Zeitkonten richtig gestalten / 3.6 Sofortverfallkonto

In der betrieblichen Praxis mangelt es Ampelkonten trotz ausgefeilter formaler Steuerungsregelungen nicht selten an effektiver Steuerung. Insbesondere wird beim Übergang in die Rotphase oftmals nicht konsequent auf eine verbindliche Rücksteuerung des Zeitkontos "umgeschaltet".

Insbesondere in Arbeitsbereichen mit weiten zeitlichen und inhaltlichen Gestaltungsspielräumen der Arbeitnehmer kommt als Alternative zum Ampelkonto das sogenannte Sofortverfallkonto infrage. Der Grundgedanke dieser Kontenalternative liegt in der noch weitgehenderen Übertragung der Steuerungsverantwortung auf den Arbeitnehmer – einschließlich des Risikos von Fehlsteuerungen beim Aufbau von Zeitsalden, deren Konsequenzen der Arbeitnehmer infolge des Verfalls von Zeitsalden, die die festgelegte Bandbreite des Zeitkontos überschreiten. Im Minusbereich verfallen Salden außerhalb der Bandbreite des Zeitkontos dagegen zulasten des Arbeitgebers. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass die betrieblichen Regelungen innerhalb der Bandbreite des Zeitkontos auch steuernde Eingriffe des Arbeitgebers vorsehen. Ein Saldenverfall im Plusbereich muss aber zwingend daran geknüpft sein, dass der Arbeitnehmer die Möglichkeit hatte, diesen Verfall im Rahmen eigenverantwortlicher Arbeitszeitgestaltung zu vermeiden. Denn die Vereinbarung einer Verfalls- oder Kappungsregelung ist gegenüber dem einzelnen Arbeitnehmer arbeitsrechtlich nur dann wirksam, wenn es sich dabei um die Begrenzung persönlicher Arbeitszeitflexibilisierung handelt. Disponiert der Arbeitgeber dagegen – ausdrücklich oder stillschweigend – die Arbeitszeit des Arbeitnehmers, so dürfen Überschreitungen der Zeitkontenbandbreite nicht zulasten des Arbeitnehmers gehen.

Abbildung 3 zeigt das Prinzip anhand eines Beispiels. Es sieht den Verfall der über die zulässige Bandbreite des Zeitkontos hinausgehenden Zeitsalden im Plus- und Minusbereich vor. Im Unterschied zur "klassischen" Gleitzeitkappung findet die Kappung dabei arbeitstäglich statt und nicht erst zu festgelegten Stichtagen (z. B. Monatsende). Damit wird der Charakter des Zeitkontos als einer definierten Flexibilitätsbandbreite unterstützt: Auch vorübergehende Überschreitungen der Flexibilitätsbandbreite sind nicht möglich. Damit wird die drohende Kappung zugleich wichtiger Indikator für die (verstärkte) Wahrnehmung der Führungsaufgabe: Während in klassischen Gleitzeitregelungen eine Kappung meist "Schicksal" des einzelnen Arbeitnehmers ist, werden effektive Kappungen im Sofortverfallkonto als "Störmeldung" verarbeitet und lösen etwa die Beratung eines paritätisch besetzten Begleitgremiums aus, das etwa die Aufgabenverteilung im Team oder die Kapazitätssituation vor dem Hintergrund der zu erledigenden Aufgaben prüft.

Abbildung 3: Zeitkonto mit Sofortverfall überschießender Salden

Quelle: Arbeitszeitberatung Hermann/Kutscher/Weidinger

Zugleich ist sicherzustellen, dass der Arbeitnehmer nicht für Planungsfehler der Führungskraft oder andere betriebliche Probleme oder Engpässe geradestehen muss. Vielmehr muss er den Verfall von Plusstunden abwenden können. Dem dient in aller Regel der schriftlich fixierte Anspruch jedes Mitarbeiters, mit seiner Führungskraft jederzeit ein sogenanntes Entlastungsgespräch führen zu können. In diesem Gespräch müssen im Fall einer vom Mitarbeiter gemeldeten Überlastsituation die in Abbildung 4 aufgeführten Fragen abgearbeitet werden. Diese Fragen eignen sich übrigens auch zur Klärung und Behebung der Ursachen von gelb- oder rotphasigen Zeitsalden im Ampelkonto oder Zeitbudgetkonto. Sie werden zum unverzichtbaren Regelungselement, wenn man sich für Vertrauensarbeitszeit entscheidet. Im (eher seltenen) Fall eines drohenden Verfalls von Minusstunden zu Lasten des Arbeitgebers hat die Führungskraft die Möglichkeit, dem betreffenden Mitarbeiter zusätzliche Aufgaben zu übertragen.

Abbildung 4: Fragen zur Arbeitsentlastung

Quelle: Arbeitszeitberatung Hermann/Kutscher/Weidinger

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