Unbezahlter Urlaub / 3.4 Unbezahlter Urlaub bei freiwilligen Mitgliedern

Für Arbeitnehmer, die wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze versicherungsfrei sind, werden die Beiträge zu einer freiwilligen Kranken- und Pflegeversicherung von der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze berechnet. Dies gilt ebenfalls im Falle eines unbezahlten Urlaubs für die Dauer eines Monats.[1]

Dauert der unbezahlte Urlaub länger als einen Monat, besteht die freiwillige Versicherung weiter, es sei denn, es besteht die Möglichkeit einer Familienversicherung aufgrund einer Mitgliedschaft des Ehegatten bei einer gesetzlichen Krankenkasse.

Bei einer weiter bestehenden freiwilligen Versicherung richtet sich der zu zahlende Beitrag nach Ablauf des ersten Monats des unbezahlten Urlaubs nach dem Einkommen des freiwilligen Mitglieds. Dabei ist jedoch die Mindestbemessungsgrundlage (2021: 1.096,67 EUR; 2020: 1.061,67 EUR) zu beachten.

3.4.1 Beitragszuschuss für freiwillige Mitglieder

Freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherte Beschäftigte, die nur wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze versicherungsfrei sind, erhalten von ihrem Arbeitgeber als Beitragszuschuss den Betrag, den der Arbeitgeber bei Versicherungspflicht des Beschäftigten zu tragen hätte.

Für den ersten Zeitmonat ist weiterhin der bisherige Beitrag zu entrichten. Da der Arbeitnehmer kein Arbeitsentgelt erhält, entfällt in dieser Zeit der Anspruch auf einen Beitragszuschuss durch den Arbeitgeber. Allerdings ist in dem Monat des Beginns der Monatsfrist der Beitragszuschuss nicht anteilig zu zahlen, sondern auf der Basis des Teilarbeitsentgelts neu zu ermitteln.

 
Praxis-Beispiel

Beitragszuschuss während des unbezahlten Urlaubs

Der Arbeitnehmer erhält ein monatliches Gehalt in Höhe von 8.000 EUR. Er ist freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, deren Zusatzbeitrag 1,0 % beträgt. Der Arbeitnehmer hat 2 Kinder.

Sein monatlich zu entrichtender Beitrag zur Krankenversicherung beträgt auf der Basis der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze (2021: 4.837,50 EUR) 754,66 EUR und Pflegeversicherung (4.837,50 x 3,05 % =) 147,54 EUR, insgesamt also (754,66 EUR + 147,54 =) 902,10 EUR. Dazu gewährt der Arbeitgeber einen Beitragszuschuss zur Krankenversicherung in Höhe von 377,33 EUR und zur Pflegeversicherung in Höhe von 73,77 EUR.

Vom 16.6.2021 an vereinbart er mit seinem Arbeitgeber unbezahlten Urlaub bis zum 30.9.2021. Sein anteiliges Gehalt für Juni 2021 beträgt 4.000 EUR.

Die freiwillige Krankenversicherung und die daraus resultierende Pflegeversicherungspflicht bleiben durch den unbezahlten Urlaub unberührt. Bis zum 15.7.2021 hat der Arbeitnehmer weiterhin den Höchstbeitrag zu entrichten. Für Juni 2021 sind dies 902,10 EUR und für Juli 2021 anteilig 451,05 EUR. Da sein monatliches Arbeitsentgelt im Juni 2021 die Beitragsbemessungsgrenze nicht überschreitet, wird der Beitragszuschuss auf der Basis der 4.000 EUR berechnet.

Daraus resultiert ein Beitragszuschuss für Juni 2021 zur Krankenversicherung in Höhe von (4.000 EUR x 7,3 % = 292 EUR + 4.000 EUR x 0,5 % = 20 EUR) 312 EUR und zur Pflegeversicherung in Höhe von (4.000 EUR x 1,525 % =) 61 EUR. Da der Arbeitnehmer im Juli 2021 kein Arbeitsentgelt erhält, entfällt in diesem Monat der Beitragszuschuss.

Außerdem kann eine spätere Einmalzahlung ebenfalls Auswirkungen auf den Beitragszuschuss haben.

 
Praxis-Beispiel

Erhöhter Beitragszuschuss bei späterer Einmalzahlung

Fortsetzung des Beispiels zuvor.

Aus der Berücksichtigung der SV-Tage bis zum 15.7.2021 ergibt sich für den Beitragszuschuss eine SV-Luft in Höhe von 3.256,25 EUR.

Berechnung:

  • Juni 2021: Differenz zwischen der Beitragsbemessungsgrenze und der Berechnungsgrundlage für den Beitragszuschuss in Höhe von 837,50 EUR (BBG 4.837,50 EUR – anteiliges Entgelt 4.000 EUR).
  • Juli 2021: Beitragsbemessungsgrenze auf der Basis von 15 SV-Tagen 2.418,75 EUR (4.837,50 EUR : 30 x 15 Kalendertage)
  • SV Luft: 837,50 EUR (Juni) + 2.418,75 EUR (Juli) = 3.256,25 EUR

Erhält der Arbeitnehmer von Oktober bis Dezember 2021 neben seinem monatlichen Arbeitsentgelt eine Einmalzahlung, hat der Arbeitgeber zusätzlich zum monatlichen Beitragszuschuss einen zusätzlichen Beitragszuschuss auf der Basis der Einmalzahlung, höchstens jedoch von 3.256,25 EUR zu leisten. Dies gilt gleichermaßen, wenn eine Einmalzahlung in der Zeit vom 1.1. bis zum 31.3.2022 gezahlt wird, die im Rahmen der März-Klausel dem Vorjahr zuzuordnen ist.

Unbezahlter Urlaub bei privat krankenversicherten Arbeitnehmern

Die Beitragshöhe in der privaten Krankenversicherung ist weitgehend unabhängig von der Einkommenssituation des Versicherten. Der unbezahlte Urlaub hat keine Auswirkungen auf die Höhe der Beiträge. Dies gilt unabhängig von der Dauer des unbezahlten Urlaubs.

Hinsichtlich des Beitragszuschusses des Arbeitgebers gelten die vorherigen Ausführungen entsprechend.

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