. Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft raten, beim Recruiting umzudenken.

Die Fachkräftesituation ist zwar regional und von Beruf zu Beruf unterschiedlich, doch mittlerweile werden die Hälfte aller Stellen in Engpass-Berufen ausgeschrieben. Das zeigt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Als besonders angespannt werteten die Autoren die Lage in Süddeutschland, aber auch in Ostdeutschland sehen sie eine Zuspitzung. Um gegenzusteuern, sollten die Unternehmen ihre Stellen verstärkt überregional ausschreiben.

Ein Blick auf den Online-Stellenmarkt, den Textkernel mithilfe der Plattform Jobfeed untersucht hat, zeigt ebenfalls, dass es sich lohnen könnte, stärker überregional zu rekrutieren. Denn die meisten neuen Online-Stellenanzeigen konzentrieren sich auf drei Bundesländer: Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen – wobei im Vergleich zu 2016 Baden-Württemberg 1,1 Prozent Prozent an Marktanteilen verloren und Nordrhein-Westfalen 1,6 Prozent dazu gewonnen haben (siehe Infografik oben).

Insgesamt mehr Online-Stellenanzeigen

Im Vergleich zum ersten Quartal 2016 waren laut der Analyse im ersten Quartal dieses Jahres 500.000 Stellenanzeigen mehr ausgeschrieben. Insgesamt wurden im Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis zum 31. März 2017 fünf Millionen Stellenanzeigen veröffentlicht. Entfernt man Stellenanzeigen für Nebenjobs, Praktika, freiberufliche Tätigkeiten und Volontariate bleiben 4,7 Millionen Stellenanzeigen übrig. Nach einer Deduplikation der Jobangebote liegt die Anzahl bei 2,2 Millionen, so das Ergebnis von Textkernel.

Vier Arbeitgeber haben den Löwenanteil an Stellen ausgeschrieben: Lidl (mehr als 13.000), Robert Bosch (mehr als 13.000), Daimler (mehr als 10.000) und die Rewe Group (mehr als 9.000). Durchschnittlich wird jede Stellenanzeige in 2,1 verschiedenen Quellen veröffentlicht. Zumeist seien dies die Karriereseite des Unternehmens und ein ausgewähltes Jobportal, so die Studienautoren.

IW-Empfehlungen für Recruiter

Neben mehr überregionalen Stellenanzeigen nennt das IW weitere Empfehlungen, um in Engpass-Berufen erfolgreich zu rekrutieren. So könnten Unternehmen neues Personal auch bei der Wohnungssuche und bei der Integration in den Alltag unterstützen und Mentoren bereitstellen, die Neueinsteiger aus anderen Regionen begleiten. Auch sollten die Betriebe über Wege nachdenken, junge Leute und Arbeitslose zu mehr Mobilität zu bewegen - etwa durch Wohnangebote für Lehrlinge am Ausbildungsort. Auch bei der Weiterqualifizierung könnten die Betriebe stärker selbst aktiv werden und so die Fachkräftesicherung für den eigenen Bedarf vorantreiben.

Tipp:  Lesen Sie hier, welche zehn Fehler Recruitern keinesfalls passieren sollten und warum Recruiter Quereinsteigern mehr Chancen geben sollten. Alle weiteren aktuellen News zum Thema Recruiting finden Sie auf der Themenseite.

Schlagworte zum Thema:  Arbeitsmarkt, Recruiting, Stellenanzeige

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