Zeitkonten richtig gestalten / 4.4 Empfehlungen für Langzeit- und Lebensarbeitszeitkonten

Allgemeine Empfehlungen für die Gestaltung von Lebensarbeitszeitkonten sind weitaus schwieriger als etwa Empfehlungen für Zeitkonten für den fortlaufenden Zeitausgleich: Hängt die Ausgestaltung von Wertguthabenkonten doch in besonderem Maße von einer Analyse der betrieblichen und persönlichen Rahmenbedingungen ab, nicht zuletzt von den Erwartungen hinsichtlich Auftrags- und Beschäftigungslage im Zeitpunkt der geplanten Entnahme(n). Vor diesem Hintergrund sind die nachstehend abgegebenen Empfehlungen eher als "Eckwerte" zu verstehen, die im Einzelfall modifiziert werden müssen:

  • Wertguthaben sollten nur für unbefristet beschäftigte Mitarbeiter/innen gebildet werden.
  • Wertguthaben sollten insbesondere der Ermöglichung von Freistellungen vor dem Übergang in die gesetzliche Rente dienen; dabei sollte die Option eines gleitenden Übergangs (sukzessive Verringerung der Arbeitszeit, die durch Einsatz des Wertguthabens vergütungsmäßig kompensiert wird) nicht ausgeschlossen sein. Für sonstige Freistellungen (Urlaubsverlängerung etc.) sind häufig keine Wertguthabenregelungen erforderlich.
  • Soweit Einlagen aus zeitlichen Mehrleistungen oberhalb der Vertragsarbeitszeit überhaupt zulässig sein sollten, sollten diese vorab (!) budgetiert werden und nicht etwa aus bestehenden (Kurzzeit-)Zeitkonten "überlaufen", um die fortlaufende Arbeitszeitsteuerung nicht zu beeinträchtigen. Sofern "Rückwirkungen" auf das betriebliche Arbeitszeitsystem aufgrund der Führung von Langzeit- und Lebensarbeitszeitkonten ausgeschlossen sein sollen, sollten ausschließlich Entgeltumwandlungen zulässig sein.
  • Einlagen aus (Rest-)Urlaub sollten nur zulässig sein, wenn sichergestellt ist, dass der Erholungswert des verbleibenden Urlaubs ausreichend ist.
  • Soweit Einlagen aus Entgeltbestandteilen zulässig sind, sollten dafür Mindestumfänge geregelt werden, um überhöhten Verwaltungsaufwand für Bagatelleinlagen zu vermeiden.
  • Der Arbeitnehmer sollte die Möglichkeit haben, das zeitliche Freistellungsvolumen durch (bis auf 70 % des Entgelts im letzten Jahre der Ansparphase zulässige) Reduzierung des laufenden Entgelts zu "strecken", wobei dies seitens des Arbeitnehmers so rechtzeitig anzukündigen ist, dass die betriebliche Personalplanung darauf reagieren kann.
  • Die Führung und Verwaltung von Wertguthaben sollte weitest möglich durch einen externen Dienstleister erfolgen.
  • Es sollte eine vollständige Insolvenzsicherung der Wertguthaben erfolgen. In der Praxis haben sich diesbezüglich vor allem Sicherungsmodelle auf Basis einer sicherungstreuhänderischen Verwaltung der Wertguthaben herausgebildet.
  • Wertguthaben sollten in Kapitalanlagen mit "Geld-zurück-Garantie" angelegt werden, um den Bestand des Wertguthabens zu sichern.
  • Der Erfolg der Kapitalanlage (ggf. nach Abzug von Verwaltungskosten) sollte dem Wertguthaben zu Gute kommen.
  • Es sollten Regelungen zu Kündigungsfristen und Nachwirkung im Fall der Kündigung getroffen werden.

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