Übungsleiterfreibetrag / Lohnsteuer

1 Freibetrag bei bestimmten Nebentätigkeiten

Die Einnahmen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit als

  • Übungsleiter,
  • Ausbilder,
  • Erzieher,
  • Betreuer oder aus vergleichbaren Tätigkeiten,
  • aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten oder
  • aus der nebenberuflichen Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen

werden bis zu 2.400 EUR jährlich als steuerfreie Aufwandsentschädigung behandelt, wenn die nebenberufliche Tätigkeit im Dienst oder Auftrag

  • einer inländischen juristischen Person des öffentlichen Rechts oder
  • einer gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienenden Einrichtung

erfolgt.

Ohne Bedeutung für den Freibetrag ist es, ob die Nebentätigkeit selbstständig oder unselbstständig ausgeübt wird.

 
Hinweis

Auch Einnahmen aus anderen EU-Mitgliedstaaten und Schweiz begünstigt

Sämtliche unter § 3 Nr. 26 EStG fallenden Nebentätigkeiten sind begünstigt, die im Dienst oder Auftrag einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ausgeübt werden. Das betrifft auch diejenigen, die in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union oder in einem Staat gelegen sind, auf die das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum angewendet wird.[1] Daher können z. B. auch Tätigkeiten an europäischen Universitäten mit dem Übungsleiterfreibetrag begünstigt sein. Eine weitere Ausdehnung hat sich durch die Rechtsprechung des EuGH zum Freizügigkeitsabkommen mit der Schweiz ergeben.[2] Der Gesetzgeber hat den Anwendungsbereich für den Übungsleiterfreibetrag zum 1.1.2019 rückwirkend auf begünstigte nebenberufliche Tätigkeiten ausgedehnt, die in der Schweiz ausgeübt werden.[3]

Soweit die Einnahmen den steuerfreien Höchstbetrag von 2.400 EUR übersteigen, sind sie nach den allgemeinen Regelungen steuerpflichtig (Einkünfte aus selbstständiger oder nichtselbstständiger Arbeit).

[1] § 52 Abs. 4b EStG i. d. F. des JStG 2009.
[3] § 3 Nr. 26 EStG i. d. F. des Gesetzes zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel von Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften.

2 Begünstigte Nebentätigkeiten

Bei den begünstigten Tätigkeiten sind 3 Gruppen zu unterscheiden.

2.1 Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer

Unter die Steuerbefreiungsvorschrift fallen zunächst Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer sowie Personen, die eine vergleichbare Tätigkeit ausüben. Entscheidend ist, dass andere Menschen ausgebildet oder unterrichtet werden. Dementsprechend ist der in den Katalog der begünstigten Tätigkeiten nach § 3 Nr. 26 EStG aufgenommene Begriff des Betreuers nur im Sinne einer pädagogisch ausgerichteten Betreuung zu verstehen.

Typische Beispiele sind folgende Tätigkeiten:

  • Trainer bei Fußballvereinen,
  • Dirigenten oder Chorleiter bei Gesangs- oder Musikvereinen sowie
  • Lehr- oder Vortragstätigkeit an Volksbildungswerken, einschließlich der Leitung von Volkshochschulen.[1]

2.2 Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen

Der Übungsleiterfreibetrag umfasst auch die nebenberufliche Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen. Gefördert wird nicht nur die Dauerpflege, sondern auch kurzfristige Hilfeleistungen sind begünstigt.

In Betracht kommen nebenberufliche Hilfsdienste

  • bei der häuslichen Betreuung durch ambulante Pflegedienste,
  • bei der Altenhilfe[1] und
  • bei Sofortmaßnahmen gegenüber Schwerkranken und Verunglückten, etwa durch Rettungssanitäter und Ersthelfer.
 
Praxis-Tipp

Übungsleiterfreibetrag für Ärzte und Pfleger im Ruhestand oder in Elternzeit

Grundsätzlich können Ärzte oder Pfleger im Ruhestand, die für ein Gesundheitsamt oder ein staatliches oder gemeinnütziges Krankenhaus Patienten versorgen, ebenfalls den Übungsleiterfreibetrag in Anspruch nehmen. Dasselbe gilt für Ärzte oder Pfleger, deren Beschäftigungsverhältnis z.B. wegen Elternzeit oder unbezahltem Urlaub ruht. Aktuell ist diese Regelung auch interessant in Verbindung mit der Corona-Pandemie.[2]

[1] § 65 Bundessozialhilfegesetz.

2.3 Nebenberufliche künstlerische Tätigkeiten

Der Steuerfreibetrag von max. 2.400 EUR kommt auch für nebenberufliche künstlerische Tätigkeiten infrage. Zu den begünstigten Personen zählen z. B. Kirchenorganisten sowie Komparsen und Statisten bei Theater- bzw. Opernaufführungen.[1] Nicht begünstigt sind Musiker, die bei Kirmesveranstaltungen oder auf Schützen- oder Volksfesten auftreten.

2.4 Freibetrag für ehrenamtliche Tätigkeiten

Für andere nebenberufliche Tätigkeiten im öffentlichen oder gemeinnützigen Dienst gewährt der Gesetzgeber den Ehrenamtsfreibetrag von 720 EUR[1] und für ehrenamtliche rechtliche Betreuer und Pfleger ebenfalls einen Jahresfreibetrag von 2.400 EUR.[2] Der Ehrenamtsfreibetrag ist ein "allgemeiner Freibetrag", der – im Gegensatz zum Übungsleiterfreibetrag – nicht auf bestimmte Tätigkeiten beschränkt ist. Ein umfassendes Anwendungsschreiben regelt die Voraussetzungen für die Anwendung des Ehrenamtsfreibetrags bzw. die Steuerfreiheit der Einnahmen aus einer rechtlichen Betreuer- bzw. Pflegetätigkeit.[3]

[3] BMF, Schreiben v. 21.11.2014, IV C 4 – S 2121/0010:032, BStBl 2014 I S. 1581.

3 Nur Tätigkeiten für öffentlich-rechtliche oder gemeinnützige Körperschaften

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