Vergütungsoptimierung durch... / 4.7 Gestellung von Firmenwagen oder E-Bike

Eine Entgeltvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann vor Fälligkeit dahingehend geändert werden, dass anstelle von Barlohn ein Firmenwagen oder ein Elektrofahrrad an den Arbeitnehmer überlassen wird. Die Entgeltumwandlung wird insoweit von der Finanzverwaltung anerkannt, soweit es sich um ein Fahrzeug handelt, das dem Arbeitgeber gehört und dem Arbeitnehmer gegebenenfalls auch zu dessen privater Verfügung überlassen wird. Oftmals wird in diesen Fällen eine vollständige oder teilweise Übernahme der Leasingraten durch die Mitarbeiter vereinbart. Durch die Bewertung der Gestellung mit der 1-%-Regelung oder Fahrtenbuch entstehen in vielen Fällen steuer- und sozialversicherungsrechtliche Vorteile. Darüber hinaus entstehen insbesondere bei größeren Unternehmen Vorteile aus günstigeren (Leasing-)Konditionen der Automobilbranche.

Die Finanzverwaltung geht von einer Nutzungsüberlassung durch den Arbeitgeber aus, wenn der Anspruch auf die Kraftfahrzeugüberlassung aus dem Arbeitsvertrag oder aus einer anderen arbeitsrechtlichen Rechtsgrundlage resultiert. Das ist der Fall, wenn die Nutzungsüberlassung im Rahmen einer steuerlich anzuerkennenden Gehaltsumwandlung mit Wirkung für die Zukunft vereinbart oder arbeitsvertraglicher Vergütungsbestandteil ist.

Kostendeckelung bei niedrigen tatsächlichen Kosten beachten

Sind die tatsächlichen Kosten des Dienst- oder Firmenfahrzeugs geringer als der geldwerte Vorteil, kommt es zur Kostendeckelung. Hierbei wird max. die Höhe der insgesamt tatsächlich entstandenen Kosten als geldwerter Vorteil angesetzt, der übersteigende Betrag bleibt außer Ansatz. Das kann bei attraktiven Konditionen mit Full-Service-Leasing der Fall sein.

 
Praxis-Beispiel

Deckelung des geldwerten Vorteils

Der Arbeitgeber least einen Dienstwagen mit einem Bruttolistenpreis von 55.000 EUR und überlässt dieses Fahrzeug seiner Mitarbeiterin (einschl. privater Nutzung). Es handelt sich um einen Full-Service-Leasing-Vertrag (Leasing, Tankkarte, Inspektionspauschale, Kfz-Versicherung) für monatlich 500 EUR. Die Mitarbeiterin verzichtet für den Dienstwagen auf monatlich 500 EUR ihres Arbeitslohns.

 
Ergebnis:
  Lohn bisher Lohn neu
Monatslohn 5.000 EUR 4.500 EUR
Dienstwagen (Kostendeckelung)   500 EUR
Steuerbrutto 5.000 EUR 5.000 EUR

Vergünstigungen für Hybrid- und Elektroautos

Bei der Dienstwagenbesteuerung für Elektro- und extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge erfolgt bei erstmaliger Überlassung seit 2019 zusätzlich eine Halbierung der Bemessungsgrundlage. Bei der 1-%-Regelung müssen also im Ergebnis monatlich nur 0,5 % des Listenpreises versteuert werden.

Bei emissionsfreien Elektrofahrzeugen wird der Listenpreis ab 2020 sogar nur noch zu 1/4 angesetzt, sodass nur noch 0,25 % vom Listenpreis versteuert werden. Der maximale Listenpreis derartiger Fahrzeuge ist im Rahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung Mitte 2020 von 40.000 EUR auf 60.000 EUR angehoben worden. Die Änderung gilt rückwirkend ab dem 1.1.2020 für Kraftfahrzeuge, die nach dem 31.12.2018 angeschafft, geleast oder erstmalig zur privaten Nutzung überlassen wurden.[1] Eine entsprechende Halbierung/Viertelung gilt bei der Fahrtenbuchmethode für die AfA-Beträge bzw. Leasingraten.

Überlassung eines Fahrrads/E-Bikes

Überlässt der Arbeitgeber Mitarbeitern ein betriebliches (E-)Fahrrad erstmals nach dem 31.12.2018 zur privaten Nutzung im Rahmen einer Entgeltumwandlung, wird als monatlicher Durchschnittswert der privaten Nutzung für das Kalenderjahr 2019 1 % der auf volle 100 EUR abgerundeten halbierten und ab 1.1.2020 1 % eines auf volle 100 EUR abgerundeten Viertels der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer festgesetzt (einen Zuschlag für Fahrten zur Arbeit gibt es hier nicht).[2]

Für Altfälle, in denen das Fahrrad bereits vor 2019 überlassen worden ist, ist der volle Listenpreis anzusetzen.[3]

 
Achtung

Keine Steuerfreiheit für Entgeltumwandlung

Die Steuerbefreiung für die Überlassung von (Elektro-)Fahrrädern gilt nicht bei Entgeltumwandlung.[4]

 
Praxis-Beispiel

Lohnoptimierung durch Überlassung eines E-Bikes

Der Arbeitgeber überlässt seinem Mitarbeiter ab 2020 erstmals ein Elektrofahrrad, das verkehrsrechtlich als Fahrrad einzuordnen ist, sowohl für Privatfahrten als auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers des Fahrrads beträgt 3.200 EUR. Die Leasingrate liegt bei Inanspruchnahme von Großabnehmerkonditionen bei 60 EUR (regulär 80 EUR).

Ergebnis: Der Mitarbeiter hat ab 2020 einen geldwerten Vorteil von 8 EUR (1 % eines Viertels des Listenpreises) monatlich zu versteuern. Verzichtet der Mitarbeiter i. H. d. Leasingrate auf Arbeitslohn, entstehen dem Arbeitgeber keine Kosten. Der steuerpflichtige Arbeitslohn wird aber durch das Fahrrad nur um 8 EUR wieder erhöht. Damit ergibt sich für den Mitarbeiter im Ergebnis ein geringeres Bruttogehalt.

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