Work-Life-Balance als Wettb... / 9 Hemmnisse in der Praxis

Das stärkste Hemmnis für eine Nutzung von Work-Life-Maßnahmen ist die Unternehmenskultur. Traditionelle gesellschaftliche Rollenvorstellungen erschweren es Männern und Vätern oft, ihre Wünsche überhaupt zu artikulieren und Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Wenn im Unternehmen die Vorstellung vorherrscht, familienfreundliche Maßnahmen gälten im Prinzip für alle, letztendlich jedoch nur für Mütter mit Kindern, wird ein Konzept der familienbewussten Arbeitswelt wenig akzeptiert und Familie bleibt das Aufgabengebiet der Frauen. Hinzu kommt, dass als Zielgruppe familienbewusster Maßnahmen häufig explizit Frauen und hier insbesondere die Mütter genannt werden.

Oft gibt es auch ungeschriebene Gesetze, z. B. "ein in Teilzeit arbeitender Mann ist kein ganzer Mann" oder die Männer sagen: "Ich würde gerne täglich verkürzen, aber bei uns wird ab 17 Uhr Karriere gemacht." Von Seiten der Vorgesetzten besteht oft die Ansicht, dass die Mitarbeiter/innen möglichst immer erreichbar sein sollen. Häufig wird davon ausgegangen, dass Karrierepositionen nur von Mitarbeiter/innen besetzt werden können, die Beruf und das Unternehmen über alle anderen Lebensbereiche stellen. Ihr Engagement wird dann nicht nur nach der Qualität der Arbeit bemessen, sondern auch nach der Bereitschaft, unabhängig von Arbeitszeiten und sonstigen Verpflichtungen immer für das Unternehmen dazu sein. Mitarbeiter/innen, die zu einer bestimmten Zeit zu Hause sein müssen, weil die Kinder- (oder Eltern-)betreuung zu Ende ist, haben bei einer solchen impliziten Bewertung von Arbeitsqualitäten keine Chancen für Karrierepositionen.

Nur wenn ein Betrieb – und hier insbesondere die direkten Vorgesetzten - akzeptiert, dass derjenige, der für seine Kinder oder Eltern sorgt, sich mit gleichem Engagement für den Betrieb einsetzen kann, selbst wenn er bestimmte feste Arbeitszeiten einhält oder vorübergehend Elternzeit nimmt, sind echte Vereinbarkeitschancen gegeben, die auch von Männern genutzt werden.

Erst in jüngster Zeit findet allmählich das Verständnis Verbreitung, dass sich Vereinbarkeitsregelungen nicht ausschließlich an Frauen richten sollen sondern gezielt auch Männer bzw. Väter in allen gesellschaftlichen Bereichen ansprechen sollten - ganz im Sinne des von der EU unterstützen Mainstreaming - Ansatzes, nach dem Chancengleichheit in allen Lebensbereichen einfließen soll. Oftmals trägt dazu eine Abwanderung der Fachkräfte (wie z. B. im ärztlichen Dienst) in andere Länder bei, in denen eine umfassende Kinderbetreuung, eine nicht so belastende Arbeitssituation und eine (Vollzeit-)Arbeitsmöglichkeit auch für Frauen selbstverständlich sind.

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