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Anstieg der Arbeitslosigkeit für 2016 erwartet

Noch ist die Arbeitsmarktlage sehr positiv - das könnte sich in diesem Jahr aber ändern.
Bild: Bundesagentur für Arbeit / www.arbeitsagentur.de

Im Jahr 2015 hat sich der deutsche Arbeitsmarkt in Top-Form gezeigt. Wenngleich die jüngsten Daten vorerst auf eine Fortsetzung der Entwicklung hindeuten, wird in diesem Jahr mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet.

Der deutsche Arbeitsmarkt präsentierte sich im Jahr 2015 in ausgezeichneter Verfassung. Im abgelaufenen Jahr gab es so viele Erwerbstätige wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Fast 43 Millionen Menschen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik waren im Jahresschnitt erwerbstätig, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Zahl lag mit 324.000 oder 0,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Jahr 2015 durchschnittlich 2,795 Millionen Menschen arbeitslos – 104.000 weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank um 0,3 Punkte auf 6,4 Prozent. Auch die Nachfrage nach Beschäftigten befand sich Ende 2015 auf einem Rekordniveau. So gab es in deutschen Betrieben und Behörden so viele freie Stellen wie selten zuvor.

Anstieg der Dezember-Arbeitslosigkeit saisonal bedingt

Zu Winterbeginn ist die Zahl der Arbeitslosen wie jahreszeitlich üblich leicht gestiegen. Dieser Anstieg der Dezember-Arbeitslosigkeit ist Experten zufolge auf saisonale Gründe zurückzuführen. Saisonkräfte in der Gastronomie, der Landwirtschaft, in Gärtnereien und dem Landschaftsbau verlieren in der kalten und dunklen Jahreszeit häufig ihre Stelle. Der milde Dezember habe aber verhindert, dass der Anstieg höher ausfiel.
„Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt hält auch zum Jahresende an: Die Arbeitslosigkeit ist im Dezember allein aus jahreszeitlichen Gründen gestiegen. Arbeitskräftenachfrage und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung entwickeln sich weiter positiv“, sagt Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit.

Anstieg der Arbeitslosigkeit durch Flüchtlingseffekt

Trotz hervorragender Ausgangslage rechnen Ökonomen für 2016 mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dieser gehe ausschließlich auf das Konto des Flüchtlingseffekts, so die Fachleute. Die Prognosen gehen dabei weit auseinander. Der Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld rechnet leidglich mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen um 40.000 im Jahresschnitt. Dr. Stefan Kipar, Konjunkturexperte der Bayern LB, geht wiederum von rund 100.000 mehr Erwerbslosen aus. „Ich glaube, dass der Flüchtlingseffekt bereits zur Jahresmitte 2016 durchschlägt. Trotzdem wird der Effekt nicht allzu groß sein.“

Deutscher Arbeitsmarkt weiter robust

Die jüngsten Daten zur Arbeitskräfte-Nachfrage deuten einstweilen auf eine Fortsetzung der guten Entwicklung hin. So wird auch 2016 ein Anstieg der Erwerbstätigenzahlen erwartet. „Wenn ich mir die fundamentale Lage anschaue, ist der Arbeitsmarkt weiterhin in einer guten Verfassung“, sagt Heiko Peters, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank. Ohne den Flüchtlingseffekt würde die Erwerbslosigkeit 2016 wohl erneut sinken.

Betreuung von Flüchtlingen als Jobmotor

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit erweist sich momentan die personalintensive Betreuung von Flüchtlingen als Jobmotor. Die Arbeitsagenturen verzeichneten eine starke Nachfrage nach Wach- und Sicherheitspersonal, sozialen Fachkräften und Verwaltungsmitarbeitern – dieser Zuwachs wird auf den hohen Bedarf an Arbeitskräften im Rahmen des Flüchtlingsmanagements zurückgeführt.

Deutsche Mittelständler mehrheitlich zuversichtlich

Einer Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) zufolge gehen die deutschen Mittelständler mehrheitlich mit Zuversicht ins Jahr 2016. 62 Prozent der Unternehmer erwarten einen anhaltenden Aufschwung, während 38 Prozent die Bundesrepublik auf dem Weg in eine Rezession sehen. Große Sorgen bereitet nach wie vor der Fachkräftemangel, so Verbandspräsident Mario Ohoven. 87 Prozent gaben an, offene Stellen nur schwierig besetzen zu können. 35 Prozent der befragten Unternehmen mussten mangels Mitarbeitern bereits Aufträge ablehnen. An der Umfrage beteiligten sich rund 2400 Unternehmer aller Branchen und Regionen.

dpa/Haufe Online Redaktion

Arbeitsmarkt, Arbeitslose, Flüchtlinge, Beschäftigung, Fachkräftemangel