Work-Life-Balance als Wettb... / 5 Situation in den Betrieben

5.1 Patchwork-Erwerbsbiographie: Das Ende der starren Zeit hat begonnen

Die Diskussion um die "Zeit" wird seit einigen Jahren durch eine neue Dimension erweitert. War bisher vor allem die Frage der wöchentlichen Arbeitszeit der Gegenstand des Aushandlungsprozesses zwischen den Sozialpartnern, so tritt in den letzten Jahren vermehrt auch die Frage der Arbeitszeitstrukturen: wann arbeite ich, wie viel und wo sowie nach Jahresarbeitszeit, Lebensarbeitszeit und die damit verbundene Flexibilisierung in den Vordergrund.

Die lebenslange, vollzeitliche Berufsbiographie von Männern und auch teilweise der Frauen, wird durch wirtschaftliche, familiäre Gegebenheiten und aufgrund eigener Bedürfnisse heute zunehmend in Frage gestellt. Der Wunsch nach lebensphasengerechter Arbeitszeit, d. h. Möglichkeit der Änderung der Arbeitszeit im Verlauf der Erwerbsbiographie, z. B. nach familiengerechten Aspekten, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Was früher eindeutig Sache der Sozialpartner war, ist heute zu einem persönlichen Anliegen der Mitarbeiter/innen geworden. Immer stärker prägen sich individuelle Bedürfnisse aus, das eigene Leben so zu gestalten, dass neben dem Beruf noch andere Lebensbereiche und Tätigkeiten ihren Platz haben.

Abb. 3: Veränderte Anforderungen an Familie und Betrieb

Darüber hinaus hat die schwindende Aussicht auf Vollbeschäftigung (mit Vollzeitstellen) das gesellschaftliche Selbstverständnis der Erwerbsarbeit ins Wanken gebracht. Das sog. "Normalarbeitsverhältnis" - d.h. die Vorstellung einer Vollzeitbeschäftigung an fünf Tagen und 35 - 40 Stunden die Woche und über 40 - 45 Jahre hinweg, also die klassische männliche Erwerbsbiographie, gehört immer mehr zur Mythologie der Arbeitsgesellschaft.

Auch der Wandel der Werte, die Forderung nach lebenslangem Lernen, die fortschreitende Individualisierung und nicht zuletzt ein neues Rollenverständnis führen zur Abkehr vom Normalarbeitsverhältnis und zur Erfindung und Gestaltung neuer Lebensentwürfe. Diese Entwicklung betrifft Männer wie Frauen.

Das Bild der Patchwork-Biographie gibt diesen Wandel am eindrücklichsten wider.

Abb. 4: Vom Standard-Erwerbsleben zur Patchwork-Biographie

In die Patchwork-Biographie sind die verschiedenen Lebensbereiche und Lebensaufgaben planvoll oder nach der Zufälligkeit und den Wechselfällen des Lebens "eingestrickt". Im Gegensatz zum linearen Ablaufschema des "Normalarbeiters" sind in der Patchwork-Biographie die einzelnen Lebensbereiche keine abgeschlossenen, sich ausschließenden und zeitlich festgelegten Lebensphasen, sondern sind durchlässig, überlappen und durchdringen sich. Darüber hinaus wird sich die Arbeitsgesellschaft verändern: Die künftigen Berufe werden anspruchsvoller; sie erfordern mehr Wissen und mehr Fähigkeiten. Die einen können mithalten, andere nicht. Die Ausgrenzung derer, die scheinbar nicht "gebraucht" werden, wird zur neuen sozialen Frage des 21. Jahrhunderts. Damals, im 19. Jahrhundert, war es die Ausbeutung derer, die Arbeit hatten, künftig ist es, wie gesagt, die Ausgrenzung derer, die nicht (mehr) arbeiten. Damit sind nicht nur die Arbeitslosen gemeint, sondern auch die Älteren: Ein Drittel der Gesellschaft wird künftig ein Drittel des Lebens jenseits der Erwerbsarbeit leben. Noch nie in der Geschichte gab es so viele so ressourcenstarke (Geld, Zeit, Gesundheit) ältere Menschen, die teilweise nicht nur länger arbeiten müssen, sondern auch wollen. Inzwischen bieten manche Unternehmen die längere Integration der älteren Beschäftigten mit sog. 50 Plus Konzepten und oder vermitteln "ihre" Rentner an ihre Beschäftigten zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie als z. B. "Leih-Omas".

5.2 Die 2-Berufe-Familie

Neben der wachsenden Erwerbsorientierung der Frauen wird ein anhaltender Mangel an Fach- und Führungskräften die Frauenerwerbsbeteiligung auch im betrieblichen Interesse weiterhin forcieren. Die Entwicklung eines modernen Familientyps, die sog. "2-Berufe-Familie" bleibt nicht ohne Einfluss auf die Gestaltung des Erwerbslebens und des Lebensbereiches beider Partner. So ist es für die Unternehmen sinnvoll, nach und nach Personalkonzepte zu entwickeln, die diesen Anforderungen entsprechen und sich in einer sog. "lebensphasenorientierten Personalpolitik" widerspiegeln. Inzwischen bieten viele Unternehmen betriebliche Förderprogrammen und Vereinbarkeitsangebote für Frauen an, wie etwa Teilzeitarbeit, Freistellungen, Kinderbetreuung, etc., um die Doppelbelastung zu mindern.

Durch diese grundlegenden gesellschaftlichen Bewegungen sind Familie und Erwerbsarbeit in ein Spannungsfeld geraten, das in vielen Fällen nicht mehr allein auf individuelle Weise gelöst werden kann. Dazu kommt die Erkenntnis, dass die beiden Lebensbereiche Familie und Erwerbsleben stark miteinander verflochten sind. Erfolg oder Misserfolg in einem Lebensbereich tangieren ganz wesentlich auch das Geschehen im anderen.

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