Work-Life-Balance als Wettb... / 13 Umsetzungsinstrumente

In den letzten Jahren wurden Wettbewerbe, Prädikate, Audits in den verschiedensten Wirtschaftsbereichen weltweit entwickelt und auf breiter Ebene umgesetzt, um beste Praktiken, Innovationen, Leistungen usw. auszuzeichnen, zu zertifizieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Beispiel Öko-Audit zeigt deutlich, dass ein spezielles Thema durch eine Audit-Kampagne innerhalb kurzer Zeit europaweit großen Einfluss auf das Verhalten von Unternehmen ausüben kann – und zwar nicht durch Druck, sondern durch Schaffung von Anreizen.

Durch die Umsetzung des European Quality Awards (EQA) und vergleichbarer Systeme, wie etwa dem amerikanischen Malcom Baldrige Award, dem japanischen Demming Price, dem Öko-Audit, audit berufundfamilie etc. wird Total Quality Management – TQM – jetzt einen großen Schritt vorangetrieben.

13.1 Auditierung im Human Resource Management

In Deutschland haben sich zahlreiche Unternehmen darum bemüht, die strengen Normen der ISO 9000 ff. zu erfüllen, die Ansprüche an die optimale Organisation von Arbeitsabläufen und -inhalten in den Vordergrund stellen - der Mensch und seine Fähigkeiten, Kriterien wie Effizienz des Managements, etc. rücken in den Hintergrund.

Gerade die Bedeutung der sogenannten "soft facts" aber wird auf immer breiterer Ebene erkannt, so dass in einigen europäischen Ländern erste Schritte und Wettbewerbe z. B. zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie und/oder Chancengleichheit entwickelt wurden und in der Umsetzung weit fortgeschritten sind.

Mit Hilfe der verschiedenen Ansätze für Audits, Wettbewerbe etc. können sich Unternehmen messen und so lernen, sich selbst objektiv einzuschätzen. Der Vergleich mit anderen Unternehmen ermöglicht vor allem, die Effektivität eigener Maßnahmen zu überprüfen. In diesem Prozess werden aber nicht nur Schwächen aufgedeckt, sondern auch Maßnahmen entwickelt, um sie abzustellen. Dem Management wird eine Hilfestellung gegeben, über seinen "Tellerrand" zu schauen.

Ziel ist es, die Schwachstellen zu finden, die anzupacken sich lohnt. Man braucht Modell und Maßsystem zugleich, das den Vergleich mit anderen ermöglicht, das nicht nur den aktuellen Stand misst, sondern auch den Willen des Unternehmens zur Veränderung bewertet.

Die Schlagworte lauten: z. B. Culture Change, employer branding, Restrukturierung, Ausbau der Kommunikations-Infrastruktur und Weiterentwicklung des Personalmanagements, aber auch Beschäftigungssicherung und -förderung bis hin zur Nachhaltigkeit.

Angestrebt wird eine Firmenkultur, bei der neben Produktivität und Umsetzung die Beziehungen zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deren Umfeld verbessert werden und nicht zuletzt kreative Prozesse gefördert werden sollen. Man will weg vom alten System, in dem man gesagt bekommt, was man zu tun und zu lassen hat. Stattdessen werden partnerschaftliche Beziehungen angestrebt, die auf gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen basieren. Ein solches System funktioniert nicht in starren Hierarchien, es lebt von Teamarbeit. Die Unternehmensstrukturen werden transparenter, was aber gleichzeitig mehr Verantwortung für den/die einzelnen Mitarbeiter/in bedeutet.

13.2 Vom Wettbewerb zum Qualitätsstandard

Viele Unternehmen bieten bereits ein breites Spektrum an mitarbeiterorientierten Maßnahmen. Nicht alle Maßnahmen sind jedoch bedarfsgerecht oder im Unternehmen ausreichend bekannt. Hier setzt das Qualitätssiegel Familienfreundlicher Arbeitgeber der Bertelsmann Stiftung an:

Das Qualitätssiegel Familienfreundlicher Arbeitgeber der Bertelsmann Stiftung dient der Prüfung, Bewertung und Auszeichnung einer familienbewussten Personalpolitik. In einem schlanken, kostengünstigen Prozess erfasst es den Status quo im Unternehmen, wobei das Hauptaugenmerk auf der Unternehmens- und Führungskultur liegt.

Abb. 21: Ablauf des Prüfverfahrens (Quelle: Bertelsmann Stiftung)

Das Qualitätssiegel Familienfreundlicher Arbeitgeber beinhaltet die Bewertung des Status quo mittels Arbeitgeberfragebogen und eines kurzen Mitarbeitermeinungsbilds. Geprüft werden die fünf Bereiche "Unternehmens- und Führungskultur", "Kommunikation", "Arbeitsorganisation", "Unterstützungsangebote" sowie "Strategie und Nachhaltigkeit". Erfahrene Prüfer werten die Befragungsergebnisse aus, stellen sie einander gegenüber und präsentieren sie vor Ort. Dabei erörtern sie Besonderheiten, erarbeiten gemeinsam mit dem Betrieb Entwicklungspotenziale und geben praktische Anregungen zur weiteren Umsetzung einer familienbewussten Personalpolitik. Bei Arbeitgebern mit über 500 Beschäftigten werden die Ergebnisse zusätzlich in einem halbtägigen Führungskräfte-Workshop präsentiert und das weitere Vorgehen diskutiert. Jeder Arbeitgeber wird individuell vor dem Hintergrund seiner Betriebsgröße, der branchenspezifischen Anforderungen und Möglichkeiten sowie den Bedürfnissen der Beschäftigten bewertet. Dieser Ablauf führt erfahrungsgemäß in ein bis drei Monaten zum Siegel, welches die Betriebe für die Dauer von drei Jahren öffentlich führen können. Nach deren Ablauf besteht die Möglichkeit, das Siegel über ein Erneuerungsverfahren ...

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