Zeitkonten richtig gestalten / 1.1 Begriff des Zeitkontos

Eine allgemeinverbindliche Definition des Begriffs "Zeitkonto" existiert nicht. Die Ausdrücke "Zeitkonto", "Persönliches Zeitkonto", "Arbeitszeitkonto" werden in der tarifvertraglichen und betrieblichen Praxis in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. So wird etwa der Begriff "Arbeitszeitkonto" in vielen betrieblichen Regelungen als Synonym für ein Gleitzeitkonto oder betrieblich gesteuertes Zeitkonto zur Anpassung von Arbeitszeitverbrauch an die jeweilige Auftragslage gebraucht. Im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (§ 10 TVöD) steht dieser Begriff dagegen ausschließlich für eine Art Anspar(zeit)konto des Beschäftigten, das insbesondere aus zeitlichen Leistungen oberhalb der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit oder in Zeitguthaben umgewandelten ("faktorisierten") Zeitzuschlägen gespeist wird. Die Begriffe "Langzeitkonto" und "Lebensarbeitszeitkonto" werden in der Regel für Zeitkontenmodelle gebraucht, in denen Arbeitnehmer Zeitguthaben für die Realisierung längerer Freistellungen ansparen (z. B. über mehrere Wochen oder Monate hinweg oder zur Ermöglichung eines vorgezogenen oder flexiblen Übergangs in den Ruhestand).

Gemeinsam ist allen Zeitkonten, dass sie als Instrument der Saldierung von Differenzen zwischen vertraglich vereinbarter und tatsächlich geleisteter Arbeitszeit fungieren. Positive Differenzen gegenüber der vereinbarten Arbeitszeit werden in der Regel als Zeitguthaben oder Plusstunden bezeichnet; negative Differenzen als Zeitschulden oder Minusstunden. Solche Differenzen ergeben sich insbesondere dann, wenn der tatsächliche Arbeitszeitbedarf ungleichmäßig ist (etwa in Saison- und Kampagnebetrieben oder bei auftragsbezogener Produktion) oder die Personalverfügbarkeit bei gleichbleibendem Arbeitszeitbedarf schwankt (etwa aufgrund von Krankheit oder Urlaub). Auch die ungleichmäßige Verteilung zur Anpassung der Arbeitszeit an den individuellen Arbeitsrhythmus des Arbeitnehmers kann zu Differenzen zwischen vereinbarter und geleisteter Arbeitszeit führen. Schließlich können solche Differenzen auch "künstlich" erzeugt werden: So liegt es etwa, wenn ein Arbeitnehmer im Rahmen einer Langzeitkontenvereinbarung geleistete Mehrarbeit und/oder Teile seines Entgelts als sogenanntes "Wertguthaben" für Zwecke einer Freistellung umwandelt. Derartige Modelle kommen in der Praxis insbesondere im Rahmen von Teilzeitvereinbarungen zur Realisierung persönlicher "Auszeiten" (Sabbatjahr) innerhalb des Arbeitsverhältnisses zur Anwendung.

Arbeitsrechtlicher "Hintergrund" der Zeitkontenführung ist die verstetigte Entgeltzahlung, die nicht von Schwankungen des tatsächlichen Arbeitszeitbedarfs beeinflusst werden soll. Würde sich die Entgeltzahlung ausschließlich am Umfang der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit ausrichten, gäbe es keine Notwendigkeit, Abweichungen von der Vertragsarbeitszeit auf Zeitkonten zu saldieren. Da das regelmäßige Entgelt als Sicherung der Lebensgrundlage nur begrenzt "flexibilisierungstauglich" ist, sind Zeitkonten in der Regel notwendiges Instrument betrieblicher Strategien der Anpassung der Arbeitszeit an den tatsächlichen Arbeitsanfall.

Die Gestaltung und Steuerung von Zeitkonten in der betrieblichen Praxis hängt dabei insbesondere von folgenden Faktoren ab:

  • der zeitlichen Ausgleichsperspektive des Zeitkontos (kurzfristiger vs. langfristiger Zeitausgleich) und
  • den Regeln der Zeitkontensteuerung: Hier geht es insbesondere um die Frage der Verantwortung für die (Rück-)Steuerung von Zeitsalden und die Konsequenzen der Überschreitung vereinbarter Saldengrenzen.

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