| 2. Deutscher Diversity-Tag

Wie viel Vielfalt in den Unternehmen wirklich herrscht

Beim 1. Deutschen Diversity-Tag diskutierten die Teilnehmer über die stärkere Verankerung von Vielfalt in der Wirtschaft.
Bild: Charta der Vielfalt

Auf Initiative der Charta der Vielfalt begehen am 3. Juni 2014 über 300 Unternehmen und Institutionen den 2. Deutschen Diversity-Tag. Ein guter Anlass, um Bilanz zu ziehen: Inwiefern ist die Vielfalt in den Unternehmen heute ein Grund zum Feiern?

Der 2. Deutsche Diversity-Tag will dafür sensibilisieren, dass gesellschaftliche Megatrends wie der demografische Wandel und der damit in Zusammenhang stehende Fachkräftemangel die Arbeitswelt stark verändern werden. Bis zu 600 Aktionen sind an diesem Tag geplant – darunter Flashmobs, Kurzfilme, Ausstellungen, Webinare, Info-Tage und Foto-Aktionen. In den sozialen Medien kann man dem Hashtag #ddt14 folgen. Damit ist die Beteiligung am bundesweiten Aktionstag nach Angaben der Veranstalter innerhalb eines Jahres um mehr als 50 Prozent gestiegen – ein Beleg für die zunehmende Bedeutung von Vielfalt in Wirtschaft und Gesellschaft.

Mehr als 1.800 Mitglieder beim Charta der Vielfalt e.V.

Das haben die Mitglieder der Charta der Vielfalt natürlich erkannt: „Der demografische Wandel wirkt sich zunehmend auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland aus, was bei Unternehmen in den vergangenen Jahren sichtbar zu einem  Umdenken geführt hat“, erklärt Jessica Jung, Director Corporate Social Responsibility, Communications and Public Affairs bei Bombardier Transportation GmbH. „Neben Bombardier Transportation haben inzwischen 1.800 Unternehmen und Organisationen in Deutschland die Charta der Vielfalt unterschrieben und somit ein klares Bekenntnis zur Förderung von Diversity unter den Beschäftigten gegeben. Dies zeigt, dass wir in Deutschland angesichts der Globalisierung und ihren Herausforderungen auf dem richtigen Weg sind.“

Diversity in der Praxis: Bisher nur Note „ausreichend“

Allerdings hat sich diese Einstellung noch nicht in allen Unternehmen durchgesetzt, wie Martina Eggler, Vice President Global Strategic Accounts beim Mitgliedsuntenehmen Carlson Wagonlit Travel, bestätigt: „Leider fehlt mir im Bereich Diversity bislang der „Drive“. In den meisten Unternehmen gehen die Diversity-Initiativen nur langsam voran und sollten dringend Fahrt aufnehmen.“ Sie vergibt deswegen nur ein „ausreichend“ als Schulnote für die derzeitige Diversity-Arbeit in den Unternehmen. Ein großes Handlungsfeld sieht Eggler in der Förderung der Frauen: „Ich bin persönlich keine Befürworterin einer Quotenregelung, aber der Anteil von Frauen in der Geschäftsleitung von Unternehmen muss sich deutlich erhöhen.“

Vor allem Recruiter müssen die Vielfalt leben

Auch Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, vergibt nur die Note „4+“ an die Unternehmen. Ihres Erachtens sei es zwar ausreichend, was viele deutsche Unternehmen im Bereich Diversity unternähmen, aber befriedigend oder gar gut sei es noch lange nicht. „Zwar erkennen mehr und mehr Arbeitgeber den Vorteil von Vielfalt – insbesondere die mittelgroßen und großen Unternehmen“, erklärt Lüders. „Doch in der Breite sehe ich Nachholbedarf.“ Es müssten noch viel mehr Unternehmen in Zukunft auf eine diskriminierungsfreie Bewerberauswahl setzen – aus eigenem Interesse, wie sie erläutert: „Niemand kann es sich mehr leisten, in Zeiten des Fachkräftemangels Bewerbende auszuschließen.“ Sie empfiehlt, dafür anonymisierte Bewerbungsverfahren einzusetzen und ergänzt: „Diversity fängt schon bei den Menschen an, die Personal rekrutieren. Wer hier auf Vielfalt im Team setzt, der wird auch mehr Vielfalt in der gesamten Belegschaft bekommen.“

Appell: Diversity Management in die Unternehmensstrategie integrieren

Die Geschäftsführerin der Charta der Vielfalt, Aletta Gräfin von Hardenberg, sieht den bisherigen Erfolg ihres Vereins sehr positiv. Aber auch sie kennt die Schwachpunkte in den Unternehmen: „Diskussionen und Maßnahmen drehen sich aus meiner Sicht zu sehr um einzelne Dimensionen, wie zum Beispiel Frauen und Integration, anstatt Diversity als ein Kultur-Thema in der Organisation ganzheitlich zu betrachten.“ Ihr Appell: „Diversity Management ist ein Prozess und kein Projekt, es sollte in der Unternehmensstrategie, wie bei allen Change-Projekten, immer mit beachtet werden. Ich würde mir wünschen, dass Diversity Management Teil jeder Organisationsstrategie ist, und nicht nur als reines HR-Thema gesehen wird. Diversity Management betrifft das Kundengeschäft und die Produktentwicklung ebenso wie die Personalentscheidungen.“

Weiteres Vorgehen in drei Schritten

Auch Heiko Hutmacher, Vorstandsmitglied der Metro Group, macht sich für eine ganzheitlichere Denkweise stark: „Die Situation in Deutschland ist grundsätzlich befriedigend, bietet aber deutliches Potenzial für Verbesserungen. Es gibt oftmals noch einen starken Fokus auf geschlechtliche Gleichberechtigung und keine ganzheitliche Betrachtung von Vielfalt in allen Dimensionen. Auch die Verankerung des Diversity-Gedankens in der Unternehmenskultur schreitet voran, hat aber noch einen weiten Weg vor sich.“ Um diesen Weg zu beschreiten, empfhielt Hutmacher in drei Schritten vorzugehen: „Wir müssen ein Verständnis dafür schaffen, dass es nicht um verschiedene Gruppen geht, sondern um jeden Einzelnen mit seiner individuellen und einzigartigen Vielfalt. Zweitens sollten wir stärker daran arbeiten, Diversity mit dem operativen Geschäft zu verknüpfen: Wie trägt eine vielfältige Belegschaft dazu bei, innovativere Produkte und Prozesse zu entwickeln? Welche Ertragspotenziale stecken in gelebter Vielfalt? Mit diesen Erkenntnissen schaffen wir die Voraussetzungen dafür, um drittens, den Diversity-Gedanken als Managementkonzept zu integrieren und nachhaltig in der Unternehmenskultur zu verankern.“

Das Personalmagazin hat zum Anlass des 2. Deutschen Diversity-Tags Mitglieder des Charta der Vielfalt e. V. dazu befragt, wie sie den Stand der Dinge im Diversity Management beurteilen. Die ausführlichen Antworten lesen Sie in der Bilderstrecke.

Hier geht's zur Bilderserie "Statements zum 2. Deutscher Diversity-Tag"

Schlagworte zum Thema:  Diversity Management, Recruiting, Fachkräftemangel

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