| Anonyme Bewerbung

Vor allem Frauen profitieren davon

Frauen profitieren von anonymen Bewerbungen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Insgesamt fällt das Fazit zum Pilotprojekt „Anonyme Bewerbungen“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, wie berichtet, positiv aus. Nähere Detailauswertungen zeigen, dass vor allem Frauen besonders von diesem Verfahren profitieren können.

"Unser Pilotprojekt hat gezeigt, dass anonymisierte Bewerbungen den Fokus auf die Qualifikation der Bewerbenden lenken und dabei gut umsetzbar sind", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders bei der Präsentation der Studienergebnisse. "Alle Bewerbenden hatten innerhalb des Verfahrens die gleiche Chance auf eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch – unabhängig davon, ob sie potentiell von Diskriminierung betroffen sind oder nicht."

Entscheidend sei dabei die Qualifikation der Bewerbenden gewesen, nicht ihr Aussehen, Geschlecht oder die Herkunft, so Lüders. Das zeige die wissenschaftliche Auswertung des Projekts durch das Institut zur Zukunft der Arbeit und durch die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt an der Europa-Universität Viadrinain Frankfurt/Oder.

 

Auch Migranten haben bessere Chancen

Im Vergleich mit klassischen Bewerbungsverfahren gibt es Anzeichen dafür, dass Frauen von anonymisierten Bewerbungsverfahren besonders profitieren könnten, sagte Lüders weiter. Das gelte etwa für jüngere Frauen, die bereits Berufserfahrung haben und zum Beispiel wegen eines möglichen Kinderwunsches bislang schlechtere Chancen hatten. Für Bewerbende mit Migrationshintergrund gilt: Hatten sie zuvor geringere Chancen auf eine Einladung, haben sich diese nach der Einführung anonymisierter Bewerbungsverfahren verbessert.

 

Einhellige Meinung: Umsetzung durchaus praktikabel

Auch die Einschätzung vieler Personalverantwortlicher im Pilotprojekt fiel positiv aus. Das Fehlen persönlicher Angaben in den Bewerbungsunterlagen wie Name, Geschlecht, Alter und Familienstand stellte für die Mehrheit der Personalverantwortlichen kein Problem dar, sagte Lüders. Viele Beteiligte hätten positiv angemerkt, dass die Einführung anonymisierter Bewerbungsverfahren eine Diskussion der bisherigen Rekrutierungspraxis in der entsprechenden Organisation angeregt habe.

Bewerbende kommen ebenso gut mit dem neuen Verfahren zurecht. 75 Prozent der Befragten gaben an, dass sie für die anonymisierte Bewerbung weniger Zeit benötigten als in herkömmlichen Verfahren oder dass es keinen Unterschied für sie mache, mit welchem Verfahren sie sich bewerben.

Mehrere der beteiligten Partner wollen nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes auch in Zukunft mit Teil- oder Voll-Anonymisierungen arbeiten. Darüber hinaus planen die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz weitere Pilotprojekte, auch mehrere Unternehmen und Kommunen haben ihr Interesse an dem Verfahren angemeldet.

Schlagworte zum Thema:  Bewerbung, Bewerbungsunterlagen

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