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23.06.2014 | Top-Thema Active Sourcing

Rechtliche Fallstricke bei der Kandidatenansprache

Kapitel
Um beim Active Sourcing nicht über die rechtlichen Fallstricke stolpern, sind die Regeln der Ansprache zu beachten.
Bild: Michael Bamberger

Neue Mitarbeiter bei  der Konkurrenz beispielsweise über soziale Netzwerke ansprechen und für sich gewinnen – dagegen ist im Grundsatz rechtlich nichts einzuwenden. Bei der Ansprache sind allerdings wichtige Regeln zu beachten.

Rechtlich spricht nichts dagegen, wenn Unternehmen mögliche Kandidaten ansprechen, ihnen ein Stellenangebot unterbreiten und für ihr eigenes Unternehmen werben – solange andere Firmen nicht eingeschränkt oder benachteiligt werden: „Verfolgen Unternehmen bei der Ansprache einen verwerflichen Zweck oder setzen sie verwerfliche Mittel oder Methoden ein, dann stellt sich der Abwerbeversuch als wettbewerbswidrig dar“, erklärt Dr. Carsten Ulbricht im Interview mit dem Personalmagazin.

Der Partner bei der Kanzlei Diem & Partner nennt dazu das Beispiel des Wettbewerbsverbots, also wenn etwa Mitarbeiter und Arbeitgeber vereinbaren, dass der Arbeitnehmer sechs Monate nach dem Verlassen des Unternehmens nicht im gleichen geschäftlichen Umfeld arbeiten darf. „Tragen Recruiter dem Kandidaten nun an, das Verbot zu ignorieren und die Nachteile zu kompensieren, die aus diesem Verbot entstehen, so wäre das eindeutig unzulässig“, sagt der Rechtsanwalt. Übers Ziel hinaus schießen Unternehmen auch, wenn sie mit der Abwerbung andere Betriebe primär ausbeuten oder behindern wollen. Letztlich sollte also darauf geachtet werden, nicht zu penetrant vorzugehen, den privaten Bereich von Personen zu meiden und die Regeln der Ansprache zu beachten.

Ob Xing oder Facebook: Wichtig ist der Inhalt der Abwerbung

Über welches Netzwerk die Ansprache erfolgt, bleibt dem Unternehmen überlassen. Solange der Hintergrund – nämlich die Abwerbung – rein geschäftlich bleibt, ist es wettbewerbsrechtlich gleichgültig, ob Unternehmen die Kandidaten beispielsweise über ihren Xing- oder ihren Facebook-Account ansprechen. „Es gelten die genannten Grenzen, soweit die Intention rein geschäftlich ist“, erklärt Ulbricht.

Bei Verstoß drohen Abmahnung und Unterlassung

Die Folge einer unzulässigen Ansprache ist meist ein Unterlassungsanspruch: „Üblicherweise wird dabei das abwerbende Unternehmen zunächst abgemahnt und aufgefordert, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben sowie bei einem Verstoß dagegen eine Vertragsstrafe zu bezahlen“, erläutert Ulbricht.

Bei einem unrechtsmäßigen Verhalten müsse das abwerbende Unternehmen zudem die bis dahin angefallenen Anwaltskosten von 1.000 bis 2.000 Euro übernehmen. Zusätzliche Kosten können entstehen, sofern das abwerbende Unternehmen die Unterlassungserklärung nicht unterschreibt und es zu einem gerichtlichen Verfahren kommt.

Dienstleister sorgfältig auswählen

Haften müssen Unternehmen auch für Verfehlungen von Headhuntern: „Was Mitarbeiter oder beauftragte Dienstleister tun, müssen sich Unternehmen zurechnen lassen“, sagt der Rechtsanwalt. Verstößt ein Headhunter gegen die Regeln des Abwerbens, so haftet das auftraggebende Unternehmen dafür. Es gilt also, auf  die Auswahl des richtigen Headhunters zu achten.

Hinweis: Das gesamte Interview können sie hier im Personalmagazin, Ausgabe 10/2013, nachlesen.

Haufe Online Redaktion

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