Unternehmenskultur: Aufgabe... / 5 Wie entstehen Unternehmenskulturen und wie entwickeln sie sich?

Man unterscheidet mehrere Entwicklungsphasen einer Unternehmenskultur. Sie sind entscheidend für die Unternehmenskultur und sollen daher näher betrachtet werden:

  1. Die Gründungsphase
  2. Die Entwicklungsphase
  3. Die Reifephase
  4. Krisenphase und Erneuerung? (Untergang?)

5.1 Die Gründungsphase

Wesentlich wird die Unternehmenskultur vom Gründer oder dem Gründerteam beeinflusst. Deren persönliche Prägung, ihre Vorerfahrungen, ihre Kindheit und Ausbildung, Familien und Freunde, ihre persönlichen Werte und Motivationen spielen hier eine große Rolle.

 
Praxis-Beispiel

Prägende Unternehmensgründer

Viele Firmengründer übten über viele Jahre einen prägenden Einfluss aus. Beispiele hierfür sind Heinz Nixdorf, Robert Bosch, Gottlieb Duttweiler (Migros, Schweiz), Steve Jobs bei Apple Computers, Walter Wriston bei Citicorp/Citibank, Carl Benz bei Mercedes Benz, Mary Kay Ash bei ihrer Kosmetikfirma, Bill Gates bei Microsoft, Walt(er) Disney, Bill Gore der Gründer von W.L. Gore & Associates oder Ingvar Kamprad, der Gründer der Möbelfirma IKEA.

Prägend für die Unternehmenskultur werden sicherlich auch der aktuelle Zeitgeist, die Werte der Gesellschaft, die ökonomische Situation, die gesetzliche Lage und die zu dieser Zeit herrschenden Bedingungen der Branche sein.

 
Praxis-Beispiel

Persönliche Werte der Unternehmensgründer

Der Kern der Unternehmenskultur bei Microsoft wurde in der Gründungsphase durch Bill Gates persönliche Werte beeinflusst. Er setzte unter anderem auf kleine Projektentwicklungsteams; bei jeder Geschäftseinheit, die über 200 Mitarbeiter zählt, wurden separate Produktteams ausgegliedert.

5.2 Die Entwicklungsphase

Da gewisse Probleme immer wieder auftauchen, entwickeln sich zu deren Bearbeitung allmählich Regeln und Standards. Im Laufe dieser Phase kann es auch zur Entstehung gewisser Rituale, Geschichten über den Firmengründer, Feiern und Mythen kommen. Bei der Einstellung neuer Mitarbeiter ist hier nicht nur das fachliche Wissen ausschlaggebend, sondern auch das Ausmaß, in dem der Bewerber zur Unternehmenskultur passt.

"Der dritte Vorstand ist unser heiß ersehnter Neuzugang … Das ist ein Meilenstein in der Geschichte von CyberProfit. … Der Mann versteht etwas vom Werbemarkt. Außerdem hat er den "Spirit", den die anderen Kandidaten nicht hatten. Er ist Feuer und Flamme für unser Baby. Sicher, anderswo könnte er wesentlich mehr verdienen. Aber die Cash-Maschine hat ihn gepackt. Die Chemie zwischen uns stimmt. Ab jetzt schalten wir noch einen Gang höher"

Ein Verhalten wird sich dann wiederholen, wenn es den erwarteten Erfolg nach sich zieht. Wenn diese "Erfolgsrezepte" im Umgang mit regelmäßig auftauchenden Problemen an andere Mitarbeiter weitergegeben und von diesen angewandt werden, dann können diese "Erfolgsrezepte" zum kulturellen Wissen des Unternehmens werden. Entsprechendes gilt für den Misserfolg. So wird auch die Komplexität im Alltag reduziert.

Die Sache mit den Subkulturen

Mit zunehmender Mitarbeiterzahl steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Subkulturen bilden. Subkulturen sind Gruppen, die sich mit ihrer Gruppe identifizieren und sich in ihrem Wissen und ihren Einstellungen von anderen Gruppen unterscheiden und sich eventuell sogar bewusst abgrenzen. Je häufiger und intensiver Gruppen zusammenarbeiten und dabei getrennt von anderen Gruppen sind, desto eher bildet sich eine Subkultur heraus.

Häufig entwickeln sich entlang organisatorischer Grenzen Subkulturen. So bestehen in vielen Unternehmen eigene Subkulturen des Vertriebs und solche der Produktion. In der Wahrnehmung der Subkultur des Vertriebs wird die Produktion als starr und unflexibel betrachtet, da diese technisch planen und gewisse Prozesse einhalten muss. Aus der Sicht der Kultur der Produktionsabteilung hingegen wird der Vertrieb als chaotisch, ungeplant und anmaßend wahrgenommen, da dieser flexibel auf sich oft kurzfristig wechselnde Kundenbedürfnisse reagiert und von der Produktion schnelle Änderungen erwartet.

 
Praxis-Tipp

Subkulturen erkennen und handhaben

Subkulturen können sich auch nach ethischen Zugehörigkeiten und Religionszugehörigkeiten bilden. Entdecken Sie Subkulturen in Ihrem Unternehmen, die die Zusammenarbeit behindern, so sorgen Sie dafür, dass diese unterschiedlichen Gruppen sich häufiger sehen, mehr miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten. Auch gemeinsame Aktionen wie Besichtigungen, Weiterbildungen und Ausflüge, können diesem Ziel dienen.

5.3 Die Reifephase

In der Reifephase sind oft ausgeprägte Subkulturen sowie viele Regeln, Standards und Vorschriften zu beobachten. Letztere werden häufig als bürokratische Last empfunden. Oft ist das Verhalten zu stark durch die Unternehmenskultur "betoniert" worden, was zu einer Krise oder einer Erneuerung führen kann. Aber: Unabhängig voneinander bestehende Subkulturen können durchaus sinnvoll sein.

 
Praxis-Beispiel

Tochterunternehmen

Die verschiedenen Tochterfirmen eines Mischkonzerns haben oft völlig voneinander unabhängige Unternehmenskulturen, da sie in verschiedenen Geschäftsfeldern aktiv sind. Jedoch können unabhängige Subkulturen dann schädlich sein, wenn sie in ...

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