Übergangsbereich / 4 Ermittlung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts

Bei Arbeitnehmern, die gegen ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt innerhalb des Übergangsbereichs beschäftigt sind, wird in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung für die Berechnung des vom Arbeitnehmer zu tragenden Beitragsanteils als beitragspflichtige Einnahme nicht das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt zugrunde gelegt.

Der beitragspflichtige Betrag wird nach folgender Formel berechnet:

F x 450 + ([1300/(1300-450)] – [450/(1300-450)] x F) x (AE – 450)

 

Wichtig

Definition des Faktors "F"

Der Faktor "F" wird aus dem durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitrag eines Kalenderjahres ermittelt und jedes Jahr neu angepasst. Für Zeiträume ab dem 1.1.2019 beträgt der Faktor "F" 0,7566.

Von der auf diese Weise ermittelten Beitragsbemessungsgrundlage sind zunächst die vollen Beiträge je Versicherungszweig zu ermitteln. Hierzu wird die Bemessungsgrundlage mit dem halben Beitragssatz des jeweiligen Sozialversicherungszweigs (Beispiel KV: 14,6 % : 2 = 7,3 %) multipliziert und anschließend verdoppelt. Im nächsten Schritt wird der Arbeitgeber-Beitragsanteil ermittelt. Der Arbeitnehmer-Beitragsanteil ergibt sich durch folgende Rechnung:

 
Arbeitnehmerbeitragsanteil = Gesamtsozialversicherungsbeitrag auf Basis der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme Arbeitgeberbeitragsanteil auf Basis des tatsächlichen Arbeitsentgelts

Die Berechnung ist für jeden einzelnen Sozialversicherungszweig getrennt durchzuführen.

 

Praxis-Beispiel

Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge

Ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer erzielt ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt in Höhe von 900 EUR. Der Arbeitnehmer ist Mitglied einer Krankenkasse; es gilt der allgemeine Beitragssatz in Höhe von 14,6 %.

Ergebnis

Die Beitragsbemessungsgrundlage für den Arbeitnehmer errechnet sich wie folgt:

1,1288588 x 900 - 167,516470 = 848,46 EUR

Berechnung der Krankenversicherungsbeiträge:

 
Gesamtbeitrag zur KV: 848,46 EUR x 7,3 % x 2 = 123,88 EUR
Arbeitgeber-Beitragsanteil: 900,00 EUR x 7,3 % = 65,70 EUR
Arbeitnehmer-Beitragsanteil: 123,88 EUR – 65,70 EUR = 58,18 EUR

Wird von der Krankenkasse des Arbeitnehmers ein kassenindividueller Zusatzbeitragssatz erhoben, gelten für die Berechnung der Zusatzbeiträge die oben erwähnten Regelungen.

 

Praxis-Beispiel

Berechnung des individuellen Zusatzbeitrags

 
Zusatzbeitragssatz der Krankenkasse beträgt 1,1 %  
monatliches Arbeitsentgelt 900,00 EUR
beitragspflichtige Einnahme (1,1288588 x 900 - 167,516470) 848,46 EUR
Zusatzbeitrag KV-Beitrag (848,46 EUR x 0,55 % x 2) 9,34 EUR
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (900 EUR x 0,55 %) 4,95 EUR
Arbeitnehmerbeitragsanteil 4,39 EUR

Die Beiträge zur Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung berechnen sich auf die gleiche Weise. Hinsichtlich der Pflegeversicherung gilt ggf. zusätzlich ein Beitrag in Höhe von 0,25 % für kinderlose Mitglieder. Auch dieser berechnet sich von dem reduzierten Arbeitsentgelt im Übergangsbereich.

4.1 Über-/Unterschreiten des Entgelts im Übergangsbereich

Bei schwankenden Arbeitsentgelten kann es vorkommen, dass zwar das ermittelte regelmäßige Arbeitsentgelt innerhalb des Übergangsbereich, jedoch in einzelnen Monaten das erzielte Arbeitsentgelt die Grenzen des Übergangsbereichs über- oder unterschreitet. In diesem Fall gilt:

Übersteigt das Arbeitsentgelt die obere Grenze von 1.300 EUR, sind die Beiträge – wie üblich – grundsätzlich je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu tragen. Wird jedoch ein Arbeitsentgelt von unter 450,01 EUR erzielt, ist ein fiktives Arbeitsentgelt nach folgender Rechnung zu ermitteln:

Tatsächliches Arbeitsentgelt x Faktor "F" = beitragspflichtige Einnahme

Auf der Basis des so ermittelten Betrags ist – wie oben beschrieben – die Summe der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Beitragsanteile je Versicherungszweig zu ermitteln.

 

Praxis-Beispiel

Entgelt bei Arbeitsschwankungen

Eine Arbeitnehmerin hat ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt in Höhe von 500 EUR. Aufgrund von Arbeitsschwankungen erzielt sie im Monat September 2019 lediglich ein Arbeitsentgelt in Höhe von 300 EUR.

Ergebnis: Das beitragspflichtige Arbeitsentgelt wird für den Monat September 2019 wie folgt ermittelt:

300 EUR x F (seit 1.1. 2019 = 0,7566) = 226,98 EUR

Der Arbeitnehmer-Beitragsanteil wird aus dem fiktiven Arbeitsentgelt in Höhe von 226,98 EUR berechnet. Der Arbeitgeber-Beitragsanteil wird vom tatsächlichen Arbeitsentgelt (hier: 300 EUR) berechnet.

4.2 Einmaliges Arbeitsentgelt

Wird in einem Abrechnungsmonat ein einmaliges Arbeitsentgelt gezahlt (z. B. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld), findet keine anteilige Berücksichtigung dieser Sonderzahlung statt. Das einmalig gezahlte Arbeitsentgelt wird vielmehr in voller Höhe dem laufenden Arbeitsentgelt zugerechnet.

Wird dadurch die obere Grenze des Übergangsbereichs von 1.300 EUR überschritten, sind die Beiträge ohne Berücksichtigung der Übergangsbereichsregelungen anteilig vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu tragen. Hierbei ist zu berücksichtigen, wer welchen Beitragsanteil zu tragen hat. Liegt die Summe aus laufendem und einmaligem Arbeitsentgelt innerhalb des Übergangsbereic...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge